Talk Täglich

«Es geht der Stadt nur um das Geld»: Debatte über den Badener Blechpolizisten

Fixer Blitzer in Baden – mehr Verkehrssicherheit oder nur Geldmacherei? (Ausschnitte aus der Sendung)

Fixer Blitzer in Baden – mehr Verkehrssicherheit oder nur Geldmacherei? (Ausschnitte aus der Sendung)

Ab Mittwoch gilt es für Autofahrerinnen und Autofahrer in der Stadt Baden ernst. Der erste fixe Radarkasten im Aargau blitzt los. Wer zu schnell fährt oder das Rotlicht missachtet, wird gebüsst. Ist Baden erst der Anfang? Kommen fest installierte Blitzer bald im ganzen Kanton?

Ab Mittwoch gilt es für Autofahrerinnen und Autofahrer in der Stadt Baden ernst. Der erste fixe Radarkasten im Aargau blitzt los. Auf Tele M1 diskutieren Martin Keller (ehemaliger SVP-Grossrat) und Christian Keller (Geschäftsführer VCS Aargau und Grossrat der Grünen) über den fest installierten Geschwindigkeitsradar.

Ab heute wird auf der Badener Gstühl-Kreuzung geblitzt. Der erste fest installierte Blechpolizist im Kanton Aargau sorgte schon lange vor seiner Inbetriebnahme für Diskussionen. Auch am Dienstagabend wurde auf Tele M1 im "Talk Täglich" erneut fleissig darüber debattiert. Nützt der Kasten tatäschlich der Sicherheit? Wurde die richtige Stelle gewählt? Wird Baden bald zum Vorbild? Diese Fragen stellten sich dem ehemaligen SVP-Grossrat Martin Keller und seinem Duellpartner, Christian Keller, Geschäftsführer VCS Aargau und Grossrat der Grünen.

Über die Inbetriebnahme enttäuscht zeigt sich Martin Keller. Lange hat er sich gegen die Installation gestemmt. «Wir haben über drei Jahre hinweg versucht, das Ganze mit legalen Mitteln zu verhindern. Ein Richter hat dann aber entschieden, dass die Installation rechtens ist», sagt er.

Obwohl Keller gegen fixe Radarkästen ist, findet er es in Ordnung, dass Verkehrssünder bestraft werden. «Wenn man eine Richtlinie im Strassenverkehr aufsetzt, dann gehört es dazu, dass man bei Nichteinhaltung der Regeln gebüsst wird», so Keller. Der Vorstoss, den er 2019 zusammen mit seinem Parteikollegen Rolf Jäggi und FDP-Grossrat Josef Bütler eingereicht hat, habe mit den Bussen an sich nichts zu tun. Er störe sich an den fixen Kästen, nicht an den Kontrollen selbst.

Geht es um Sicherheit oder doch nur um das grosse Geld?

Christian Keller, Geschäftsführer VCS Aargau, darf sich hingegen freuen. Bereits in der Vergangenheit hat er sich für den Kasten ausgesprochen. Die Überwachung diene der Verkehrssicherheit. «Anhand der Kontrollen bringt man die Automobilisten dazu, sich an der besagten Stelle vorsichtiger verhalten.»

Dass sich die Stadt Baden nur um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer sorgt, verneint wiederum Martin Keller. Es gehe vor allem darum, Geld einzutreiben. Aus sicherer Quelle wisse er, dass man zuerst eine Installation bei der Kreuzung in Dättwil ins Auge gefasst hat. «Weil es zu offensichltich ist, dass ein Blitzer dort nicht der Verkehrssicherheit dient, hat ein hoher Beamter die Badener Gstühl-Kreuzung vorgeschlagen», so Keller. Doch laut ihm ist auch diese Kreuzung nicht unfallträchtig. Er fahre jeden Tag zweimal durch Baden und sei mit der Verkehrslage vertraut: «Wer Baden kennt, der weiss, dass dies nicht die kritischste Kreuzung ist.»

Dass ein stationäres Blitzgerät an diesem Ort reine Abzockerei ohne Sicherheitsgewinn ist, bestreitet hingegen Christian Keller. «Es geht eben nicht darum, die Autofahrer zu schröpfen oder eine Staatskasse zu füllen, sondern einen neuralgischen Punkt sicher zu machen», sagt er.

Beide sind kaum gleicher Meinung

Dabei hält er fest, dass für eine gute Kontrolle stationäre, aber auch mobile Überwachungsgeräte nötig sind. «Eine stationäre Überwachungsanlage ist kein Ersatz für eine mobile Anlage, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Die mobilen Blitzer sollen nicht abschafft werden. Die braucht es sehr wohl auch, da gebe ich Martin Keller recht.»

Während der Grüne einen Schritt auf seinen Duell-Partner zugeht, fällt dieser ihm ins Wort: «Es geht der Stadt Baden einzig und alleine nur um das Geld.» So befürchtet Martin Keller, dass es nun andere Gemeinden und Städte gibt, die dem Beispiel Baden folgen.

Einmal mehr ist Christian Keller anderer Meinung. Er glaubt nicht daran, dass Baden in dieser Hinsicht zum Vorbild wird. «Der wichtigste Punkt ist, dass man im Kanton einen starken Widerstand spürt, der von rechts-bürgerlicher Seite stammt», sagt er. Weil die meisten Gemeinden in bürgerlicher Hand seien, werde man nicht versuchen, es Baden gleich zu tun.

Velofahrer und Fussgänger sind besonders gefährdet

Nachdem somit der letzte Punkt auf der Liste ausdiskutiert wurde, lanciert der ehemalige SVP-Grossrat Martin Keller noch flink einen Angriff auf die Velofahrer. Er stört sich daran, dass auch diese die Verkehrsregeln kaum einhalten.

Sein Gegener aus dem Lager der Grünen kontert, dass Velofahrer immerhin nicht das Leben anderer gefährden. Er wirft zum Schluss ein letztes Plädoyer für die Verkehrssicherheit ein.

«Fussgängern und Velofahrern ist bewusst, dass sie keine schützende Karosserie um sich herum haben. Sie sind auf die eigene Sicherheit bedacht. Das ist nicht mit den Autofahrern gleichzusetzen, die mit einer potenziellen Waffe herumfahren», sagt er. Unfallstatistiken hätten gezeigt, dass mittlerweile nicht mehr die Autofahrer oft zu Tode kommen, sondern Velofahrer und Fussgänger. «Für die Fahrzeuginsassen ist die Sicherheit gestiegen, für die Personen ausserhalb ist es gefährlicher geworden.»

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