Bäderquartier Baden
Elektrobusse für Badegäste: Das ist der neuste Vorschlag

Thermalbad-Gäste sollen in Kleinbussen ins Bäderquartier transportiert werden – das Projekt hat bessere Chancen als eine Seilbahn.

Pirmin Kramer
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Kleinbusse ohne Chauffeur sollen laut Initianten bereits in einem Jahr vom Bahnhof ins Bäderquartier fahren.

Kleinbusse ohne Chauffeur sollen laut Initianten bereits in einem Jahr vom Bahnhof ins Bäderquartier fahren.

AZ

Nächsten Herbst eröffnet das neue Badener Thermalbad: Rund 350'000 Gäste pro Jahr werden erwartet, also im Schnitt rund 1000 pro Tag. Wie gelangen die Menschen ins Bäderquartier? Zwar wird eine Tiefgarage für Autos gebaut, und auch die Busse der RVBW werden öfter fahren als bisher. Doch seit Jahren werden in der Stadt zusätzliche Transportideen diskutiert.

Noch immer steht eine Seilbahn zur Debatte, wobei diese Idee kürzlich einen Rückschlag erlitt: Der Stadtrat zweifelt an der Bewilligungsfähigkeit des Vorhabens, wegen des Ortsbild- und Denkmalschutzes. Bessere Chancen hat der neuste Vorschlag: Selbstfahrende Elektrobusse, welche die Bade-Gäste vom Badener Bahnhof zum Fortyseven bringen, wie das Thermalbad offiziell heisst. Diese Woche hat das Projekt eine erste politische Hürde genommen: Der Einwohnerrat hat dem Stadtrat den verbindlichen Auftrag gegeben, einen autonomen Pilotbetrieb zu prüfen – mit einer deutlichen Mehrheit von 37 zu 8 Stimmen.

«Brauchen nachhaltige Lösung, die bei allen ankommt»

Lanciert haben die Idee FDP-Einwohnerrat Stefan Jaecklin und der bekannte Badener Unternehmer Werner Eglin, dem mit seiner Eglin Immobilien AG unter anderem sechs Restaurants, zwei Spas und vier Hotels in Baden gehören – einige davon im Bäderquartier.

Die beiden haben eine Vorstudie in Auftrag gegeben, die zum Schluss kommt: Das Projekt wäre umsetzbar. Jaecklin erklärte im Einwohnerrat:

Die Strecke vom Metroshop zu den Bädern ist verkehrstechnisch überhaupt nicht komplex. Mit der heutigen Technologie ist sie autonom erschliessbar. Hinzu kommt: Wir sind eine Elektroindustrie-Stadt.

Baden sei darum prädestiniert dafür, diese Idee weiterzuentwickeln. «Klar ist: Wir brauchen eine attraktive Lösung, damit wir die Bäder verkehrstechnisch erschliessen können. Eine nachhaltige Lösung, die bei allen gut ankommt, bei Besuchern ebenso wie bei Anwohnern.» Die Vorteile der autonomen Elektrobusse laut den Initianten: Die Flotte wäre flexibel ausbaubar, und die Betriebskosten seien gering, weil es kein Personal braucht. Dadurch könnten die Fahrzeuge in grosser Anzahl und mit kleinen Einheiten, also als Kleinbusse, eingesetzt werden. Dies ermögliche ein engmaschiges, dichtes elektrisches ÖV-Netz.

Viele offene Fragen

Stadtammann Markus Schneider äusserte sich positiv und sagte, das Projekt sei auf jeden Fall eine genaue Prüfung wert. Der Zeitplan jedoch sei sehr sportlich – im Postulat ist die Rede davon, dass die Elektro-Kleinbusse ohne Chauffeur bereits im Herbst 2021 fahren könnten.

In den Fraktionen kommt die Idee der elektrischen Shuttle-Busse zwar gut an, aber es gibt auch noch viele offene Fragen. Auf der vorgeschlagenen Strecke unter anderem via Fussgänger-Rampe beim Casino-Kreisel gebe es grosses Fussgängeraufkommen. Der Zeitplan sei nicht sportlich, sondern utopisch, war zu hören. Es gebe betreffend Infrastruktur noch viele Stolpersteine. «Und der Fussverkehr darf nicht konkurrenziert werden, es dürfen keinesfalls Flächen für Fussgänger verschwinden», sagte Till Schmid (Team).