Grossanlässe
Entlassungen und Kurzarbeit: Corona-Virus bedroht die ganze Eventbranche

Über 90 Prozent Einbussen wegen Corona-Virus: Bei Firmen für Veranstaltungstechnik kommt es nun zu Entlassungen und Kurzarbeit.

Andreas Fretz
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Von der Mellinger Firma Megatron Veranstaltungstechnik ins rechte Licht gerückt: Die Band Al Pride auf der Hauptbühne der Badenfahrt im Jahr 2017.

Von der Mellinger Firma Megatron Veranstaltungstechnik ins rechte Licht gerückt: Die Band Al Pride auf der Hauptbühne der Badenfahrt im Jahr 2017.

Alex Spichale

Abgesagte Messen, verschobene Generalversammlungen. Das Corona-Virus trifft die Veranstaltungsbranche besonders hart. Die Firma Spörri Veranstaltungstechnik aus Vogelsang stellt Personal und Material für Events jeder Art. «Wir bieten eine Rundumbetreuung von der Planung über die Ausführung bis zum Debriefing», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Cédric Neuenschwander. Doch derzeit bricht ein Auftrag nach dem anderen weg. Die Firma rechnet mit einer Umsatzeinbusse von 97 Prozent bis Ende Juni.

Die Geschäftsleitung hat bereits zwei Krisensitzungen einberufen. Auch erste, harte Massnahmen wurden getroffen. Zwei Teilzeitangestellten musste die Kündigung ausgesprochen werden. Sie hatten Pensen von 60 respektive 20 Prozent. Fünf Festangestellte – drei davon in Teilzeit – und zwei Lernende beschäftigte die Firma vor der Corona-Krise.

Für Neuenschwander selbst wurde zudem Kurzarbeit per Anfang April beantragt. «Ich bin der einzige in der Firma, der laut Gesetz Kurzarbeit beantragen kann. Wenn sie nicht genehmigt wird, muss ich Stempeln gehen», sagt Neuenschwander. Der Antrag wurde bereits an das Amt für Wirtschaft und Arbeit nach Aarau geschickt. Neuenschwander geht davon aus, dass in wenigen Tagen der Bescheid kommen wird. Vorgesehen ist, dass er während vier Monaten gar nicht arbeitet, erhalten würde er 80 Prozent seines Lohnes.

In 35 Jahren nie etwas Vergleichbares erlebt

Nicht anders präsentiert sich die Lage bei der Firma Megatron Veranstaltungstechnik in Mellingen. «Im März wurden 95 Prozent der Aufträge abgesagt oder verschoben», sagt Geschäftsführer Matthias Hösli. Für den April seien die Umsatzeinbussen noch nicht so hoch, aber Hösli erwartet keine Entspannung. Für zehn der zwölf Vollzeitangestellten wurde Kurzarbeit bis Ende Mai beantragt und vom Kanton bereits genehmigt. «Die Behörden waren sehr speditiv und entgegenkommend», sagt Hösli.

In den 35 Jahren seiner Tätigkeit sei er noch nie in einer solchen Situation gewesen. Entlassungen möchte Hösli wenn irgendwie möglich vermeiden.

«Dann hilft uns auch die Kurzarbeit nichts»

Für Cédric Neuenschwander von der Firma Spörri ist aber klar: «Wenn es im Juli nicht wieder aufwärtsgeht mit den Aufträgen, dann hilft uns auch die Kurzarbeit nichts.» Mit der Gartenmesse Giardina Mitte März ist der Firma der Umsatz-Garant der Monate Februar und März weggebrochen. Sechs Messestände hätte die Firma betreut. Die Messe Bau und Wohnen in Wettingen und ein Industrieanlass im Trafo Baden seien derzeit fraglich. Gespannt wartet man am Firmensitz in Vogelsang auf Neuigkeiten des Bundesamts für Gesundheit, was Grossanlässe mit mehr als 1000 Personen betrifft.

«Die Stimmung in der Firma ist schwer zu beschreiben», sagt Neuenschwander, «wir hoffen einfach, dass wir das durchstehen. Es kommen überlebenswichtige Monate auf uns zu.» Die wichtigste Zeitspanne für die Branche sei von Ende Mai bis Anfang Juli. «Wir kämpfen bis zum Schluss», kündigt Neuenschwander an.

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