Die Bise wirbelt an diesem Herbstmorgen Blätter durch die Luft. Aber nicht nur: Der kalte Wind bläst auch Holzstaub durch das Zentrum von Oberrohrdorf. Holzstaub, der vom Mammutbaum stammt. Seit sieben Uhr morgens sind die Mitarbeitenden einer Wetziker Firma für Spezialfällarbeiten daran, den über 40 Meter grossen Baum zu fällen.

Zwei Kletterspezialisten sägen von hoch oben zuerst die kleineren Äste ab, dann die Stammspitze. Kurze Zeit später schwebt diese an einem Kran befestigt durch die Luft hinunter auf den Gemeindehausparkplatz. Die Mitarbeitenden zerhäckseln die Äste, der Stamm wird in einen Lastwagen geladen.

Was über 137 Jahre lang majestätisch über den Dächern von Oberrohrdorf geragt, in der Weihnachtszeit dank der Beleuchtung bis weit übers Reusstal geleuchtet hat, ist innerhalb von wenigen Stunden verschwunden.

«Ich bin extra von Mellingen gekommen, um der Fällung beizuwohnen», sagt Heinz Huber. Die Beleuchtung in der Weihnachtszeit sei jeweils wunderschön gewesen. «Der Mammutbaum war ein Traum», so Huber. Es sei sehr schade, dass man das Wahrzeichen Oberrohrdorfs nun habe fällen müssen.

Obwohl er nicht im Dorf wohne, fühle er sich mit dem Baum verbunden. «Es wäre schön, wenn man nun an Weihnachten einen anderen Baum beleuchten könnte», sagt Heinz Huber.

Inzwischen ist es kurz vor zehn. Die Hälfte des Baumes ist bereits gefällt. Rund um den Gemeindehausplatz haben sich zahlreiche Zuschauer eingefunden, Kindergartenkinder sammeln Zapfen ein, viele zücken ihr Handy, fangen die letzten Stunden des Mammutbaums ein.

Die Kletterspezialisten und die weiteren Mitarbeitenden des Fäll-Unternehmens gönnen sich eine kurze Pause und trinken Kaffee. Bis voraussichtlich 15 Uhr werden die Arbeiten rund um den Mammutbaum dauern, erklärt Kletterspezialist Reto Iseli. Der Baum sei an und für sich schnell gefällt, sagt er. Viel Zeit brauche vor allem das Verladen der Stämme in die Lastwagen.

«Aus den Ästen werden Hackschnitzel», so Iseli. Die einzelnen Stücke des Stammes würden wiederverwertet. Aus dem Bodenstück will Künstler Stephan Schmidlin später ein Kunstwerk hauen.

Gefällt werden musste der Mammutbaum, weil die Wachstumszone weitgehend abgestorben ist. Das traurige Resultat zeigte ein Gutachten Mitte August. Ursache des Absterbens ist ein Hallimaschpilz, der ins Bauminnere eingedrungen ist. Dem Baum zugesetzt haben in den Jahren auch Platz-  und Wassermangel sowie Trockenperioden und Blitzeinschläge.

«Der Mammutbaum wird uns fehlen», sagt Gemeindeschreiber Thomas Busslinger, während der Mammutbaum Stück für Stück abgetragen wird.