Cathryn Lehmann

Ennetbadenerin begeistert an Swiss Music Awards: «Wir sind wie ein gutes indisches Curry»

Emotionaler Moment: Im Namen von «Härz» bedankt sich Nyna Dubois für den Award. Cathryn Lehmann aus Ennetbaden (r.) ist Teil des erfolgreichen Sextetts.

Emotionaler Moment: Im Namen von «Härz» bedankt sich Nyna Dubois für den Award. Cathryn Lehmann aus Ennetbaden (r.) ist Teil des erfolgreichen Sextetts.

Cathryn Lehmann hat mit ihren fünf Band-Freundinnen an den Swiss Music Awards den Best Breaking Act gewonnen. Was ihr der Preis bedeutet, wie er gefeiert wurde und wie sie mit Kritik umgeht.

Was für eine Überraschung am Samstagabend in Luzern: Das Mundartpop-Sextett «Härz» holte an den Swiss Music Awards in der Kategorie Best Breaking Act den Sieg und setzte sich dabei gegen Crimer und Stereo Luchs durch. 2017 wurde das Sextett gegründet; alle sechs Frauen sind Mütter. Letztes Jahr ging die erste Platte, «Härz», in Verkauf und das mit Erfolg. Bereits im Mai durfte die Formation die Goldene Schallplatte für 10'000 verkaufte Alben entgegennehmen.

Teil der Erfolgsgeschichte ist die Ennetbadenerin Cathryn Lehmann. Die 47-Jährige ist auch zwei Tage nach der Awardübergabe immer noch aus dem Häuschen. «Wir gingen als Aussenseiter ins Rennen und hätten nie mit dem Award gerechnet», so Lehmann. Das habe denn auch zur Folge gehabt, dass man sich innerhalb der Gruppe überhaupt nicht überlegt habe, was, geschweige denn wer etwas sage. «Wir waren völlig von den Socken», erinnert sich Lehmann an den Moment, als «Härz» zum Sieger in der Kategorie Best Breaking Act ernannt wurden. Die Freude war umso grösser, als im Publikum auch ihr Mann und die beiden Kinder sassen. «Die Kinder durften sogar mit über den roten Teppich gehen, es war für die ganze Familie ein sehr spezieller Moment.» Ihre Kinder im Teenageralter seien sehr stolz auf das, was sie erreicht habe. «Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Sie sind jetzt in einem Alter, in dem es ihnen auch peinlich sein könnte, was ihre Mutter da macht», sagt Lehmann lachend.

Swiss Music Awards: Favoriten, Schwärme und Traumpreise

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Auf dem Red Carpet gaben die Schweizer Musiker und Musikerinnen gesangstechnisch alles und verrieten unter anderem, in wen sie heimlich verliebt sind.

Durchaus auch ernste Themen

Jedes Mitglied der «Mami-Band» hat einen Pflasterstein – diese werden an den Awards vergeben – erhalten. «Meiner steht im Moment noch im Wohnzimmer. Er kommt aber ins Atelier, wo auch die Goldene Schallplatte hängt. «Es ist schon verrückt. Wenn mir jemand vor eineinhalb Jahren gesagt hätte, dass wir mit diesem Projekt eine Goldene Schallplatte plus einen Swiss-Music-Award gewinnen, dann hätte ich ihn wohl ausgelacht», so Lehmann.

Der Preis sei eine grosse Anerkennung und Wertschätzung «für alles, was wir geleistet haben», so Lehmann, die seit einem Vierteljahrhundert Musikerin ist. Auch sie hat die Kritik im Vorfeld der Awards mitbekommen, wonach doch nur die ohnehin Erfolgreichen ausgezeichnet würden. «Es ist der Auftritt der Erfolgreichen und gleichzeitig die Parade der Braven und Angepassten. Das KKL wird heute zur Insel der Seligen», schrieb etwa der AZ-Kulturchef Stefan Künzli. Lehmann findet zwar einiges richtig, was an Kritik auf die Awards einprasselt, hält aber auch fest: «Musik muss in erster Linie berühren und nicht belehren. Und offenbar haben wir mit ‹Härz› und unseren schweizerdeutschen Texten die Emotionen vieler Schweizer berührt.» Auch sei sie alles andere als unpolitisch, «und unsere Texte handeln keineswegs nur von Friede, Freude, Eierkuchen», stellt Lehmann klar. So singe sie in einem Stück darüber, wie schwierig es als Eltern ist, loszulassen – nicht zuletzt von den Kindern. «Die Gleichung Kommerz gleich schlecht greift für mich zu kurz. Auch Künstler müssen von ihrer Kunst leben können.» Abgesehen davon habe sie bei den Swiss Music Awards vieles erlebt, das durchaus innovativ und gegen den Mainstream gewesen sei.

Konzerttour beginnt im Mai

Und wie wurde der Preis gefeiert? Lehmann: «Nachdem mein Mann und meine Kinder zurück ins Hotel gegangen waren, haben wir bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.» Die Aussage unterstreicht auch, was Lehmann wenig später präzisiert. «Wir sind heute sechs Freundinnen. Es hat schon am ersten Tag gefunkt.» Natürlich habe geholfen, dass sie alle Mütter und Sängerinnen sind. «Doch wir sind sechs ganz verschiedene Frauen. Die Mischung machts aus. Wir sind wie ein gutes indisches Curry», sagt Lehmann und lacht. Sie selber sei zwar die Älteste, doch deswegen nicht automatisch das «Familienoberhaupt». «Denn ich bin vom Naturell nicht jemand, der sich gerne in den Vordergrund drängt.»

Ein bisschen wird sie dies aber bald tun müssen. Denn im Mai startet die Konzerttour. «Das werden ganz intime Konzerte, ich freue mich sehr darauf.» Noch stehen erst drei Orte ausserhalb der Region fest. Wer weiss, vielleicht werden Cathryn Lehmann und «Härz» aber auch in der Region zu sehen sein.

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