Draussen ist es länger wieder hell und wärmer. «Langsam geht es wieder los», sagt Roland Jenni, Polizeichef der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal. Er meint: Schon bald treffen sich draussen wieder vermehrt Jugendliche auf öffentlichen Plätzen, «und hinterlassen eine Sauerei», nimmt er kein Blatt vor den Mund. Natürlich dürfe man nicht alle Jugendlichen verurteilen, sagt Jenni, aber es sei vermehrt die jüngere Generation, die achtlos Abfall liegen lasse oder mutwillig Dinge zerstöre.

Die Jugendlichen für die Themen Littering und Vandalismus zu sensibilisieren ist eine der Aufgaben der Jugendpolizei Wettingen-Limmattal. Die beiden zuständigen Jugendpolizisten Christoph Frei und Sonja Kieser gehen auf Jugendpatrouille und an den sogenannten Hotspots vorbei, also an Orten, an denen sich die Jugendlichen in den Sommermonaten gerne aufhalten, und versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. «Wir führen eine Liste mit den am meisten frequentierten Orten», so Jenni. Die Jugendpatrouille sucht die Jugendlichen an diesen Plätzen zumeist nur präventiv auf: «Jugendpolizeiliche Aufgaben wie Kontrollen von öffentlichen Plätzen und Schulanlagen werden von allen Polizisten der Regionalpolizei während des ganzen Jahres wahrgenommen», erklärt Jenni.

Wichtige Präventionsarbeit

Die beiden Jugendpolizisten haben beim Schweizerischen Polizei-Institut ein Diplom erworben, um die Arbeit ausführen zu können. Neben den Jugendpatrouillen gehört auch Präventionsarbeit zum Job. Im Arbeitsalltag sind Frei und Kieser Verkehrsinstruktoren und in dieser Aufgabe bereits viel mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt. Deshalb mache es Sinn, dass genau diese beiden an den Oberstufenschulen Jugendpräventionslektionen durchführen: «Jeder Schüler kommt in den Genuss von zwei Doppellektionen, in denen es unter anderem um Drogenprävention, Cybermobbing, um Gefahren der sozialen Medien und natürlich auch um Littering geht», erklärt Jenni. Polizeiliche Jugendarbeit habe es zwar früher schon gegeben, «doch ist diese mit der Realisierung der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal im Jahr 2013 vermehrt professionalisiert und im ganzen Limmattal vereinheitlicht worden».

Auch die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal und die Stadtpolizei Baden haben eine Jugendpolizei. Allerdings ist bei der Stadtpolizei der Verantwortliche im Herbst gegangen: «Verglichen zu den beiden Regionalpolizeien sind wir da im Moment etwas im Rückstand», bedauert Max Romann, stellvertretender Polizeikommandant.

Die Aufgaben des früheren Jugendpolizisten übernimmt derzeit ein Polizist in einem 50-Prozent-Pensum für die allgemeine Präventionsarbeit: «Wie lange es geht, bis wir wieder einen Jugendpolizisten mit 100-Prozent-Pensum haben, ist noch offen», so Romann. Unter der Federführung des früheren Jugendpolizisten der Badener Stadtpolizei kam es vor zwei Jahren zu einer Zusammenarbeit der drei Jugendpolizeien der Region sowie der Fachstelle Jugendarbeit der Region Baden. Diese treffen sich nun regelmässig zu einem Austausch. Auch ist ein Präventionsvideo für Jugendliche entstanden, das auf der Website zur Jugendpolizei der Repol Rohrdorferberg-Reusstal zu sehen ist.

Keine Ressourcen

Dieses Video wie auch die dabei entstandenen Flyer verwendet die Repol Rohrdorferberg-Reusstal für ihre Präventionsarbeit. Das ist denn auch die Hauptaufgabe der beiden Jugendpolizisten, die hier verantwortlich sind.

Jugendpatrouillen wie sie die Repol Wettingen-Limmattal durchführt, das kann sich die Repol Rohrdorferberg-Reusstal ressourcentechnisch nicht leisten. Die beiden Jugendpolizisten konzentrieren sich in einem 10-Prozent-Pensum auf die Zusammenarbeit mit Jugendfachstellen und Schulen, um dort zum Beispiel präventiv auf «brennende Themen» wie Vandalismus und Littering aufmerksam zu machen, erklärt Polizeichef Daniel Schreiber. Vor allem letzteres stelle auch in der Region ein grosses Problem dar.

Die Jugendpolizei gibt es seit zirka fünf Jahren: «Wir riefen sie ins Leben, um eine Ansprechperson für jugendspezifische Probleme zu haben». Es sei nun mal Realität, dass die Polizei und die Jugend ein etwas distanziertes Verhältnis zueinander hätten. «Wir möchten so gegenseitiges Verständnis und Vertrauen schaffen, damit sich Polizisten und Jugendliche auf Augenhöhe begegnen können.» Bis vor anderthalb Jahren war nur ein Polizist für die Jugendpolizei zuständig. Aufgestockt wurde aber nicht, weil die Delikte in der Region zugenommen hätten, versichert Schreiber: «Es gibt immer mehr Schulen und Schüler und wir wollten die Aufgaben auf zwei Schultern verteilen».