Stadtforstamt

«Es ist herzzerreissend»: Badener Ärger über «Abschlachten der Natur»

Das Badener Stadtforstamt schneidet in diesen Tagen Hecken und Bäume in Wäldern zurück – und sorgt damit für Irritation.

«Seit letzter Woche findet in den Wäldern der Gemeinde Baden wieder das Abschlachten der Natur statt.» Mit diesen drastischen Worten wendet sich die Badenerin Olga Lichtenwald an die Redaktion. «Der Anblick von den niedergemähten, zerspaltenen Bäumen und Sträuchern ist herzzerreisend.» Es würden alle Waldränder rund um Baden so aussehen. Für die «Waldwegpflege» kämen Bulldozer und «Abgas spuckende Kehrmaschinen» zum Einsatz. «Die Folgen von diesem systematischen Abschlachten sind dramatisch und von blossem Auge zu sehen», sagt Lichtenwald. «Holunder-, Haselnuss- und andere Sträucher sowie Brombeerenranken an den Waldrändern sind die Hauptnahrungsquelle für alle Vögel, Klein- und Grossnagetiere. Und diese werden systematisch vernichtet», beklagt Lichtenwald.

Auch der Nährhumus auf den Waldwegen und an den Waldrändern könne nicht mehr entstehen wegen den schweren Maschinen. «Diese hinterlassen eine Wüste, in der kein Waldlebewesen etwas Essbares mehr finden kann.» Vor einigen Jahren habe es in den Badener Wäldern von Eichhörnchen, Igeln, Dachsen, Vögeln, Rehen, Füchsen oder Hasen nur noch so gewimmelt. «Jetzt herrscht praktisch Totenstille, wenn man an einem sonnigen, warmen Morgen der Wald betritt», so Lichtenwald. Sie sei bei weitem nicht die Einzige, die sich am Anblick der Waldränder störe.

«Nicht schön, aber besser»

Pius Moser vom Stadtforstamt Baden kann durchaus nachvollziehen, dass der Anblick der zurückgeschnittenen Sträucher und Büsche irritieren kann. «Fakt ist: Wenn wir die Hecken nicht pflegen, respektive zurückschneiden, dann entwickelt sich immer mehr Hochwald. Dies wiederum hätte zur Folge, dass ohne unser Zutun die Hecken verschwinden und so Insekten und Vögel in Bodennähe weniger Unterschlupf und Brutmöglichkeiten finden würden.

Man achte aber beim Zurückschneiden immer darauf, auf einem bestimmten Abschnitt nur rund einen Drittel der Hecken zurückzuschneiden, «damit Insekten und Kleintiere immer noch genügend Schutz- und Lebensraum haben». Das Angebot an Früchten sei deshalb genügend, weil die Eingriffe alle drei bis fünf Jahre ausgeführt würden. «Die zurückgeschnittenen Sträucher tragen nach drei Jahren wieder Früchte», so Moser.

Das Heckenschneiden erfolge zudem bewusst jetzt, da Vögel noch nicht brüten würden. Zudem schneide man Bäume wie Buchen oder Eschen zurück, damit sich vor allem Dornensträucher gut entwickeln könnten. «Diese bieten Kleintieren ganz besonders viel Schutz.» Zudem werde das Schnittgut zu Haufen geschichtet, damit Unterschlupfmöglichkeiten für Kleinsäuger und Vögel entstehen.

Und was sagt Moser dazu, dass viele Äste nicht sauber abgeschnitten, sondern regelrecht abgerissen werden? «Das sieht für das menschliche Auge in der Tat nicht besonders schön aus. Doch für die Natur, allen voran die Insekten, ist diese Technik besser, da an den Quetsch- und Schnittstellen Baumsaft austritt, von dem sich Insekten ernähren.» Zur Wahrnehmung von Lichtenwald, wonach es immer weniger Tiere gebe, sagt Moser: «Aktuell gibt es zwar keine Erhebung, aber die Lebensräume in Wäldern wurden in den letzten Jahren wesentlich verbessert.»

«Wir erhalten immer wieder Fragen zu diesem Thema. Wir versuchen die Bevölkerung denn auch mit Infotafeln aufzuklären und über unsere Arbeiten zu informieren», sagt Moser.

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