Turgi will eine Fusion mit Baden prüfen und wenn möglich auch noch weitere Gemeinden in die Diskussionen miteinbeziehen. Die Hoffnung, dass andere Nachbarn Badens an einer Fusion Interesse haben könnten, ist berechtigt: Ennetbaden zeigt sich wieder offen für Gespräche, wie Vizeammann Jürg Braga (FDP) auf Anfrage bestätigt.

Die Legislaturziele, über die an der Gemeindeversammlung nächste Woche abgestimmt wird, führen das Thema einer Fusion mit Baden oder anderen Gemeinden wieder auf. Wörtlich heisst es: «An der Entwicklung eines Modells für eine Regionalstadt Baden oder eine Dualstadt Baden-Wettingen wird Ennetbaden mitwirken.»

Der Gemeinderat gehe davon aus, dass sich die Region längerfristig zu einer Regionalstadt mit mindestens 40'000 Einwohnern entwickeln werde. Jürg Braga sagt: «Es wird in der Region Baden wieder über Fusionen diskutiert, ja mehr als das: Es ist ein Hype ausgebrochen. Als Befürworter von Zusammenschlüssen muss ich mich selber ein wenig bremsen und aufpassen, dass ich nicht zu euphorisch werde.»

Ennetbadens Stimmbürger hatten 2014 bereits Ja gestimmt bei der Frage, ob eine Fusion mit Baden angestrebt werden soll. Doch ein Jahr später brach der Gemeinderat die Gespräche wieder ab, unter anderem wegen der politischen Wirren im Badener Stadtrat. Jürg Braga: «Dass nun wieder über Fusionen diskutiert wird, hängt sicher auch damit zusammen, dass die Gemeinderäte und auch der Badener Stadtrat neu zusammengesetzt sind. Dieser frische Wind tut der Zusammenschlussdebatte gut. Viele signalisieren, dass man das Thema wieder neu aufnehmen muss.» Nach wie vor sei Ennetbadens Gemeinderat der Meinung, dass nicht er den Lead bei der Debatte übernehmen müsste, sondern eine der Zentrumsgemeinden.

«Region ist zusammengewachsen»

Auch in Obersiggenthal werden Forderungen laut, die Fusionsdebatte müsse zum Thema werden. FDP-Einwohnerrat André Tinner: «Wenn man vom Obersiggenthaler Homberg auf die Region blickt, sieht man, dass sie zusammengewachsen ist.» Er sei überzeugt: «Früher oder später müssen und werden wir mit Baden und weiteren Gemeinden fusionieren.» Es gehe darum, dass sich die Region innerhalb des Kantons, aber auch gegenüber der Region Zürich ein besseres Gehör verschaffen könne. «Ich bin überzeugt, auch für die Obersiggenthaler Bevölkerung hätte eine Fusion Vorteile. Unsere Gemeinde leidet unter dem vielen Verkehr, und diese Problematik würde anders angegangen, wenn wir ein Teil von Baden wären.» Tinner schlug seiner Fraktion gestern Abend vor, sie solle beantragen, das Thema Fusion als Legislaturziel zu definieren; das Resultat wurde nach Redaktionsschluss bekannt.

Neuenhof hat sich neu ausgerichtet

Zur Kenntnis genommen wird die neu lancierte Zusammenschluss-Debatte auch in Neuenhof, das 2010 an der Urne Ja zu einer Fusion mit Baden stimmte. Doch der Zusammenschluss kam wegen des Neins in Baden bekanntlich nicht zustande. Gemeindeammann Susanne Voser (CVP) sagt: «Wenn die Gespräche zwischen Baden und Turgi und allenfalls anderen Gemeinden konkret werden und auch wir eingeladen werden, daran teilzunehmen, setzen wir uns sicher auch an den Tisch.»

Sie gibt aber zu Bedenken, dass sich Neuenhof in den vergangenen Jahren vermehrt in Richtung Wettingen, Würenlos, Killwangen und Spreitenbach ausgerichtet habe. «Wir haben die Kooperation mit diesen Gemeinden des Kreises II von Baden Regio intensiviert, so beispielsweise bei der Regionalpolizei, im Asylwesen, bei der Spitex und im Zivilschutz.» Bedeutet dies, dass Baden im Jahr 2010 eine einmalige Chance vergab und der Zug für eine Fusion mit Neuenhof abgefahren ist? Voser: «Nein, grundsätzlich nicht, jedoch hat sich die Ausgangslage verändert.»

Gemeindefusionen im Aargau seit 2002: