"De Goalie bin ig"

Eine Stunde Höchstleistung im Badener Thik

Nicolas Batthyany: Dichte Präsenz auf der Bühne.

Nicolas Batthyany: Dichte Präsenz auf der Bühne.

Nicolas Batthyany spielte das Stück von Pedro Lenz – und begeisterte das Badener Publikum.

on der gedeckten Brücke aus ist die Lichterkette des ehemaligen Kornhauses, die sich in der Limmat spiegelt, unübersehbar; und nach einigen Schritten auf dem Kopfsteinpflaster der Kronengasse gibt die schwere Tür Einblick ins Foyer, wo die Mitarbeiterin an der Kasse erste Kostproben der kommenden Mundart liefert, die nach einem ersten Drink an der Bar schliesslich im gut gefüllten Theaterraum dann auch meisterhaft zelebriert wird.
Eine gute Stunde, die so fliessend schnell vergeht, dass eine Pause störend wäre. Gleich zu Beginn gewinnt Nicolas Batthyany sein Publikum und hält es in aufmerksamer Teilnahme in der dramatisch gestalteten Erzählung von Pedro Lenz gefangen.

Eben noch an der Bar am Erzählen der Ferienerlebnisse in Rhodos oder Sardinien, immer noch in einen spannenden OP-Fall des Spitals verwickelt, oder gerade noch rechtzeitig von den Geschäften des Gemeinderates weg und in die Kultur geflüchtet, tummeln sich nun alle in der Geschichte des Goalies.

Und die ist dicht verflochten, und die Emotionen prallen heftig aufeinander – da hilft auch das ständige Zusammenwischen des Papierabfalls auf der Bühne wenig.
Obwohl der einstige Torhüter in seiner Kindheit nur einen Schwächeren davor schützen wollte, als Versager im Goal geplagt zu werden, wird er dann selbst immer mehr zum Versager und Ausgenützten. Mischt als Grämmli-Dealer in einem grossen Coup mit, und obwohl ohne grossen Gewinn aussen vor, landet er mittendrin – im Knast. Wieder in Freiheit, begegnet ihm Regula, die Kellnerin aus dem «Maison», aber sie ist bereits mit Buddy, dem Deutschen mit dem imponierenden VW-Golf, zusammen.

Zwischen dem Hadern und Lamentieren über die elende «Pöschwies» und das Flippern in der «Braui» werden Goalies Worte sanft und voller Hoffnung, wenn er von seiner grossen Liebe spricht: «I hanere Suppe kocht, wo sie vom Buddy verschlage vor minere Tür gstande isch, und sie isch uf mim Bett igschlofe wienes Tierli.»

Batthyany: «Brauche jetzt dann mal eine Pause»
In einer unglaublich dichten Präsenz lässt Nicolas Batthyany die Gefühle seines tragischen Helden in all seinen Facetten und Extremen miteinander ringen. Und er entlässt das fasziniert lauschende Publikum nur in den Momenten des Schmunzelns und Staunens aus der Betroffenheit über Goalies Sehnsucht – die sich mal kindlich hoffend und dann wieder flehend und fluchend um das doch endlich verdiente Glück der Liebe und heraus aus der Spirale des Versagens und Verstossenseins dreht. Krasse und feinsinnige Worte folgen sich n ahtlos: «Tammy Siech» und «Wett nume, das es mir warm wird.»

Doch das Happy End kommt erst an der Bar, wo der Schaupieler Batthyany bei einem Bier zu unseren Fragen meint: «Ja, das Einüben des vielfältigen Textes von 65 Minuten und der verschiedenen Rollen ist eine grosse Aufgabe. Nach 50 Aufführungen brauche ich jetzt dann mal eine Pause. Aber es ist schön mit Johanna Böckli, einer so begabten Regisseurin, zusammenarbeiten zu dürfen. Und ja, privat habe ich ‹meine Regula› gefunden und bis jetzt behalten können. Das macht mich glücklich.»

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