Ein Thermalbad, das umzieht? Ja, das gibts. Und zwar das Bagno Popolare. Ende Dezember 2017 stellte der Verein Bagni Popolari den Thermalbrunnen erstmals auf. Seither wurde er munter um die Bäderbaustelle am Limmatknie herumgezügelt.

So steht er den Bauarbeitern nie im Weg, und die lange Badener Bädertradition kann trotzdem weiterleben. In den vergangenen Wochen zügelte das Bad erneut: Es steht nun zehn Meter weiter flussaufwärts in Richtung Mercier-Steg.

Einen Monat lang mussten Thermalfreunde auf das Angebot verzichten. Während dieser Zeit bauten Freiwillige das Bad am alten Standort ab und am neuen wieder auf. Betrieben wird es von 7 bis 22 Uhr. Dann wird der Brunnen abgestellt, und das Thermalwasser fliesst in die Limmat ab.

Als das Bad noch auf dem Kurplatz stand und das Wasser auch nachts im Becken blieb, kam es nämlich wegen lauter nächtlicher Badegäste schon zu Reklamationen. «Im Allgemeinen gehen die Bädeler aber sehr sorgfältig mit der Anlage um», betont Andriu Deflorin vom Verein Bagni Popolari. Gereinigt wird der Brunnen dreimal die Woche.

Gespräche im warmen Wasser

Am Tag nach der Wiedereröffnung des Brunnens am neuen Standort tummeln sich bereits wieder die ersten Gäste im warmen Wasser. «Herrlich», seufzt ein älterer Herr genüsslich, dreht sein Gesicht in die Sonne und lehnt sich entspannt zurück. «Es ist nur etwas zu warm», meint ein anderer Badegast.

Das Wetter, nicht das Wasser. Letzteres sei perfekt. Ausserdem sei es schade, dass man vom neuen Standort schlechter und weniger direkt zur Limmat runter gelange. Das sei zwischen den Badegängen im rund 37 Grad warmen Thermalwasser immer eine erwünschte Abkühlung gewesen.

«Wir kommen mehrere Male pro Woche hierher», erzählt eine ältere Dame. «Ich schätze es, dass unser Thermalwasser nicht verloren geht, sondern genutzt werden kann.» Die anderen Badegäste nicken zustimmend. «Ausserdem ist es einfach entspannend», fügt einer der Herren an. Es sei zudem egal, ob jung, alt, dick, dünn, gross, klein, Ausländer oder Schweizer:

Im Thermalbrunnen komme man zusammen. «Kennt ihr die Russin?», fragt ein Gast die anderen. «Ach ja, sie ist immer dankbar, wenn wir mit ihr Deutsch sprechen», antwortet die Frau. «Dann würde sie die Sprache besser lernen.» Die Anwesenden lachen. Die Gespräche zeigen: Das Bagno Popolare hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.

Bewilligung für halbes Jahr

Seit dem 29. Januar ist auch klar, dass Baden definitiv einen heissen Brunnen bekommt. An diesem Tag hat der Einwohnerrat der Vorlage des Stadtrates mit überwiegender Mehrheit zugestimmt. Das Projekt soll gleichzeitig mit der Fertigstellung des Botta-Bades im Jahr 2021 realisiert werden.

Bis dahin möchte der Verein das Bagno Popolare gerne weiterbetreiben. «Wir müssen einfach weiterhin flexibel bleiben», sagt Andriu Deflorin. «Das Bedürfnis ist schliesslich gross.» Für den neuen Standort hat der Verein eine Bewilligung für die nächsten sechs Monate. Dann schaue man weiter.