Mit einer gewaltigen Ladung an variantenreich aneinandergereihten Tonleitern tauchten die Konzertbesucher ein in einen ungewohnten und sehr speziellen Klang: «Au fil des gammes» heisst diese Komposition, welche jeden ehemaligen Musikschüler an seine Etüden-Paukerei erinnert. Auf der Bühne präsentierte sich ein 35-köpfiges Ensemble, das ausschliesslich mit Klarinetten besetzt ist. Ohne jegliche Schlagwerke erzeugte eine ganze Klarinettenfamilie, von der hohen Es-Klarinette über Bassett-Horn bis hin zur tiefen Kontrabassklarinette, einen eufonischen Sound.

Aber keine Regel, ohne Ausnahme, dachten sich die Wettinger Musiker. Sie hatten eine Komposition für Klarinettenchor und Solotrompete beim Basler Komponisten Olivier Truan in Auftrag gegeben. Und so wurde dieses Stück mit dem Titel «Concertino For Trumpet and Clarinet Choir» uraufgeführt. Man wolle eine Brücke über den «blasmusikalischen Röstigraben» bauen, erklärte Konzertsprecher und Bassetthorn-Spieler Marco Galli. Damit meinte er den Graben zwischen Blech- und Holzbläsern. Als Gastsolistin mit Trompete und Flügelhorn amtete die Luzernerin Manuela Fuchs. Im knallroten Kleid trat sie auf die Bühne und überzeugte die Zuhörerschaft mit ihrem stupenden Können. Im ersten Satz dieses Werks hatte der Komponist ein Gemisch aus osteuropäischer Folklore und Jazzrhythmen eingebaut. Den zweiten Satz interpretierte die Solistin auf dem Flügelhorn. Polyfone Melodien der Klarinetten stellten die Meeresoberfläche dar und bildeten das Fundament für das Flügelhorn, sich lyrisch zu entfalten. Der Allegro-Satz bot dann reihenweise Trompeten-Virtuositäten, die buchstäblich unter die Haut gingen. Anhaltender Applaus war der Lohn für diese Top-Darbietung.

Tränen bei «Ave Maria»

Das Programm schloss mit der eher unbekannten Komposition «La Seine» des Japaners Toshio Mashima. Das Publikum war begeistert und forderte Zugabe um Zugabe. Zum Abschluss trat nochmals Manuela Fuchs auf die Bühne und interpretierte auf dem Flügelhorn das emotionale Lied «Ave Maria». Manch eine Träne wurde dabei aus dem Gesicht gewischt.

Der Klarinettenchor Wettingen ist in seiner Form einzigartig in der Schweiz. Er ist kein Projekt, sondern begeistert seit über zwölf Jahren mit anspruchsvoller Musik. Alle Klarinettistinnen und Klarinettisten sind Amateure, unterscheiden sich aber kaum von Profis. Fürs nächste Jahr kündigte Dirigent Roland Käppeli ein Konzert in Zusammenarbeit mit einer Saxofon-Gruppe an. Man darf gespannt sein.