Der Zugang zur Kunst muss nicht abstrakt oder gar abgehoben sein. Sicher: In einem Museum sieht man für gewöhnlich nur leise tuschelnde Erwachsene, die intellektuell eine Hand am Kinn haltend ein Werk betrachten. Das Museum Langmatt hält diesem Klischee entgegen. Langmatt-Direktor Markus Stegmann und sein Team haben aber nicht nur Kinder zu einem gratis Nachmittag ins Museum eingeladen, sondern für diese gleich einen kindsgerechten Kunstführer geschrieben.

Kein kunsthistorischer Exkurs

«Bücher über Bilder gibt es genug», erzählt Stegmann den Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren. Der Langmatt-Direktor lässt dabei seinen Blick auf die umfangreiche Bibliothek schweifen und ergänzt dann: «Wir haben zu jedem Bild eine erfundene Geschichte geschrieben und keine kunsthistorischen Erklärungen gemacht.» Und so lauschen die Kinder, die auf Kissen am Boden sitzen, dem Museumsdirektor als wäre der ein Märchenonkel. Eine Geschichte zu einem impressionistischen Bild handelt von einem Wald voll Affen. Betrachtet man das Bild «Das Boot» von Renoir genauer, sieht man diese tatsächlich. Und zwar in der üppigen Natur über dem Boot, in dem eine Frau sitzt.

Stegmann hat vor bald zwei Jahren die Museumsleitung übernommen und führt das Langmatt auf den ersten Blick unkonventionell, dafür sehr erfolgreich: «Wir haben die Besucherzahlen 2016 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.» Das Buch «Ein Wald voll Affen» ist mit der Museumspädagogin Rebekka Sieber entstanden. «Primarschüler aus Berikon haben zwölf Bilder für das Buch ausgewählt», so Stegmann. Überrascht hat den Vater von Teenagern aber: «Es sind nur Landschaftsbilder und keine Porträts darunter.» Auf den Bildern sind zwar auch Menschen oder Tiere zu erkennen, doch spielen diese in der Bildkomposition eine untergeordnete Rolle. Kinder haben wohl noch einen Blick fürs Ganze und erkennen dennoch die kleinen Feinheiten einer Landschaft.