Dass im Binnenland Schweiz ein Kreuzfahrtschiff getauft und in Betrieb genommen wird, kommt nicht oft vor. Tritt dieses seltene Ereignis dann doch einmal ein, fällt in letzter Zeit fast immer der Name Twerenbold. So konnte das 120-jährige Reiseunternehmen mit Sitz in Baden-
Rütihof am Samstagabend in Basel mit der «Excellence Princess» bereits ihr fünftes Flusskreuzfahrtschiff in Betrieb nehmen.

Wie es sich gehört, geschah dies nicht still und heimlich, sondern mit einer pompösen Tauffeier. Rund 700 Gäste hatten sich beim Dreiländereck am Basler Rhein eingefunden, um der Schiffstaufe beizuwohnen. Taufpatin war keine geringere als Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi, die im luftigen Sommerkleid der zu taufenden Prinzessin fast ein bisschen die Show stahl.

Dabei hat auch die «Excellence Princess» durchaus ihre Reize beziehungsweise weist Gardemasse auf. Mit einer Länge von 135 Metern und einer Breite von 11,4 Metern würde sie auf jedem Kreuzfahrt-Modesteg eine gute Figur machen. Auf alle Fälle ist sie das grösste Schiff, das der Aargauer Reiseveranstalter nach der «Excellence Coral» (Taufe 2012), der «Excellence Queen» (2011), der «Excellence Royal» (2010) und der «Excellence Rhône» (2006) in seiner Familie aufnehmen durfte. 20 Millionen Franken liess man sich das neuste «Baby» kosten, wie Verwaltungsratspräsident Werner Twerenbold sein Schiff liebevoll nennt.

Gebaut wurde das 186 Passagiere fassende Schiff in einer Belgrader Werft, ehe es für den Innenausbau nach Holland verschifft wurde. Ideengeberin und Gestalterin war wie schon bei früheren Schiffen Werner Twerenbolds Frau Nazly. Ein Rundgang durch das Schiff zeigt denn auch, dass hier eine Expertin am Werk war. Grosszügige Kabinen, edle Materialen und grosse Kabinenfenster machen Lust auf Fluss-Ferien. Nur bei den Handläufen scheint man etwas gar optimistisch geplant zu haben. Die sind so breit, dass selbst ein kanadischer Holzfäller Mühe hätte, sie richtig fassen zu können.

Die «Princess» ist nicht nur die Grösste, sondern wartet auch noch mit einigen Besonderheiten auf. So gibt es eins Sky-Lounge, von der man durch ein Glasdach den Sternenhimmel bestaunen kann. Und für die, die Trotz Flussfahrt lieber Fleisch statt Fisch verzehren, gibt es am Heck – so zieht der Dampf in die richtige Richtung ab – ein Steakhouse.

Viele Touren bereits ausgebucht

Ab Mai wird die Prinzessin auf der Donau und im Donaudelta unterwegs sein. «Bis Ende Saison im Herbst sind schon sehr viele Touren ausgebucht», verrät Stephan Frei, Geschäftsleiter des Reisebüros Mittelthurgau, das als Twerenbold-Tochtergesellschaft die Flussreisen vermarktet und verkauft. Und voller Stolz ergänzte er: «Die Kabinen unserer Schiffe gehören zu den geräumigsten auf Europas Wasserstrassen.»

Auffällig ist aber: Ausser einer kleine Golfeinloch-Anlage und eines kleines Fitness- und Wellnessraumes gibt es auf dem Schiff in Sachen Entertainment nichts. «Das wünschen unsere Gäste auch nicht; wir bieten ihnen Unterhaltung, indem wir zum Beispiel Themenreisen anbieten», sagt Karim Twerenbold, Sohn von Werner und seit guten einem Jahr Geschäftsführer der firmeneigenen Reederei Swiss Excellence Cruise.

Francine Jordi als Stewardess

Der Aargauer Zeitung gegenüber offenbarte Werner Twerenbold vor gut drei Jahren: «Ziel ist es, auf europäischen Flüssen das zu werden, was Swissair in der Luft war.» Am Samstag ergänzte er: «Dieses fünfte Schiff ist ein weiteres Bekenntnis, dass wir an dieses Ziel glauben.»

Mit Francine Jordi, welche die Feier musikalisch begleitete, war immerhin schon eine valable Stewardess vor Ort. Endlich: Zu den Klängen von «Conquest of Paradise» legte die Prinzessin nach einer kleinen Ausfahrt zur finalen Taufzeremonie an. Der Song war irgendwie passend, handelt es sich doch um den Soundtrack von «Columbus, 1492» – einziger Unterschied: Twerenbold erobert nicht Südamerika, sondern Europas Flüsse.

Dann war alles bereit für die Taufe: Sogar ein Pfarrer sprach ein paar Worte. «Ich wünsche dem Schiff, der Besatzung und den Gästen immer eine Handbreite Wasser unter dem Kiel.» Gekonnt – gut, besonders anspruchsvoll wer es nicht – betätigte Rigozzi die Leine, worauf die Champagner-Flasche am Schiffrumpf der «Excellence Princess» zerschellte.

Natürlich standen zig Fotografen bereit, um diesen Moment festzuhalten, der natürlich in jedes Fotobuch gehört. Der wirklich bewegende Moment ereignete sich jedoch wenig später und abseits der Kameras, als sich Nazly, Werner und Karim in den Arm nahmen. Die Familie Twerenbold – in vierter Generation – hat wieder einmal Reise-Geschichte geschrieben.

Reederei-Geschäftsleiter Karim Twerenbold über die Taufe der «Excellence Princess»

Reederei-Geschäftsleiter Karim Twerenbold über die Taufe der «Excellence Princess»