Mit Gottfried Wiedemeier hat Würenlos seinen letzten lebenden Ehrenbürger verloren. Als Ortsbürger war er ein waschechter Ur-Würenloser: Geboren am 9. Juni 1929 in Würenlos, verheiratet 1954 in Würenlos mit Edith, geb. Mäder und – abgesehen von seinen Wanderjahren im Ausland in jüngeren Jahren – immer in Würenlos wohnhaft. Nun ist er verstorben in seiner Heimatgemeinde.

Ein Vierteljahrhundert lang prägte Gottfried Wiedemeier an vorderster Front die Gemeinde Würenlos, ihre Entwicklung, ihre Geschichte. Wer ihm je persönlich begegnet ist, dem bleiben seine energische Lebenslust und sein charismatisches Wesen in Erinnerung. Er war eine Kämpfernatur und der geborene Leader.

Wo er auftrat, stand er bald im Mittelpunkt. Nicht etwa, weil er sich aufdrängte oder sich wichtiger nahm als seine Mitmenschen, sondern aufgrund seines gewinnenden Wesens und seiner starken Präsenz.

Eindrückliche politische Karriere

Früh schon entwickelten sich in ihm der Wille und die Bereitschaft, für eine Sache mit Wort und Tat hinzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Bereits in der Lehre bei der BBC in Baden war er Obmann der Lehrlingsgruppe. Mit 22 trat er der CVP Würenlos bei. Seine politische Karriere startete durch, als er 1965 im Alter von 35 Jahren Mitglied des Grossen Rats des Kantons Aargau wurde.

Am 1. Januar 1966 nahm er Einsitz im Gemeinderat und nur zweienhalb Jahre später, als Oskar Keller 1968 aus gesundheitlichen Gründen als Gemeindeammann zurücktreten musste, trat er dessen Nachfolge an.

24 Jahre lang, von 1966 bis 1989, gehörte Gottfried Wiedemeier dem Gemeinderat an. Imposante 21 Jahre stand er der Gemeinde als Ammann vor. Eine eindrückliche Leistung eines Mannes, der damals auch beruflich als Werkmeister bei der BBC in Baden sehr engagiert war.

Die politische Tätigkeit im Grossen Rat, dem er bis 1981 angehörte, ermöglichte es ihm, sein bestehendes Beziehungsnetz auszubauen und wertvolle Verbindungen herzustellen, wovon letztlich auch die Gemeinde Würenlos stark profitieren konnte. Überhaupt sorgte Gottfried Wiedemeier immer gut für seine Gemeinde und setzte sich ein für das Wohl ihrer Einwohnerinnen und Einwohner.

Er verkörperte die Charakterzüge, die Würenlos auch heute noch prägen: Der Wille zur Eigenständigkeit, gepaart mit einem selbstbewussten (manchmal auch einem etwas eigensinnigen) Auftreten und der Mut, seine Meinung zu äussern und sich nicht alles gefallen zu lassen.

Wachstumsschub in Würenlos

Während Gottfried Wiedemeiers Amtszeit stieg die Einwohnerzahl in Würenlos von gut 2500 auf rund 4100. Die Gemeinde erfuhr einen regelrechten Wachstumsschub und es lässt sich erahnen, welch immense Arbeit die Behörde in dieser Zeit zu bewältigen hatte.

Meilensteine in diesem Zeitraum waren die beiden Zonenplanrevisionen von 1967 und 1981, der Bau des Schwimmbades «Wiemel», die Erweiterung der Schul- und Sportanlage «Ländli» und der Bau der Mehrzweckhalle, ferner die Eröffnung der Autobahn-Teilstrecke mit der Autobahnraststätte sowie die Untertunnelung der SBB-Verbindungslinie Würenlos-Killwangen, für welche sich Gottfried Wiedemeier mit Vehemenz eingesetzt hatte.

Eine Herzensangelegenheit war ihm auch der Bau des Forsthauses «Tägerhard», welches die Ortsbürgergemeinde finanzierte. Das Ortsbürgerwesen und die Forstwirtschaft waren ihm stets ein wichtiges Anliegen.

Ein Mann der Tat

Gottfried Wiedemeier betrieb Politik mit Augenmass und gesundem Menschenverstand. Kleinkrämerei war nicht seine Sache. Er war ein Mann der Tat! Ging ihm an einer Gemeindeversammlung eine Diskussion zu lange, konnte er durchaus auch mal die Abkürzung wählen und das Geschäft zielstrebig der Abstimmung zuführen.

Er trat überzeugend auf und konnte bisweilen auch sehr hartnäckig in der Sache sein. Indes blieb er immer fair und konnte auch Niederlagen ein- und wegstecken.

Mit seiner vereinnahmenden Art, seinem Humor und den zum richtigen Zeitpunkt eingeworfenen auflockernden Sprüchen vermochte er seine Mitmenschen für sich zu gewinnen und zugleich die in der Sachdiskussion entstandenen Differenzen zu glätten.

Die wichtigste Stütze durch all die Jahre und Jahrzehnte hindurch war seine Frau Edith, mit der er 63 Jahre glücklich verheiratet war. Aus dieser Verbindung entsprossen die Kinder Ursula, Christian und Thomas. Hart geprüft wurde die Familie, als Sohn Thomas mit jungen 19 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

In seiner letzten Amtsperiode 1986-1989 erlebte er dann noch die Premiere, dass mit der Parteikollegin Verena Zehnder die erste Frau im Gemeinderat von Würenlos Einsitz nahm (und später auch Gemeindeammann wurde).

Als Gottfried Wiedemeier nach 24 intensiven Jahren im Gemeinderat seine politischen Ämter Ende 1989 niederlegte, kam dies einer Zäsur gleich, denn von da an zog er sich aus dem öffentlich-politischen Leben zurück. Stattdessen zog er es vor, sein Leben im Kreise seiner Familie und Freunde zu geniessen.

Als Mitglied der Vereinigung «Freunde des Klosters Fahr» pflegte er bis zuletzt auch Kontakt zum Kloster in der Exklave und insbesondere zum ehemaligen Propst Hilarius Estermann. Schön, dass ihm nach einem arbeitsreichen Leben zur Pflege dieser Freundschaften und der Geselligkeit noch fast drei Jahrzehnte vergönnt waren.

– Daniel Huggler, Gemeindeschreiber von Würenlos