Seine Wohnung gleicht einer Regenwald-Enzyklopädie. An den Wänden hängen zahlreiche Bilder von Fröschen und Schmetterlingen, die Regale sind voller Tierlexika und Reiseführer tropischer Länder.

Darunter sein neuestes Werk: «Affen der Welt – Welt der Affen», erschienen am 1. April. Thomas Marent lebt für das Fotografieren der Regenwälder und ihrer Bewohner.

Marent kam 1966 zur Welt und wuchs in Fislisbach auf. Bereits als Jugendlicher interessierte er sich sehr für die Natur und begann im Alter von 16 Jahren mit seiner ersten Spiegelreflexkamera den Aargau fotografisch festzuhalten.

«Ich fuhr oft an den Flachsee und ins Reusstal, dort gibt es viele kleine Feuchtgebiete», sagt Marent.

Weiter habe er gerne Ausflüge in den Aargauer Jura unternommen – stets mit dem Velo – um die Landschaft und Gesteinsformen festzuhalten. «Anfangs war ich nur im Aargau unterwegs, später ging ich ab und an ins Tessin und Wallis.»

Zwei entscheidende Momente

«Ich betrat 1990 in Australien erstmals einen Regenwald, da muss es mich wohl erwischt haben», erinnert sich Thomas Marent.

Später habe er temporär als Maschinenzeichner gearbeitet, seinem ursprünglich gelernten Beruf, und sei jeweils im Winter viel gereist.

«Ich wusste schon immer, dass ich nicht den richtigen Beruf gewählt hatte. Als ich meinen Freunden einige Bilder meiner Reisen zeigte, empfahlen sie mir, einen Fotoband herauszugeben», erzählt Marent. So sei für ihn der Traum des professionellen Fotografierens aufgekommen.

Den zweiten entscheidenden Moment erlebte Marent 2006, als er sein erstes Buch herausgegeben hatte. Nach unzähligen Absagen gelang ihm der Coup: «Ein internationaler Verlag veröffentlichte das Buch ‹Regenwald› in einer Auflage von 300 000 Exemplaren und liess es gleich in 15 Sprachen übersetzen.»

Durch die Einnahmen konnte Thomas Marent erstmals vom Fotografieren leben. Bald folgten Bildbände zu Fröschen, Schmetterlingen und zuletzt über Affen. Zudem lieferte Thomas Marent alle Motive für die Aktion «Stickermania» der Migros, die 2009 stattfand. Seit letztem Jahr organisiert er Fotokurse.

«Grösste Gefahr ist der Mensch»

«Entgegen der allgemeinen Meinung kann man sich mit einigen wenigen Tricks und der Hilfe von lokalen Guides relativ sicher im Regenwald bewegen.

Die bei weitem grösste Gefahr ist der Mensch selbst», sagt Thomas Marent. Ihm sei letztes Jahr am Ende einer zweimonatigen Reise durch Ecuador und Costa Rica die Fotoausrüstung im Wert von 14 000 Franken geklaut worden, inklusive Tausender Fotos.

«Das war für mich die bisher schlimmste Erfahrung! Ich war stolz auf meine Fotos, plötzlich waren alle weg.» Er habe in der anschliessenden Woche mehrmals geweint, erzählt Marent. «Ich habe daraus gelernt, heute sichere ich meine Fotos regelmässig.

Katastrophale Zerstörung

«Auf den zahlreichen Flügen über die Regenwälder sehe ich immer mehr Rodungen und Plantagen», sagt Marent.

Deshalb wünscht er sich, dass niemand mehr Tropenholz kaufen würde. Nur die Labels zu beachten sei nicht genug.

«Wenn ich in der Regierung sässe, würde ich den Import von Produkten mit Palmöl gänzlich verbieten.»

Gemäss Thomas Marent gibt es zu viele Menschen auf der Welt. Selbst in der Schweiz sei die Grenze erreicht. «Eine weltweite Einkindpolitik, wie sie in China praktiziert wird, wäre ein möglicher Ansatz.»

Marent engagiert sich in der Organisation «International League of Conservation Photographers» (ILCP).

Diese Gruppe verbindet Fotografen, die mit ihren Aufnahmen «die Menschen auf Angelegenheiten des Umweltschutzes aufmerksam machen wollen.»

Ende Jahr will Thomas Marent die Regenwälder Boliviens und Brasiliens bereisen. Dass danach ein weiteres Buch erscheint, sei «eher unwahrscheinlich».