Tempo 20 statt 80 auf dem Hööndlerweg in Birmenstorf? Als er von diesem Vorschlag hört, muss der Aargauer Grossrat und Verkehrspolitiker Martin Keller (SVP) aus Obersiggenthal erst einmal lachen. «Wer neben einer Strasse, auf der 80 km/h gefahren werden darf, ein Haus kauft oder baut, profitiert von tieferen Landpreisen. Danach eine derart einschneidende Temporeduktion auf Kosten der Allgemeinheit zu fordern, ist in meinen Augen eine ziemliche Dreistigkeit.»

Doch Martin Keller kennt die Verkehrssituation beim Hööndlerweg – und kann die Forderung der Anwohner darum teilweise nachvollziehen. «Auch ich finde, eine Reduktion des Tempolimits auf 50 km/h wäre sinnvoll, weil sich die Strasse seit dem Bau der Häuser im Prinzip innerorts befindet.» Wichtig sei aber, dass der Verkehr weiter fliessen könne. Das wäre laut Martin Keller bei Tempo 20 nicht mehr der Fall – er bezeichnet diese Forderung als fundamentalistisch. «Dann würden Autos von E-Bikes überholt.»

Christian Keller, Co-Präsident der Grünen des Bezirks Baden und Vorstandsmitglied der Aargauer Sektion des Verkehrsclubs Schweiz, findet die Forderung für Tempo 20 auf dem Hööndlerweg mehr als gerechtfertigt. «Der Hööndlerweg dient einzig der Quartiererschliessung. Es ist an der Zeit, dass der öffentliche Raum in den Gemeinden wieder den Menschen zurückgegeben wird. Strassen gehörten im letzten Jahrhundert den Autos, das muss sich wieder ändern.» Seiner Ansicht nach erfüllen Quartierstrassen eine multifunktionale Aufgabe – sie dienen als Durchfahrtsort, aber auch als Aufenthaltsraum.

«Alle profitieren davon, wenn Strassen so vielfältig wie möglich genutzt werden können.» Auch eine Temporeduktion auf der Mülligerstrasse wäre zeitgemäss – doch eher unrealistisch: «Es handelt sich um eine Kantonsstrasse, und unser Regierungsrat hält sich mit Temporeduktionen sehr zurück.»