Mägenwil

Wegen Videokamera in Turnhalle freigestellt: Einwohner stellen sich mit Petition hinter den Mitarbeiter

Der Mitarbeiter habe nur seinen Job gemacht und die Kamera aufgehängt, um das Schulareal vor Vandalismus zu schützen, argumentieren die Petitionäre. (Archivbild)

Der Mitarbeiter habe nur seinen Job gemacht und die Kamera aufgehängt, um das Schulareal vor Vandalismus zu schützen, argumentieren die Petitionäre. (Archivbild)

Der Mägenwiler Gemeinderat steht in der Kritik. 171 Personen fordern ein sofortiges Ende des Untersuchungsvefahrens. Der Angestellte habe richtig gehandelt.

Ein Mitarbeiter der Gemeinde Mägenwil wurde vom Gemeinderat vorübergehend freigestellt, weil er ohne Bewilligung eine Videokamera im Foyer der Turnhalle installierte (die AZ berichtete).

Sie filmte den Eingangsbereich und die Doppelturnhalle. Der Gemeinderat hat ein Disziplinarverfahren eröffnet, das von einer Verwarnung bis zu einer Kündigung alle Möglichkeiten offenlässt, wie Gemeindeammann Marin Leuthard erklärte. Im Verfahren werde der Mann seine Sicht der Dinge darstellen können.

Eine Petition, die bis Freitagabend von 171 Personen unterstützt wurde, fordert vom Gemeinderat nun die Einstellung des Verfahrens, «den sofortigen Stopp der Zwangsbeurlaubung des betroffenen Mitarbeiters und eine Entschuldigung ihm gegenüber».

Denn der langjährige, von allen Seiten geschätzte Mitarbeiter habe nur seinen Job gemacht und die Kamera aufgehängt, um das Schulareal vor Vandalismus zu schützen. «Der Mitarbeiter sollte für sein Handeln gelobt werden», heisst es im Petitionsschreiben.

Das Disziplinarverfahren, das der Gemeinderat eingeleitet hat, solle gestoppt werden, lautet eine weitere Forderung. Und Gemeinderat und Schulpflege sollen Vorschläge machen zur Vorbeugung von Vandalismus.

Zusätzlich zur Petition läuft in Mägenwil eine Unterschriftensammlung, ebenfalls aus Solidarität mit dem freigestellten Mitarbeiter. Im beigelegten Brief, der zusammen mit den Unterschriftenbögen an den Gemeinderat geschickt werden wird, heisst es ebenfalls: «Seine Absicht war lediglich, der Sachbeschädigung auf die Schliche zu kommen, die in der Halle stattfand.»

Der Gemeinderat wird im Schreiben dazu aufgefordert Menschlichkeit zu zeigen, von einer Kündigung abzusehen und dem Mann lediglich eine Verwarnung auszusprechen. Die Reaktion des Gemeinderates sei unverhältnismässig: «Wir sind der Überzeugung, dass im gesamten Verfahren sehr über die Stränge geschlagen wurde», heisst es im Brief.

Abgesehen davon sei das Engagement des Mannes für die Gemeinde beispiellos: Sowohl als Mitglied eines Vereins als auch bei seiner Arbeit für die Gemeinde habe er seit vielen Jahren sehr viel Gutes für Mägenwil getan.

Der provisorisch freigestellte Mitarbeiter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Schulpflege hat derweil den Antrag gestellt, den Mitarbeiter auf den nächstmöglichen Termin zu kündigen, wie es in einer Mitteilung der Gemeinde heisst.

Schulpflege und Schulleitung hätten jegliches Vertrauen in den Angestellten verloren, unter anderem, weil dieser bereits 2014 eine Kamera im Aussenbereich des Kindergartens installiert habe. Ammann Leuthard wollte sich am Freitag nicht äussern.

Anfang Woche sagte er: «Wir hatten keine andere Wahl, als den Mann freizustellen», die Kamera hätte von der Datenschutzbeauftragten des Kantons bewilligt werden müssen.

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