Baden

Eine Badener Liebesgeschichte: Glück, Schmerz und Trauer in der Villa Langmatt

Sie verband eine tiefe Liebe, die weit über seinen Tod hinausging: Jenny und Sidney W. Brown-Sulzer in einer Porträtaufnahme von 1906.

Sie verband eine tiefe Liebe, die weit über seinen Tod hinausging: Jenny und Sidney W. Brown-Sulzer in einer Porträtaufnahme von 1906.

Die Autorin Franziska Schläpfer erzählt in ihrem neuen Buch «Die Liebe ist ein schreckliches Ungeheuer – Illustre Schweizer Paare» die Geschichte eines Paares, das Baden prägte.

Jenny Sulzer und Sidney W. Brown – zwei Persönlichkeiten, ein Paar, das die Stadt Baden nachhaltig prägte. Die Kulturjournalistin Franziska Schläpfer beschreibt diese Liebesgeschichte in ihrem neuen Buch «Die Liebe ist ein schreckliches Ungeheuer – Illustre Schweizer Paare».

Es ist soeben im Verlag Hier und Jetzt erschienen, die Buchvernissage findet Ende August im Cabaret Voltaire im Zürcher Niederdorf statt. Apropos Zürich: Der Verlag für Kultur und Geschichte hat seit kurzem seinen Sitz nicht mehr an der Badener Kronengasse, sondern in der Zürcher Enge.

Franziska Schläpfer erzählt in ihrem Werk von neun Schweizer Paaren des 20. Jahrhunderts, die in spannungsreichen Beziehungen lebten. Sie hat dafür in Archiven gestöbert, mit Nachkommen gesprochen, Tagebücher und Briefe gelesen.

Zu den Porträtierten zählen etwa die Schauspielerin Anne-Marie Blanc und der Filmemacher Heinrich Fueter oder die Kabarettistin Elsie Attenhofer und der Germanist und ETH-Rektor Karl Schmid. Und eben auch die Browns, die der Provinzstadt Baden mit ihrer Villa Langmatt und ihrer Kunstsammlung eine ganz neue Grandezza brachten.

Vom Grand Hôtel in die Villa an der Römerstrasse

Nach der Verlobung mit dem Technischen Direktor der Brown, Boveri und Cie. schreibt die Winterthurer Industriellentochter Jenny Sulzer an ihre Eltern: «Sidney hat mich zum glücklichsten Menschen auf der Welt gemacht & mein höchster Wunsch wird sein, ihm all die Liebe, die er mir entgegen bringt zu vergelten, indem ich ihm stets eine treue & liebevolle Lebensgefährtin sein werde. [...] Wir verstehen uns so gut, als ob wir uns schon lange vorher gekannt hätten & ich bin ganz gewiss, dass es immer so bleiben wird, er ist so gut & treu.»

Und in der Tat: Die Ehe glückt, genauso wie der Aufstieg der BBC zum Weltkonzern. Auf der Hochzeitsreise nach Paris kauft das Paar 1896 das Bild «Wäscherinnen am Ufer der Touques» von Eugène Boudin – der Anfang einer grossen Sammlung. Sie leben ein halbes Jahr im Grand Hôtel im Bäderquartier, bis eine Mietwohnung an der Badstrasse frei wird, in der die Boveris wohnten, bevor sie in ihre Villa am Ländliweg zogen.

1901 beziehen die Browns schliesslich die von Karl Moser entworfene Langmatt an der Römerstrasse – eine grossbürgerliche Villa mit viel Personal, Tennisplätzen, Swimmingpool und herrlichem Park. Umgangssprache ist mal Englisch, mal Winterthurer Dialekt. Die grosse Liebe hält auch an, als Sidney am 1. August 1941 stirbt. Jenny fällt in tiefe Trauer und überlebt ihn um 27 Jahre.

Ein Trost sind ihr die drei Söhne und ihre Hunde. Schläpfer schreibt, es sei überraschend, wie wenig aus der grossbürgerlichen Welt nach aussen drang: «Kein Hochzeitsbild, die Liebesbriefe verbrannt. Die Ehe lässt sich nur anhand von Jennys täglichen Notizen rekonstruieren.» Die Rekonstruktion ist geglückt. Insgesamt entstand ein sehr dichtes und dennoch leicht lesbares Buch: Eine wunderbare Sommerlektüre.

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