Von Vertretern christlicher Religionen wurde die islamische Gemeinschaft in Gebenstorf willkommen geheissen. Bedauert wurde einzig das Fernbleiben des Gemeinderats. «Wir waren acht Jahre auf der Suche nach passenden Räumen und haben in Gebenstorf eine sehr gute Lösung gefunden», sagte Vereinspräsident Selim Selimi an der Einweihung am Samstag. «Wir freuen uns und möchten uns hier integrieren.» Selimi betonte, dass der 1997 gegründete Verein den Austausch zwischen den Religionen und Kulturen fördern und Vorurteile ausräumen wolle. «Wir sind keine geschlossene Gesellschaft, unsere Tür steht immer offen», sagte er.

«Wir sind sehr glücklich darüber, dass Sie hier Ihren neuen Sitz haben», unterstrich Daniel Ric, Präsident der katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi. «Wir haben alle nur einen Gott, egal wie dieser heisst. Herzlich willkommen.» Ein weiterer Vertreter der christlichen Konfession, Michael Lepke, Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Liebfrauen in Obersiggenthal-Nussbaumen, sprach am Samstag zu den Muslimen. «Mit dem neuen Domizil haben Sie würdiges Zuhause gefunden, im Unterschied zum früheren in Obersiggenthal-Kirchdorf», sagte der Pfarrer. Lepke betonte, dass der interreligiöse Dialog in Nussbaumen eine lange Tradition habe. Er überreichte eine Geldspende von 500 Franken, denn noch gibt es in der früheren Pizzeria «Il Gabbiano» viel zu tun.

Muris Puric, Imam der bosnischen Gemeinschaft im Aargau: «Muslime stehen für Gastfreundschaft und gute Nachbarschaft.» Es sei sogar Pflicht eines muslimischen Gläubigen, gute Beziehungen zu Christen und Juden zu pflegen. Halit Duran, Präsident des Verbandes Aargauer Muslime, unterstrich: «Wir stehen vorbehaltlos für den demokratischen Rechtsstaat ein, wir schätzen und lieben die Freiheiten der Schweiz und wollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben.»

Auf Nachfrage betonte Duran, mit welchem Einsatz – Fronarbeit und Spenden – der rund 110 Vereinsmitglieder aus dem Raum Baden/Brugg der Umbau der früheren Gaststätte gelang. Gelder aus dem Ausland seien dafür keine geflossen.

Es wagten dann doch einzelne Bürger der Gemeinde einen Blick in die Moschee. «Ich finde es nicht gut, dass der Gemeinderat heute abwesend ist,» sagte eine Frau, die in direkter Nachbarschaft wohnt, aber anonym bleiben will. Und: «Hätte der Gemeinderat von Anfang an kommuniziert, dass es in Kirchdorf 20 Jahre lang problemlos war, hätte es gegen das Projekt wohl keine Vorbehalte gegeben.»