Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Rehmatte im Weiler Müslen, Gemeinde Birmenstorf, läuft seit Sommer 2018 mit einem zusätzlichen Klärblock. Nach Abschluss der Umgebungsarbeiten ist die erweiterte Anlage jetzt mit einem Tag der offenen Tür offiziell eingeweiht worden.

Die ARA Rehmatte ist für die nächsten 20 Jahre gerüstet. Da die Trägergemeinden des Abwasserverbands Rehmatte – Baden (Stadtteil Rütihof), Birmenstorf, Fislisbach und Mülligen – stetig wachsen, wird bis 2040 mit einer Zunahme der Einwohnergleichwerte um einen Drittel auf 20 000 gerechnet.

Einwohnergleichwerte berücksichtigen neben den Privathaushalten auch die Abwässer aus Industrie und Gewerbe. Die ARA Rehmatte wurde deshalb in den vergangenen zwei Jahren ausgebaut.

Rund eine Million Franken günstiger

Mit dem Einbau einer zweiten Abwasserstrasse ist sichergestellt, dass die verschärften Grenzwerte des Gewässerschutzgesetzes eingehalten werden. Das im Weiler Müslen geklärte Abwasser wird in die nahe Reuss eingeleitet. Die 1972 in Betrieb genommene Kläranlage war letztmals 1998/99 erneuert worden.

Für die Instandstellung und Vergrösserung der Anlage hatten die vier Gemeinden Kredite von insgesamt 8,25 Millionen Franken bewilligt. Wie die Prognose der Baukostenabrechnung zeigt, dürfte dieser Betrag aufgrund von optimalen Arbeitsvergaben und Projektoptimierungen um rund 1 Million Franken unterschritten werden.

In der biologischen Reinigungsstufe kommt neu ein anderes Verfahren zur Anwendung. Nach der mechanischen Reinigung, bei der Feststoffe aus dem Abwasser entfernt werden, bauen in der biologischen Stufe Mikroorganismen organische Stoffe und Nährstoffe ab. Hier hat das Belebtschlammverfahren das Wirbelbettverfahren abgelöst.

In den Biologiebecken werden die Mikroorganismen mit Luft versorgt, sodass sie die gelösten Abwasserinhaltsstoffe reinigen können.

Im anschliessenden Nachklärbecken trennt sich der Belebtschlamm durch Sedimentation vom gereinigten Abwasser, worauf dieses in den ARA-Ablauf fliesst. Der abgesetzte Belebtschlamm wird am Beckenboden mit einem Räumer abgezogen und in den Zulauf der Biologiestufe zurückgepumpt.

Das neue Verfahren braucht deutlich weniger Energie. Im Wirbelbett hafteten die Mikroorganismen an einem Trägermaterial, das dem Abwasser hinzugegeben wurde. Dieses musste mit stetiger Luftzufuhr gerührt («durchgewirbelt») werden.

Belebtschlamm hingegen wird lediglich belüftet. Die dafür nötige Gebläsestation wurde über dem neuen Klärblock gebaut; sie beinhaltet auch die elektrische Steuerung.

Spatenstich vor zwei Jahren

Im Sommer 2017 bewilligten die vier beteiligten Gemeinden ihre Kreditanteile. Nach dem Spatenstich Ende August wurde in der ersten Bauetappe der neue Klärblock erstellt, der im Frühsommer 2018 in Betrieb ging.

Im Anschluss wurde der bestehende Klärblock baulich saniert und ebenfalls auf das Belebschlammverfahren umgerüstet. Bereits Ende 2018 standen beide Biologiestrassen in Betrieb. Im Frühjahr 2019 erfolgten die Abschluss- und Umgebungsarbeiten.

Bestandteile des Projektes waren ferner die Erneuerung der Schlammeindickung, die Abdeckung des Nachfaulraums zur effizienteren Gasgewinnung und die Neugestaltung der Zulaufdrosselung, mit der die Anlage bei Regen mit einer maximalen Abwassermenge beschickt werden kann. (az)