Peter Commarmot kennt man in Wettingen und der Region bestens. Der ehemalige Präsident der Autopartei Schweiz (2008 bis 2010) fällt immer wieder durch bissige Leserbriefe auf, die sich meistens ums liebe Thema Geld drehen. Beispiele: «Die Stadt Baden braucht offensichtlich Geld, sehr viel Geld, und will Autofahrer abzocken.» Oder: «Ein Fitnesscenter an der Schwimmbadstrasse verlangt neu für AHV-Bezüger 1070 Franken pro Jahr, solche Wucherpreise werden vielfach von Kunden nicht bemerkt.» Oder: «Schon wollte mir ein Polizeimann eine Busse von 40 Franken geben, weil ich kürzlich bei der Confiserie Bijou während max. 3 Minuten mein Auto nicht verkehrsbehindernd parkierte.»

Auch ums Thema Geld ging es kürzlich in einem «Blick»-Artikel. Unter dem Titel «Mit Vollgas ins Abseits», schrieb die Zeitung darüber, wie sich der 80-jährige Consultant aus Wettingen als Journalist ausgab, um gratis ins Fussballstadion zu kommen. Demnach wollte Commarmot am 11. Februar dieses Jahres in Thun ein Meisterschaftsspiel gegen den FC Basel besuchen. Dank seines Presseausweises vom deutschen Verband der Presse (DVPJ) erhoffte er sich einen Gratiseintritt. Doch am Eingang blitzte er ab. Das lässt sich Commarmot nicht bieten. Schriftlich habe er die Rückerstattung des Ticketpreises von 42 Franken und die Garantie, dass «solche Vorfälle» nicht mehr passieren, verlangt.

«Gipfel der Unverschämtheit»

Gegenüber dieser Zeitung bestätigt Commarmot den Vorfall. «Ich besitze den deutschen Presseausweis schon seit Jahren und und zahle auch jedes Jahr die Mitgliedgebühr von 40 Euro.» Weshalb er im Februar Eintritt bezahlen musste für das Heimspiel des FC Thun, könne er sich nicht erklären. «In den letzten Jahren habe ich mehrmals Spiele des FC Thun besucht und dank des Presseausweises nie Eintritt bezahlen müssen; das kann ich auch beweisen.» Und erst letztes Wochenende habe er bei einem anderen Heimspiel eines Super-Ligisten ebenfalls keinen Eintritt bezahlt.

Die Beschwerde hatte zur Folge, dass die Schlichtungsstelle am Regionalgericht Thun einen Vorschuss von 300 Franken von Commarmot verlangte, worauf dieser eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht habe. Nun beschäftigt sich gar der Berner Justizdirektor Christoph Neuhaus (SVP) mit dem Fall. Neuhaus gab im «Blick» zu Protokoll: «Aus früheren Erfahrungen als Pressechef grosser Sportanlässe ist mir ein solches Verhalten nicht neu. Wenn man dann mit solchen Presseausweisen vor Gericht ziehen will, ist das der Gipfel der Unverschämtheit! Ein solches Verhalten verurteile ich als dreist.»

Diese Äusserungen will Peter Commarmot nicht auf sich sitzen lassen. Er überlegt sich jetzt rechtliche Schritte gegen den Berner Justizdirektor, da dieser Dinge zu Protokoll gegeben habe, die einfach nicht in Ordnung seien. «Ich sehe den Tatbestand einer Persönlichkeitsverletzung erfüllt, das lasse ich mir einfach nicht gefallen», so Commarmot. Überhaupt hätten einige Dinge im Artikel nicht der Wahrheit entsprochen. Zum Beispiel, er verlange vom FC Thun nicht nur den Eintrittspreis, sondern auch die Parkgebühren von zehn Franken zurück. «Die musste ich gar nicht zahlen, also gibts auch nichts zurückzufordern.» Dass er im «Blick» als Trickser und Erschleicher von Leistungen dargestellt wird, setzt Commarmot nicht allzu sehr zu. «Ach wissen Sie, ich habe einen breiten Rücken.»

Der Berner Justizdirektor hat es auf jeden Fall mit einem hartnäckigen Gegner zu tun. So hat Commarmot in der Vergangenheit immer wieder Ausdauer bewiesen. Etwa im Jahr 2009, als er beim Grossen Rat eine Aufsichtsbeschwerde einreichte, weil er die Festivitäten für die frischgewählte Bundespräsidentin Doris Leuthard als «verantwortungslose Geldverschwendung» taxierte. Die Gelder aus dem Swisslos-Fonds müssten für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden und nicht für «Ess- und Trinkgelage», fand er damals. Und 2012 reichte Commarmot beim Preisüberwacher Beschwerde ein, weil in Wettingen der Wasserverbrauchspreis von 90 Rappen auf 1.30 Franken pro Kubikmeter erhöht werden sollte.

Gratis an das Cupspiel

Die Beispiele zeigen: Commarmot ist preisbewusst. Gut, konnte er die Cuppartie am Mittwochabend zwischen dem FC Winterthur und dem FC Basel kostenlos besuchen – ohne dabei überhaupt den Presseausweis gezückt zu haben. «Ich war von einer Versicherung eingeladen.»