Region Baden

Es wurde bereits Salz gestreut – trotz Temperaturen über Null: Ab wann ist das wirklich nötig?

Die Gemeinden streuen nach einem genauen Konzept.

Die Gemeinden streuen nach einem genauen Konzept.

In Baden kam gestern erstmals Salz zum Einsatz, weshalb? Und wie handhaben andere Gemeinden den Winterdienst?

Passanten, die am Montag früh in Baden unterwegs waren, staunten nicht schlecht, als auf einigen Strassen Salz gestreut wurde. Es herrschte allgemeine Verwunderung darüber, dass dies trotz Temperaturen über null Grad scheinbar jetzt schon nötig war. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass das Salzen der Strassen auch Umweltbelastungen hervorruft.

Thomas Stirnemann, Leiter des Werkhofs Baden, sagt auf Anfrage: «Es hat sich heute Morgen Raureif gebildet, was örtlich zu Glatteis geführt hat.» Es würden bei «kritischen Verhältnissen» zwischen 3 und 5 Uhr Kontrollfahrten des Piketleiters durchgeführt, der dann entscheide, wo das Streuen nötig sei. Laut Stirnemann wurde heute Morgen nur spezifisch auf der Allmend/Baldegg und Brücken sowie bei «bekannten kritischen Stellen auf dem Stadtgebiet» wie beispielsweise dem «Hüenerstäg» Salz gestreut.

Der Grundsatz lautet «differenzierter Winterdienst»

Doch wie sieht es in den anderen Gemeinden aus? In Obersiggenthal hat der Baudienst ein umfangreiches Konzept für das Streuen ausgearbeitet. Erwin van Bouwelen von der Gemeindeverwaltung spricht von einem «differenzierten Winterdienst»: Hierbei werden nur spezifische Strassen – in diesem Fall die Hauptstrassen senkrecht zum Hang – gesalzen. Dies geschieht je nach Temperatur respektive, wenn der Nebel zu Bodenglätte führt.

Bisher sei erst auf den Bergstrassen «Ebene Hof» und «Tromsberg» gestreut worden. «Auch hier gibt es in kritischen Wetterlagen Kontrollfahrten des Piketdienstes, bei denen ein Mitarbeiter entscheidet, wo gestreut werden muss und ob noch zusätzliche Hilfe aufgeboten werden muss», sagt van Bouwelen.

Der Werkhof der Gemeinde Wettingen streut grundsätzlich bei Eisglätte. Zusätzlich gibt es hier ebenfalls ein differenziertes Konzept des Winterdienstes: Es werden insbesondere Haupt- strassen, von Bussen befahrene Strassen und Strassen mit über 5 Prozent Längsgefälle, sprich steilere Strassen sowie Gehwege gesalzen.

«Ansonsten versucht die Gemeinde, das Streuen zu vermeiden», sagt Michael Voser, stellvertretender Leiter Werkhof. Dennoch könne es auch vorkommen, dass durchgängig gestreut wird. Dies trete aber nur im Falle von Eisregen ein. Um präventiv zu streuen, habe der Werkhof gar keine Mittel, was daher nie durchgeführt werde.

Je nach Wetter

Die Bauverwaltung der Gemeinde Spreitenbach, die für den Streudienst zuständig ist, gibt an, dieser werde nicht immer gleich, sondern je nach Bedarf durchgeführt. Dies betreffe meist die Zeit zwischen November und April, allerdings werde vornehmlich an «neuralgischen Punkten» gesalzen: an Orten, die als erstes gefrieren, wie beispielsweise Brücken. Man müsse – wie auch in den anderen Gemeinden – je nach Wetter entscheiden, wo das Streuen nötig sei, festgelegt ist es nur für vereiste Strassen.

Ähnlich verhält es sich beim Winterdienst in der Gemeinde Mellingen: Laut dem Verantwortlichen des Werkhofs, Severin Kamm, sei dort dieses Jahr noch nie gestreut worden. Nur wenn starker Nebel und daraus resultierende Feuchtigkeit die nasse Strasse gefrieren lassen, müsse gesalzen werden. Gleiches gilt für Eisglätte ausgelöst durch Regen und Schnee. Es brauche dafür aber schon minus 1 bis minus 3 Grad, so Kamm.

Auch in Mellingen werde nicht prophylaktisch gestreut, sondern immer erst kontrolliert, ob die Fahrbahn glatt ist. Der Bahnhof Heitersberg habe dabei oberste Priorität, da dort viel Verkehr herrsche. Man wolle aber möglichst sparsam mit dem Salzstreuen sein, aus finanziellen Gründen sowie der Umwelt zuliebe.

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