Ehrendingen

«Es macht mich stolz»: Aargauerin ist zweimal durch die Schweiz gewandert

Auf dem Gotthardpass hat Tatiana Kolly ihre erste Wander-Route beendet.

Auf dem Gotthardpass hat Tatiana Kolly ihre erste Wander-Route beendet.

Die Ehrendingerin Tatiana Kolly nutzte ihre Wochenenden zum Wandern.

Früher hat sie das Wandern gehasst. Heute hat Tatiana Kolly zu Fuss zweimal die Schweiz durchquert. «Als Kind mochte ich das Wandern überhaupt nicht», sagt die 48-Jährige. Als sie jedoch als Jugendliche ihren Mann kennen lernte, hat dieser ihre Leidenschaft zum Wandern geweckt. Heute ist es Tatiana Kollys Lieblingshobby.

Oft geht sie alleine wandern: «Das Wandern ist für mich ein meditativer Prozess.» Während des Wanderns könne sie sich vom ganzen Alltagsstress lösen. Aber das ist nicht der einzige Grund, weswegen sie hauptsächlich allein wandert. «Ich gehe am liebsten an den Wochenenden ganz spontan los. Da ist es schwierig, jemanden mitzunehmen.»

Genauso spontan war auch die Idee, auf der Nord-Süd-Route die Schweiz einmal zu durchqueren: 2019 hat Tatiana Kolly sich an einem Samstag entschieden, nach Basel zu fahren, um dort bis nach Liestal zu wandern. Auf jenem Wanderweg fiel ihr ein Wegweiser auf mit der Aufschrift «Via Gottardo».

In 20Etappen kann man auf dieser Route von Basel bis nach Chiasso wandern. In Liestal angekommen dachte sich die Wanderin: Wieso eigentlich nicht? Ohne Planung und Vorbereitung ist spontan die Idee entstanden, an den Wochenenden die ganze Route von rund 300km zu wandern.

Ohne teure Wanderausrüstung und nur mit dem Nötigsten bepackt, reiste Tatiana Kolly mit dem Zug zum Start der jeweiligen Etappe, wanderte – und fuhr dann mit dem Zug wieder nach Hause. Das Ganze verlief jedoch nicht vollkommen reibungslos: «Der Gotthard war damals unpassierbar.» Aufgrund des vielen Schnees musste Tatiana Kolly umplanen und sparte sich die Etappe über den Gotthard bis zum Schluss auf.

Am 7.4.2019 startete sie in Basel und am 4.8.2019 hatte sie es geschafft: Sie hat die Schweiz einmal von Norden nach Süden durchquert.

Die Ost-West-Route ist 500km lang

So spontan wie ihre erste Reise, kam auch die Idee zur zweiten. Im letzten Herbst ging die Wanderin an das 21. Sandskulpturenfestival in Rorschach. Auch da wollte sie ihre Reise mit einem Wanderausflug von Rorschach bis nach Trogen verbinden. In Rorschach angekommen, war sie von den Skulpturen sehr fasziniert, doch etwas stiess ihr besonders ins Auge.

Ein Wegweiser mit der Aufschrift «Alpenpanoramaweg». Wie der Zufall es wollte, war Rorschach der Start einer weiteren Route – diesmal von Ost nach West durch die Schweiz. Die Route führt in 29Etappen von Rorschach bis nach Genf.

Von Sonnenschein, Regen, Hagel, Nebel bis zu Schnee hat die Wanderin in diesem Jahr so gut wie alle Witterungen miterlebt. Dass die Reise ein ganzes Jahr dauerte, war aber nicht nur dem schlechten Wetter zuzuschreiben. «Während des Lockdowns sind einige Züge nicht mehr gefahren, weswegen ich zwei Monate Pause machen musste.»

Die 500km lange Ost-West-Route hat der Wanderin besonders gefallen. «Das Bergpanorama im Winter ist unglaublich» sagt Tatiana Kolly. Aber das soll nicht der einzige Höhepunkt der Wanderung sein: «Als ich den Genfersee von weit oben sah, war das ein wunderschönes Gefühl.»

In die falsche Richtung gelaufen

Aber es verlief nicht immer alles nach Plan. Im Tessin ist Kolly zwar 20km gewandert, auf ihrer Etappe kam sie jedoch nur 5km vorwärts.

«Ich bin in die falsche Richtung gelaufen», so Tatiana Kolly. Als es langsam dunkel wurde, blieb ihr nichts anderes übrig, als eine Unterkunft zu suchen und am nächsten Tag weiter zu wandern. «Als ich mir kurzfristig eine neue Unterkunft suchen musste, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl im Bauch», erinneret sich die Wanderin.

Wanderausflüge sind momentan ein guter Tipp

«Dass ich zweimal durch die Schweiz gewandert bin, macht mich stolz», sagt Kolly. Sie würde diese Wanderungen auf jeden Fall weiterempfehlen: «Abgesehen von dem tollen Gefühl, dass man nach solch einer Leistung verspürt, denke ich, sind Wanderungen besonders in der momentanen Zeit ein super Tipp.»

Man bleibe innerhalb der Landesgrenze und meist sei man ziemlich allein auf den Wegen, sagt sie. Es koste nicht viel, biete dafür umso mehr. Auch wenn man körperlich fit sein und eine mentale Stärke besitzen muss, ist Tatiana Kolly sich sicher: «Jeder kann das schaffen, wenn er es will.»

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