Das Durchschnittsalter der Einwohnerratskandidaten der grünliberalen Partei (GLP) beträgt gemäss der Wahlplattform Smartvote 48 Jahre. Bei keiner anderen Badener Partei liegt der Durchschnitt so hoch. Die jüngsten Parteien sind mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren die SVP und das team baden (siehe Box rechts).

Platz für Junge

GLP-Präsident Sander Mallien erklärt, für Einsteiger könne es etwas bequemer und attraktiver sein, einer grösseren Partei beizutreten; denn dort könne man als junger Politiker erst einmal Luft schnuppern, die Belastung falle dadurch geringer aus.

«Wir sind eine kleine Partei, bei uns dürfen und müssen jüngere Politiker ohne grosse Anlaufzeit Verantwortung übernehmen.» Unter 30-Jährige würden sich daher eher dem seit langem etablierten «team» (23 Kandidaten) anschliessen, welches vielen bereits von ihren Eltern her bekannt sei.

Trotzdem hätten sich mit Dominik Peter und Philipp Bachmann (beide Jahrgang 1986) auch zwei «brillante, sehr engagierte junge Politiker» als Einwohnerratskandidat der GLP Baden zur Verfügung gestellt, so Mallien.

Die jüngsten Parteien in Baden sind die SVP und das team. «Bei unserer Partei fällt auf, dass wir zwar im Schnitt jung sind, aber gleichzeitig ein grosses Altersspektrum haben und damit auch unsere Wählerschaft repräsentieren», sagt team-Präsidentin Susi Burger.

Derweil erklärt SVP-Fraktionspräsident Andi Bauer (48): «Dass wir im Schnitt so jung sind, überrascht mich überhaupt nicht. Die SVP kämpft für Themen, die junge Badener Menschen beschäftigen, wie etwa die Sicherheit für Jugendliche.»

Auffällig: Die SVP ist zwar jung, aber gleichzeitig ausgesprochen männlich – nur 9 Prozent der Kandidaten sind Frauen. «Wir bedauern sehr, dass sich nicht mehr Frauen zur Verfügung gestellt haben», sagt Bauer. Dies könnte damit zu tun haben, dass man als Vertreter der SVP mehr der politischen Kritik ausgesetzt sei. «Leider trauen sich nicht alle Frauen, solch ein Amt zu übernehmen, auch wenn sie das problemlos tun könnten. Wir wären froh um mehr rechten, weiblichen Einfluss», sagt Bauer.

Netzwerk entscheidend

Das Alter der Kandidaten hänge vermutlich mit dem Netzwerk der wichtigsten Politiker der jeweiligen Partei zusammen, vermutet Politologe Michael Erne von Smartvote. Denn das Durchschnittsalter der Politiker einer Partei variiere von Stadt zu Stadt. In Bern beispielsweise sei die GLP mit 39 Jahren eine eher junge Partei, während die SVP mit einem Kandidaten-Durchschnittsalter von 50 Jahren eher älter sei.

Dass die SVP in Baden die Partei mit den tiefsten und die Grünen die Partei mit dem grössten Frauenanteil sei, liege vermutlich am Parteiprogramm, sagt Erne – linke Parteien setzen sich tendenziell stärker für Frauenthemen ein. Gleichzeitig setzten sich diese Parteien eine ausgeglichene Liste zum Ziel, suchten also gezielt nach Frauen.