Seite Ende letzten Jahres liegt die Baubewilligung für das Hochhaus Ost und ein Parkhaus für 500 Fahrzeuge auf dem ABB-Areal vor. Bauherrin des Vorhabens ist die ABB; wann das Vorhaben umgesetzt wird, ist noch offen (siehe Text unten).

Schon jetzt stossen die Pläne auf Widerstand. Hubert Kirrmann, Präsident der Velovereinigung Pro Velo Region Baden und langjähriger Beobachter der städtischen Raumplanung spricht von einer «Fehlplanung».

500 Parkplätze würden pro Tag rund 1500 bis 2000 zusätzliche Bewegungen mit Autos auf der Bruggerstrasse generieren. «Ich frage mich, wie und wo dieser zusätzliche Verkehr aufgenommen werden soll.»

Kirrmann spricht Klartext: «Es werden einmal mehr falsche Anreize geschaffen. Ich befürchte, das wird ein Rohrkrepierer. Denn eines hat auch die Vergangenheit gezeigt. Je mehr Parkplätze in der Stadt zur Verfügung stehen, desto mehr Verkehr wird auf den Einfallachsen generiert.»

Dabei stützt sich Kirrmann auch auf Aufhebungen, die im Zusammenhang mit der Ausarbeitung der Ostaargauer Strassenentwicklung (OASE) erstellt wurden. «Diese zeigen ganz klar, dass der Grossteil des Verkehrs hausgemacht ist. Sprich die meisten Autos fahren in oder aus der Stadt.»

Kirrmann geht dabei mit den Planern hart ins Gericht: «Diese Ingenieure und Architekten sind absolut verliebt in die Details ihrer Projekte, ohne aber die raumplanerischen Aspekte ihrer Projekte zu berücksichtigen.»

Er könne sich auch nicht vorstellen, dass die Gewerbevereinigung Freude an den zusätzlichen Parkplätzen habe. «Denn was bringen ihr Kundenparkplätze, wenn man nicht mehr in die Stadt reinkommt?»

Ein Blick in die Zukunft verheisse auf alle Fälle nichts Gutes: «Die Pläne des Kantons rechnen mit bis zu drei Kilometern Stau stadteinwärts auch nach dem Ausbau der Mellingerstrasse. All das ist das Resultat fehlender Städte- und Raumplanung», findet Kirrmann deutliche Worte.

«Das Festhalten an einem Pendlerverkehr des letzten Jahrhunderts ist einer weitblickenden Stadt doch nicht würdig.»

Platz ist mit öV bestens erschlossen

Diesem Urteil kann sich Hans Hauri, nur anschliessen. Von 1984 bis 2000 war Hauri SP-Einwohnerrat von Baden und setzt sich seit Jahren für Umweltanliegen ein. «Vor allem aber bin ich Grossvater von vier Enkelkindern, weshalb es mir ein grosses Anliegen ist, dass unsere Umwelt nicht noch mehr kaputt gemacht wird», so Hauri.

Doch leider sei man auf keinem guten Weg, wenn er nur etwa an den CO²-Ausstoss und die damit zusammenhängende Erderwärmung denke. «Vor diesem Hintergrund kann ich nicht verstehen, dass die Stadt Baden jetzt in der Innenstadt ein Parkhaus mit 500 Parkplätzen plant», sagt Hans Hauri.

Natürlich: Wer unbedingt in die Stadt respektive dort parkieren müsse, der soll Parkplätze vorfinden. «Aber ich befürchte, dass das geplante Parkhaus viele Pendler anlocken wird, was ja eigentlich grotesk ist, da sich das geplante Parkhaus inmitten eines Gebiets befindet, das mit öV bestens erschlossen ist.»

Schon heute staue sich auf Höhe Dättwiler Weiher der Verkehr auf zwei Spuren. 500 zusätzliche Autos werden die Zu- und Wegfahrt weiter verstopfen. Mit dem Bau dieses Parkhauses würde zudem die jetzige Situation sprichwörtlich betoniert, ohne in die Zukunft zu denken.

Hauri versteht nicht, weshalb Firmen heute nicht mehr auf Homeoffice setzen oder etwa ihren Mitarbeitern Apps anbieten, um tageweise Fahrgemeinschaften zu bilden. Auch die Elektrovelos würden noch zu wenig genutzt.

Der aktuelle Fall sei ein weiterer Beleg dafür, weshalb der Aargau beim Agglomerationsfonds leer ausgegangen sei – offenbar weil er zu wenig für «koordinierte Planung von Siedlung, Landschaft und Verkehr in urbanen Räumen» tat.

Hauri betont deshalb: «Wenn wir hierin mehr tun, profitieren Umwelt, Bevölkerung und unsere Enkelkinder. Machen wir Baden zum Zentrum für innovative Firmen und sparen wir uns diese 500 Parkplätze.»

Ramseier: «Mangel an Parkplätzen»

Der zuständige Stadtrat und Ressortvorsteher Immobilien/Infrastruktur, Philippe Ramseier (FDP), kann der Kritik respektive den Befürchtungen wenig abgewinnen: «Auto-Parkplätze sind in der Stadt Baden grundsätzlich Mangelware. In Stosszeiten ist es sehr schwierig, Parkplätze zu finden.»

Die Stadt werte monatlich die Belegung der stadteigenen Parkhäuser und der Parkhäuser mit städtischer Beteiligung aus. Resultat: 100 Prozent Belegung in Stosszeiten, 75 bis 80 Prozent Belegung an Randzeiten.

Viele Personen seien auf das Auto angewiesen. «Nebst Kunden, die das Gewerbe besuchen, sind es vor allem auch Personen, die mit dem Velo oder zu Fuss nicht unterwegs sein können.»

Zudem wolle die Stadt den vielen hundert neuen Arbeitsplätzen, die im neuen Hochhaus entstehen, Parkplätze zur Verfügung stellen. «Wenn Baden weiter ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben soll, müssen wir auch den individuellen motorisierten Verkehr unterstützen», ist Ramseier überzeugt.

Aber nicht nur diesen betont der Stadtrat. Ebenso wichtig sei es, gute Rahmenbedingungen für den öV, den Veloverkehr und die Fussgänger zu schaffen.

Ramseier befürchtet das von Hauri und Kirrmann prognostizierte Verkehrschaos nicht. «Erstens darf man nicht vergessen, dass mit dem Bau des neuen Parkhauses rund 250 Parkplätze auf den Verenaäckern verschwinden werden.»

Und zweitens werde der neu gestaltete Schulhausplatz dafür sorgen, dass der Verkehr besser aus der Stadt und in diese rollen wird», ist Ramseier überzeugt.