Coronakrise

«Es sind unsere Söhne und Töchter» – über 20 Aargauer Gemeinden bieten der Armee Hilfe an

Obersiggenthal ist bereit, die Dreifachturnhalle der Armee zur Verfügung zu stellen.

Obersiggenthal ist bereit, die Dreifachturnhalle der Armee zur Verfügung zu stellen.

Zu Pandemiebekämpfung sind derzeit zahlreiche Soldaten aufgeboten. Für deren Unterbringung werden oberirdische Unterkünfte gesucht. Nach einem eindrichlichen Appell des Regierungsrat haben bereits über 20 Gemeinden ihre Hilfe angeboten.

Die Schweizer Armee erlebt im Moment die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg: Bis zu 8000 Soldaten können in den nächsten Wochen zur Bekämpfung der Corona­virus-Pandemie aufgeboten werden. Oft schlafen ­Armeeangehörige in unterirdischen Zivilschutzbunkern. Da die aktuellen Hygienevorschriften dort nicht eingehalten werden können, sei die Armee auf der Suche nach oberirdischen Unterkünften, teilte der Regierungsrat am 20.März allen ­Aargauer Gemeinden in einem Schreiben mit.

Und er bittet sie eindringlich, Turnhallen oder Schulhäuser zur Verfügung zu stellen: «Es ist absehbar, das auch Einsätze im Kanton Aargau geleistet werden müssen. Die aufgebotenen Angehörigen der Armee sind ein Teil unserer Gesellschaft. Sie sind nicht gegen Ansteckungen und deren Auswirkungen immun.» Der Regierungsrat sei sich bewusst, dass dies für die Gemeindebehörden eine neue Herausforderung darstelle. «Aber alle Behörden stehen in der Pflicht, das Erforderliche vorzukehren, damit die Angehörigen der Armee – es sind letztlich unsere Söhne und Töchter – diesen schwierigen Einsatz zu Gunsten der Bevölkerung unversehrt absolvieren können», heisst es im Schreiben, das Landammann Markus Dieth unterzeichnet hat.

Übernachten Soldaten in Hotels?

Die Gemeinde Obersiggenthal im Bezirk Baden teilt mit, dass sie ihre Dreifachhalle zur Verfügung stellen würde. Laut Dieter Wicki, Leiter der Corona­virus-Taskforce beim Kanton, haben rund 20 weitere Gemeinden «spontan ihre Unterstützung angeboten». Er sei als Leiter der Taskforce beeindruckt von diesem Zeichen der Solidarität: «Alle helfen mit, damit das Gesundheitswesen und die kritischen Infrastrukturen im Aargau weiterhin leistungsfähig bleiben.»

Zu den Gemeinden, die ebenfalls Unterkünfte zur ­Verfügung stellen, zählen laut einer Liste der Taskforce unter anderem Niederrohrdorf, ­Möriken, Hendschiken, Widen, Seon, Meisterschwanden, ­Remetschwil, Zeiningen, Gansingen und Unterentfelden. Daneben figurieren auch zwei Hotels auf der Liste: der «Storchen» in Schönenwerd und das «Du Parc» in Baden – mit über 100 Zimmern eines der grössten Hotels der Stadt.

Aktuell sind bereits 245 Armeeangehörige im Aargau, konkret in der Kaserne Aarau, untergebracht: Es handelt sich um Soldaten aus dem Spitalbataillon 66 sowie der Sanitätskompanie 5. Das Kantonsspital Baden hatte bei der Taskforce ein Hilfsgesuch gestellt – 40 Spitalsoldaten sind nun dort im Einsatz. Taskforce-Chef Dieter ­Wicki ist überzeugt: «Weitere Einsätze dürften erforderlich werden.

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