Wohlenschwil

Erst im zweiten Anlauf zum Heli-Fan

Mario Lang (43) vermittelt Helikopterflüge – doch er hatte nicht immer den Traum vom Fliegen.

Mario Lang hat etwas geschafft, von dem viele träumen: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der 43-Jährige ist Gründer und Inhaber von helikopterflug.ch, einer Vermittlungsplattform für Heli-Flüge. Der Wohlenschwiler startete im eigenen Keller, mittlerweile beschäftigt er zehn Mitarbeiter in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Doch der gelernte Maschinenzeichner hatte nicht immer den Traum vom Fliegen.

Es ist ein nebliger Morgen. Mario Lang sitzt im Flughafenrestaurant in Beromünster. Die Leute kennen ihn gut. Er hat hier seinen Helikopterflugschein gemacht. Er spricht mit seinem ehemaligen Fluglehrer und Geschäftspartner Hansrudolf Müller – man merkt schnell: Dieser Mann hat eine Leidenschaft fürs Fliegen. Er komme zwar aus einer flugbegeisterten Familie, sein Vater hatte selbst einen Flugzeugschein in Birrfeld gemacht – und auch sein Bruder besitzt den Pilotenschein. Doch es war nicht von Anfang an klar, dass Lang mit der Fliegerei einmal sein Geld verdienen würde. Er sei bereits als kleiner Bub mit seinem Vater mitgeflogen und später auch Gleitschirm, danach kam er aber in eine Trotzphase: «Ich wollte das nicht mehr, das war meine Art der Rebellion in der Pubertät.» Also machte er eine Ausbildung zum Maschinenzeichner und arbeitete später bei seinem Vater in der Firma als Videoproduzent.

Selbstversuch in Beromünster: Redaktor Marian Märki hebt ab.

Selbstversuch in Beromünster: Redaktor Marian Märki hebt ab.

«Damals kam gerade das Internet auf, ich merkte, dass mir Webdesign und Internetmarketing liegt.» Und damals kam er auch erstmals in den Genuss eines Helikopterflugs. «Alles begann vor 16 Jahren mit einem Schnupperflug, den ich geschenkt bekam. Damals hatte ich noch ein bisschen Flugangst», sagt er mit einem Schmunzeln. «Ich war begeistert. Dieses Gefühl des Schwebens ist unbeschreiblich.» Er beschliesst, den Privatpilotenschein zu machen. Doch es ist ein teures Hobby. Lang sparte jeden Monat, um sich seinen Traum vom Fliegen zu erfüllen: «Andere kauften sich ein teures Auto, ich machte dafür den Pilotenschein.»

Schritt in die Selbstständigkeit

Nach bestandener Prüfung flog Lang immer wieder mit Kunden zum Selbstkostenpreis: «Als Privatpilot darf ich keine kommerziellen Flüge tätigen, darum habe ich damals Leute mitgenommen, um meine Kosten für den Flug zu decken.» Er wollte seine Leidenschaft für andere Leute zugänglich machen. Da er Erfahrung mit Webdesign und Internetmarketing hatte, baute er eine Website auf, auf der man Flüge buchen konnte. «Ich machte es zusammen mit meinem Fluglehrer: Ich stellte die Plattform zur Verfügung, er führte die Flüge durch.» Der Hobbypilot tat dies als Nebenjob, nebst seiner Arbeit bei seinem Vater. «Ich genoss bei meinem Vater sehr viele Freiheiten, war sehr flexibel. Darum konnte ich das Geschäft auch nebenher aufbauen.»

Vor zehn Jahren wagte er dann den Schritt in die Selbstständigkeit. «Mein Fluglehrer sagte mir, ich müsse mir keine Hoffnungen machen, damit jemals genug Geld zu verdienen», sagt Lang und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Anfangs vertrieb er nur Flüge von Beromünster aus, doch der Wohlenschwiler baute sein Angebot schnell aus. Er suchte sich neue Partner und Standorte. Expandierte 2009 sogar ins Ausland. «Der Schritt ins Ausland war kein leichter. Ich musste zuerst verstehen, wie der Markt dort funktioniert und was die Leute überhaupt wollen, denn Deutsche wollen andere Sachen sehen als Schweizer oder Österreicher.»

Mario Lang im Cockpit.

Mario Lang im Cockpit.

Vor kurzem konnte sich Heli-Fan Lang einen Traum erfüllen: Seine Firma vertritt exklusiv die Air Zermatt. «Ich musste lange dafür kämpfen, aber nun habe ich es geschafft», sagt Mario Lang sichtlich stolz.

Der Gründer feiert dieses Jahr das 10-Jahr-Jubiläum seiner Firma. In Wohlenschwil wird es am 20. Mai ein Fest mit Rundflügen und vielen weiteren Highlights geben. Und vielleicht wird dann die nächste Generation schon anwesend sein: Lang wird nämlich Vater. Bei all diesen guten Neuigkeiten bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Doch Lang hätte noch einen: «Wenn ich noch einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine Art Roadtrip mit dem Helikopter wünschen – natürlich mit meiner Familie.»

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