Ennetbaden
Ein Kurbad-Drama im Schatten von «Fortyseven»

Das «Theater in Baden» spielt eine eigene Fassung von Henrik Ibsens «Ein Volksfeind» – im Haus National gegenüber dem neuen Thermalbad.

Rosmarie Mehlin
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Intensiv am Proben (v.l.): Bruno Kocher, Andreas Schifferle und Sandra Hostätter.

Intensiv am Proben (v.l.): Bruno Kocher, Andreas Schifferle und Sandra Hostätter.

Rosmarie Mehlin

Grosse Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Zweifellos ein grosses Ereignis ist die Einweihung vom heissen Brunnen in Ennetbaden in rund sechs Wochen. Um etliches grösser noch wird die zeitgleiche Eröffnung vom Botta-Thermalbad in Baden sein. Die Schatten auf das «Fortyseven»-Grossereignis aber werden – in theatralischer Form – ennet der Limmat vorausgeworfen.

Das National an der Limmatpromenade in Ennetbaden.

Das National an der Limmatpromenade in Ennetbaden.

Philipp Zimmermann

Dort, im Saal des Wohn- und Pflegheims «National», spielt das «Theater in Baden» ab dem 15. Oktober «Ein Volksfeind» – ein Schauspiel von Henrik Ibsen, in dessen Mittelpunkt ein Kurbad steht.

«Wir hatten Umschau gehalten nach einem Stück aus dem Umfeld dieses Themas. Durch die Pandemie macht der tiefergreifende Hintergrund des Stücks – die politische Kontroverse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft – ‹Ein Volksfeind› zu einem topaktuellen Stück», betont der künstlerische Leiter Röbi Egloff.

Gesundheit der Badegäste versus Wirtschaftlichkeit

In Ibsens 1883 uraufgeführtem Schauspiel stellt der Leiter eines Kurbads und Arzt alarmierende Verunreinigungen im Wasser fest und wird dadurch für viele zum Volksfeind. «Es bricht ein erbitterter Streit darüber aus, was schwerer wiegt: Transparenz und Gesundheit der Badegäste oder ein möglicher wirtschaftlicher Schaden.»

Zusammen mit dem Regisseur Florian Oberle und dem langjährigen Ensemble-Mitglied Franco Fiordeponti hat Egloff das Original stark gekürzt. Gespielt wird es in Dialekt. Dazu Regisseur Oberle: «Alle Darstellerinnen und Darsteller hatten freie Hand, ihren Text selber ins Schweizerdeutsche zu übertragen.»

Röbi Egloff (l.) und Florian Oberle

Röbi Egloff (l.) und Florian Oberle

Nach «Baden hat genug», dem ersten Teil der «Ännet»-Trilogie zum Ennetbadener 200-Jahr-Jubiläum 2019, ist «Ein Volksfeind» Florian Oberles zweite Inszenierung mit dem «Theater in Baden». Der 45-jährige Lenzburger lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in Niederlenz. Mit, unter anderem, einem abgeschlossenen Studium in Theaterpädagogik in der Tasche, hatte Oberle sechs Jahre an «Brennpunkt»-Schulen in Berlin unterrichtet. Seit zehn Jahren ist er als Lehrer an der Aargauer Kantonalen Schule für Berufsbildung tätig.

Seit Ende August nun steckt er «nebenberuflich» tief in den Proben in Ennetbaden. «Es ist ein grosser Aufwand und eine sehr intensive, auch körperlich anstrengende Zeit, aber die Freude an dieser Aufgabe überwiegt alles. Allein der Reiz, aus Ibsens stereotyp eindimensional gezeichneten Figuren neue Charakterzüge herauszuarbeiten, packt mich.» Das Ziel, Verständnis für beide Konfliktseiten zu wecken, sei ebenso herausfordernd, wie «ein fast 150 Jahre altes Stück in die heutige Zeit zu übertragen, ohne dass Ibsens Geist ganz verloren geht».

Wie das «National» in den Fokus geriet

Ursprünglich hatten Röbi Egloff und seine Frau als Produktionsleiterin damit geliebäugelt, «Ein Volksfeind» direkt im Botta-Bad zu spielen. Nachdem sich dies – nachvollziehbarerweise – als nicht machbar herausstellte, war das «National» in den Fokus geraten. «Das Heim hat nur noch ganz wenige Bewohner, da es im Frühling abgerissen wird. So wurde uns der Saal zur freien Benützung überlassen. Wir können problemlos die Bühne aufbauen und das Interieur für unsere Zwecke verändern», schwärmt Egloff.

Dank einer stattlichen, treuen Zuschauergemeinde und umfangreichem Flyer-Versand läuft der Vorverkauf sehr gut. Es gibt denn auch ein Wiedersehen mit schon lange oder erst etwas kürzer lieb gewordenen Darstellerinnen und Darstellern, wie etwa Christina Kraushaar, Isabelle Egloff, Adrian Müller, Ernst Wenger und – dem sozusagen «Doyen» im Ensemble – Andreas Schifferle. Nach der Premiere am 15. Oktober wird «Ein Volksfeind» – der Titel wurde bewusst nicht ins Schweizerdeutsche übertragen – weitere neun Mal aufgeführt.

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