Die Theater-Marie-Produktion «Animeo & Humania», die am 6. September 2018 im Royal Baden anlässlich des internationalen Filmfestivals Fantoche Premiere feiert, fängt dort an, wo ein Shakespeare Drama endet. Schauspielerin Lina Hoppe spielt «Humania» – die Menschliche. Sie ist dabei, die letzte Szene zu synchronisieren, in der die zwei Animationsfiguren Romeo und Julia Suizid begehen. Doch dann beginnt das magische Geschehen auf der Bühne. Denn die gezeichneten Gestalten entwickeln ein Eigenleben. Sie verschmelzen zu einem Lichtpunkt, dem «Animeo». Er fängt an, mit der Schauspielerin zu flirten. Mensch und animierte Figur kommen sich immer näher und beim Zitieren von Shakespeare-Sonetten über die Liebe wächst die Leidenschaft. Doch so sehr sie auch ineinander verschmelzen möchten: Humania und Animeo stammen aus grundlegend verschiedenen Welten; eine ist real, die andere von François Chalet animiert.

In «Animeo & Humania» versucht das experimentierfreudige Theater Marie seinen, künstlich erzeugten, Kreaturen so viel Lebendigkeit und Live-Charakter wie möglich einzuhauchen. Eine Kamera filmt sämtliche Bewegungen der Schauspielerin und verkoppelt sie digital mit den Figuren auf der bühnenfüllenden Grossleinwand. So scheint es, als würde «Animeo» spontan auf sie reagieren.

«Animeo & Humania» erzählt die Liebesgeschichte eines Menschen und einer Animation.

«Animeo & Humania» erzählt die Liebesgeschichte eines Menschen und einer Animation.

Das magische Spiel mit Imagination und Realität vom Theater Marie ist Teil von Fantoche, dem 16. Internationalen Festival für Animationsfilm, das sich vom 4. bis zum 9. September mit 185 Veranstaltungen an 14 Locations präsentiert. «Animeo & Humania» wird am 6. September (14, 18.30 Uhr) sowie am 8. September (20 Uhr) im Kulturhaus Royal aufgeführt.

Beethoven als bewegtes Bild

Das Tourneetheater Marie wurde 1983 als Theater M.A.R.I.A. gegründet. Fixe Spielorte gibt es keine. Das Probelokal der Truppe befindet sich in einem ehemaligen Kino der Fünfzigerjahre in Suhr. Dramaturg Patric Bachmann gehört zum dreiköpfigen festangestellten Leitungsteam, das die Programme kreiert und je nach Bedarf freischaffende Künstler und Techniker engagiert. Zurzeit schwimmt das Theater Marie auf einer Erfolgswelle: Pro Argovia Artist 2017/18, Teilnahme am Schweizer Theatertreffen, Einladung zum DramaFest 2018 in Mexiko-City mit der Produktion «Frau im Wald» von der Badener Autorin Julia Haenni . Nach den Auftritten in Südamerika finden in der Limmatstadt gleich zwei Gastspiele statt. Denn am 13. und 14. September (jeweils 20 Uhr) kommt unter der Gilde des Badener Kurtheaters die musiktheatralische Inszenierung «Eroica» zur Aufführung. Ein neunköpfiges Ensemble von argovia philharmonics spielt die gleichnamige dritte Symphonie von Ludwig van Beethoven in einer Bearbeitung des Cellisten Bo Wiget. Dazu kreieren zwanzig Menschen bewegte Bilder, sogenannte «tableaux vivants». Wie lassen sich die dramaturgischen Bögen eines Musikstücks so bildhaft wie möglich umsetzen?

«Eroica» bedeutet «die Heldenhafte». «Wir fragten uns im Voraus, was heutzutage heldenhaft ist», erzählt Bachmann und fügt hinzu, «für uns sind es all diejenigen, die sich im Alter trotz Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lassen.» Die Darsteller von «Eroica» sind zwischen 60 und 76. Kostümbildnerin Tatjana Kautsch schneiderte jedem der Protagonisten das Outfit seines ganz persönlichen Helden auf den Leib. Speziell an «Eroica» ist auch, dass die Musiker bei jedem neuen «tableau vivant» ihren Standort in der Alten Schmiede wechseln. Und damit für das Publikum ganz neue Hörerfahrungen ermöglichen.