Im kleinen Saal der Kantonsschule Wettingen geht es laut zu und her. Es läuft Musik und mehrere Jugendliche bekämpfen sich mit Plastik-Laserschwertern. Am anderen Ende des Saals schminkt sich eine Gruppe gegenseitig. Alle sind in Weiss gekleidet.

Es ist die Hauptprobe vor der grossen Premiere: Heute Abend führen die Schüler der Kantonsschule und der Fachmittelschule (FMS) «Das Käthchen von Heilbronn» von Heinrich von Kleist auf. Seit mehreren Wochen proben die Schüler regelmässig, damit das komplexe Stück ein Erfolg wird.

Die Geschichte dreht sich um den Ritter Graf Wetter vom Strahl. Er steht vor Gericht, da er von einem Waffenschmied angeklagt wird, dessen Tochter verhext zu haben: Käthchen folgt dem Ritter, seitdem sie ihn zum ersten Mal gesehen hat – wie ein Hund seinem Herrn. Zudem bereitet ihm die intrigante und hinterlistige Kunigunde von Thurneck Schwierigkeiten. Sie will vom Strahl heiraten, um in Besitz seiner Burg zu kommen.

Das Käthchen von Heilbronn: Einblick in die Theaterproben an der Kanti Wettingen

Das Käthchen von Heilbronn: Einblick in die Theaterproben an der Kanti Wettingen

Fünfakter fordert Schüler

Die Theatergruppe führt das Stück im Rahmen des Projekts «Verstrahlt» auf. Dieser Name stammt von den Schülern selbst. «Zum einen trägt die Hauptfigur den Namen vom Strahl. Zum anderen kamen wir uns während den Proben immer ein bisschen ‹verstrahlt› vor», sagt Nathaša Trifkovič, Schülerin im dritten Jahr der Kantonsschule. Die 18-Jährige spielt Kunigunde von Thurneck.

Das Schauspiel ist bei der gesamten Gruppe sehr beliebt, obwohl der Fünfakter zu Beginn eher Schwierigkeiten als Spass bereitete. «Als ich es zum ersten Mal gelesen habe, kam es mir vor, als wäre es in einer fremden Sprache geschrieben worden», sagt Deborah Erhardt, die im Stück einen Ritter spielt. Ähnlich tönt es bei ihrer Kollegin Cathrin Dux, die im letzten Akt das Käthchen spielt: «Nach dem ersten Lesen kam ich mir wie ‹überfahren› vor. Doch jetzt bin ich ein Fan des Stückes. Man muss einfach die Sprache lieben.»

Fantasie, befreit von Vernunft

Um den Zuschauern die sprachlich und inhaltlich komplexe Geschichte zu vermitteln, gibt es eine Gruppe, die in der Gegenwart spielt und immer wieder über das Stück diskutiert. «So werden den Zuschauern einzelne Zusammenhänge erklärt», sagt Gerald Knöss, Projektleiter und Lehrer an der Kantonsschule Wettingen. Seit neun Jahren leitet er den beliebten Kurs und auch er ist vom diesjährigen Stück begeistert: «Kleist war ein grosser Stilist. Er war seiner Zeit weit voraus. So wurden seine Werke währen der Aufklärung oft als ‹Fantasie, die sich gänzlich von der Vernunft befreit zu haben scheint›, kritisiert.» Auch Stefan Forrer, der zweite Projektleiter, freut sich über das Bühnenwerk: «Das Stück ist sehr unterhaltsam und die Gruppe, die wir dieses Jahr beisammen haben, ist echt toll. Nach dieser intensiven Zusammenarbeit werden am Ende sicher einige traurig sein, dass es vorbei ist.»

Doch jetzt heisst es erst einmal: Vorhang auf für den ersten Akt.

Das Käthchen von Heilbronn: 23. und 24. März, 29 bis 31. März, 20 Uhr; Westschöpfe Kantonsschule Wettingen