Baden

Erwachsenenbildung: «Sterben in Würde» beendet den diesjährige Veranstaltungszyklus

Von links: Mario Etzensberger, Annett Ehrentraut, Podiumsleiter Bernd Kopp, Simon Peng-Keller und Markus Zimmermann.

Von links: Mario Etzensberger, Annett Ehrentraut, Podiumsleiter Bernd Kopp, Simon Peng-Keller und Markus Zimmermann.

Aufgrund der positiven Resonanz will die Erwachsenenbildung Baden auch nächstes Jahr eine Veranstaltungsreihe durchführen.

«Angesichts des scheinbar hohen Masses an Autonomie und Selbstbestimmung darf in unserer Gesellschaft nicht mehr gestorben werden», sagt Mario Etzensberger, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Podiumsdiskussion im Roten Turm in Baden. Thema war «Sterben in Würde angesichts aktueller Optionen».

Die Diskussionsrunde markierte das Ende der neunten Veranstaltungsreihe der Erwachsenenbildung. «Das Ziel dieser Anlässe ist es, eine Plattform zum Austausch für aktuelle Themen zu bieten», sagt Hans Senn.

«Ausserdem wollen wir den kirchenfernen Menschen eine Einstiegsmöglichkeit bieten», fügt Heinz Bürgler hinzu. Die beiden Pensionierten gehören zum Leitungsteam der katholischen Erwachsenenbildung Wettingen und organisieren die Veranstaltungsreihe nun bereits zum siebten Mal mit.

Angesichts der zunehmenden Kirchenaustritte und der kulturellen Konkurrenz sei es jedoch schwierig, auch in Zukunft Anklang bei der Bevölkerung zu finden. Deshalb steht für die beiden fest: «Wir möchten die Struktur des Gefässes öffnen – egal ob für kirchenferne oder Christen jeglicher Couleur.»

«Der Tod wird nicht mehr thematisiert»

Mit rund 80 Besuchern und Besucherinnen war der Anlass am Freitagabend ein grosser Erfolg. Neben Arzt Mario Etzensberger diskutierte der ehemalige Chefarzt der Klinik Königsfelden mit Annett Ehrentraut, Leitende Ärztin der Abteilung Palliative Care am Kantonsspital Baden, Simon Peng-Keller, Professor für Spiritual Care an der Universität Zürich und Markus Zimmermann, Professor für Christliche Sozialethik an der Universität Fribourg unter Gesprächsleitung von Bernd Kopp.

Die Diskussionsteilnehmenden sind sich trotz unterschiedlicher persönlicher Einstellungen und beruflicher Hintergründe einig: «Der Tod wird nicht mehr gross thematisiert, obwohl ein Drittel unserer Patienten dem Tod nahestehen», meint Ehrentraut. Dies habe sicherlich auch damit zu tun, dass christliche Rituale aus unserem Alltag verschwunden seien.

«Anstelle von Leichenwagen sind anonymisierte Krankenwagen getreten, anstelle des Kirchenläutens, als Zeichen eines Lebensendes, wird auch da der Tod heutzutage anonymisiert.» Und er ergänzt: «Anstelle von Zeit für Abschied und Trauer müssen wir wieder zurück zur Arbeit», stellt Etzensberger anhand von Beispielen aus der Vergangenheit fest.

Paradoxerweise hätten dennoch viele Menschen eine genaue Vorstellung davon, wie sie Sterben möchten. Was allen Idealen gemein ist, verrät Dieter Hermann, Vertreter des Hospiz Aargau: «Sterben möchte man nur im Kollektiv.»

Thema der nächsten Reihe steht bereits

Aufgrund von vielen, positiven Rückmeldungen aus dem Publikum ist Hans Senn mit der letzten Veranstaltung des Jahreszyklus 2019 äusserst zufrieden. Obwohl die beiden Erwachsenenbildner langsam aber sicher auch mit ihrem Herzensprojekt in den Ruhestand treten möchten, haben sie nun zusammen im Team für 2020 bereits eine nächste Veranstaltungsreihe geplant. «Die neue Serie heisst ‹Good News›», sagt Hans Senn und ergänzt: «Damit wollen wir bewusst gute Botschaften beleuchten und aus diesem negativen Zyklus ausbrechen.»

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