Baden

Fällaktion: War die 130-jährige Riesenthuja im Kurpark wirklich krank?

Musste die Riesenthuja im Kurpark wegen des geplanten Umbaus des Trafohäuschens in ein Bistro gefällt werden? Trotz eines offiziellen Gutachtens zweifelt eine Kurpark-Anwohnerin, dass die Krankheit des Baumes der wahre Grund war.SKU

Musste die Riesenthuja im Kurpark wegen des geplanten Umbaus des Trafohäuschens in ein Bistro gefällt werden? Trotz eines offiziellen Gutachtens zweifelt eine Kurpark-Anwohnerin, dass die Krankheit des Baumes der wahre Grund war.SKU

Eine Kurpark-Anwohnerin setzt ein Fragezeichen hinter die Fällaktion. Sie vermutet, der 130-jährige Baum stand dem geplanten Bau eines Bistros im Weg.

Am Freitagmorgen wurde im Kurpark eine Thuja gefällt. 130 Jahre alt war der Baum. Die Fällung dauerte knapp eine Viertelstunde. Dann blieb vom einstigen Riesen nur noch ein Baumstrunk übrig. Der offizielle Grund für die Fällung: Pilzbefall.

Tatsächlich? Eva Lehmann zweifelt diese Begründung an, ärgert sich, ist in eigenen Worten gar «entsetzt» – und die Anwohnerin gerät ins Grübeln. Denn der Baum stand nicht einfach irgendwo im Kurpark, sondern direkt neben dem alten Trafohäuschen, das in diesem Sommer in ein Bistro mit Terrasse und öffentlichen Toiletten umgewandelt wird. Die Arbeiten dafür beginnen am kommenden Montag.

Trotzdem ist sich Lehmann sicher: «Der 130-jährige Riese stand dem Projekt im Weg, das ist schon im Bauplan ersichtlich. Deswegen wurde er umgetan.» Ein Baum könne einen Pilz haben, deswegen müsse er aber nicht gleich gefällt werden. «Dem Bürger wird die Fällung so verkauft, dass der Baum krank gewesen sein soll», enerviert sich Lehmann. «Das ist kaum zu ertragen.» Für die Badenerin steht ausser Frage, dass der Baum hätte erhalten werden können. Dies, auch wenn dem Werkhof ein offizielles Gutachten eines Baumspezialisten vorlag, das besagt, dass der Baum aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste.

«Das war ein ganz klarer Fall»

Claudius Bader, Geschäftsleiter der Tilia Baumpflege AG, die das Gutachten am 18. Februar verfasste, steht hinter dem Entscheid: «Bei der Thuja im Kurpark gibt es nichts zu spekulieren. Das war ein ganz klarer Fall.» Denn nicht irgendein Pilz habe den Baum angegriffen, sondern ein Pilz der Sorte Hallimasch. «Der ist extrem aggressiv», sagt Bader. «Da würde jeder Gutachter zum selben Entscheid kommen.» Zudem sei die Krone schon länger abgestorben, das obere Drittel des Baumes sei sichtbar braun gewesen. Wenn eine Thuja ausserdem viele Früchte produziere, sei das ein klares Zeichen dafür, dass der Baum viel Stress habe. «Da hätte man so oder so nichts mehr machen können.»

Werkhofleiter Thomas Stirnemann und Stadtoberförsterin Sarah Niedermann dementieren Lehmanns Vorwurf vehement: «Die Fällung hat nichts mit dem Umbau des Trafohäuschens zu tun», sagt Letztere. Und Stirnemann ist überzeugt: «Der Baum hatte sein Lebensende erreicht.» Ausserdem sei der Teamleiter des Grünanlagenunterhalts, Robert Gartner, der Letzte, der einen der über 2500 Stadtbäume fällen würde, wenn es nicht absolut nötig sei: «Das sind alles seine Kinder.»

Die Kritik kommt für den Werkhofleiter aber nicht überraschend: «Ich habe schon gedacht, dass die Fällung noch zu Reden gibt. Aus Transparenz haben wir deshalb das Gutachten öffentlich gemacht.» Grundsätzlich seien für die Aussenbewirtschaftung des Bistros laut Monika Suter, Bereichsleiterin Planung, keine Baumfällungen nötig.

«Spielwiese des Grand Casinos»

All diese Begründungen überzeugen Eva Lehmann nicht: «Der Baum wurde Opfer unserer unendlichen Partykultur.» Die Stadtcasino Baden AG, die Betreiberin des zukünftigen Bistros, sei eine wichtige finanzielle Einnahmequelle für die Stadt, deshalb dürfe sie sich solche Aktionen erlauben.

Betrachte man alte Fotos, sei der Kurpark einst schön und gepflegt gewesen, findet die Badenerin. Heute befände sich an der Westseite des Grand Casinos eine Schotterwüste mit Abluftgittern, die Nordterrasse werde kaum benutzt und im Winter mit Plastikzelt und Warmluftheizungen bewirtschaftet. «Anstatt eines Bistros wäre es angebracht, dass sich das Casino um das Bestehende bemüht», fordert Lehmann.

Mit der Übernahme des Bistros gewinne das Grand Casino im Kurpark langsam, aber sicher Überhand: «Die Stadtcasino Baden AG scheint nun die Betreiberin des Kurparks zu sein und der Kurpark wird mehr und mehr zur Spielwiese des Casinos.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1