Oberrohrdorf

Ein Hauch von Marilyn Monroe in der Zähnteschüür

«Sugar and the Josephines» zogen in der Zähnteschüür das Publikum in Bann.

«Sugar and the Josephines» zogen in der Zähnteschüür das Publikum in Bann.

«Sugar and the Josephines» liessen die Herzen des Publikums in Oberrohrdorf höherschlagen – mit Vielseitigkeit und Können.

«The Dutch in old Amsterdam do it ... let’s do it, let’s fall in love». Was die Amsterdamer tun, das können Gäste in Oberrohrdorf ebenso: sich verlieben. Am Samstagabend jedenfalls flogen die Herzen des Publikums in der Zähnteschüür einer Musikerin und vier Musikern unüberhörbar zu: Sugar and the Josephines ernteten tosenden Applaus. Sie machen Musik – ganz nach Wunsch zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft, zu sechst. 2005 von den Aargauern Marion Weik und Steven Perry als Jazz- und Chanson-Combo gegründet, sind sie im «Wilden Westen», sprich in der Kantonshauptstadt, längst bekannt wie bunte Hunde. Was nicht verwundert, bei ihrer Vielseitigkeit und ihrem Können.

Ihre Verehrung von Marilyn Monroe und dem Film «Some Like It Hot» führte zum Bandnamen: «Marilyn als Sugar und Toni Curtis als Josephine waren sozusagen die Paten», verriet Marion Weik. Folgerichtig servierten Sugar und die Instrumentalisten – in Oberrohrdorf gastierten sie als Quintett – zum Auftakt Monroes unverwüstliches «I Wanna Be Loved By You» als köstliches «Amuse-Bouche» für ein musikalisches Dreisternmenu mit gut einem Dutzend Gängen. Mit Cole Porters «Let’s Do It, Let’s Fall In Love» wurde eine weitere «Roaring Twenties»-Gourmandise aufgetischt.

Danach ging es mit Ohrwürmern und weniger bekannten Köstlichkeiten aus den Sparten Jazz, Soul und Chansons Schlag auf Schlag weiter. Apropos: Das Schlagwerk war kleingehalten und von Benno Ernst wohldosiert eingesetzt. Der Aargauer Profimusiker – auch bekannt als Niño – brillierte vor allem als Gitarrist und Sänger. Mit «Never Know How Much I Love You» brachte er nicht nur Elvis-Fans zum Schwelgen.

Hervorragende Instrumentalisten

Gesanglich tat dies allen voran indes Sugar-Marion. Wobei man sich vom Namen nicht täuschen lassen sollte. Wohl schlägt Weik – wo’s passt – auch zuckersüss-schmelzende Töne an, handkehrum aber bringt ihre eindrückliche Jazzstimme die Zuhörer zum Staunen. Von der berühmten Jazzsängerin Billie Holiday (1915–1959) stammt der Satz «wenn ich singe, fühle ich mich, als würde ich Horn spielen».

Auch in Weiks Stimme klingt faszinierend der Sound von Blasinstrumenten mit. Dies natürlich nicht, wenn sie Chansons von Marlene Dietrich, Hildegard Knef oder Edith Piaf singt. Dabei kopiert Weik nicht die Originale, sondern präsentiert sie – ob «Johnny, wenn du Geburtstag hast», «Von nun an gings bergab» oder «Milord» – in ihrem eigenen Sound. Obwohl «nur» nebenberuflich, steht sie als Sugar mit Leidenschaft und grosser Professionalität auf der Bühne: Chapeau! Sugar steht im Mittelpunkt – auch weil Marion Weik ebenfalls das Programm moderiert und (etwas allzu intensiv) mit tänzerischen Einlagen ergänzt.

Die Instrumentalisten sind deshalb jedoch mitnichten begleitende Randfiguren. Im Gegenteil, «the Josephines» sind, jeder für sich und alle zusammen, salopp ausgedrückt, eine Wucht. Zum bereits erwähnten Gitarristen Benno Ernst gesellten sich mit dem Pianisten Steven Parry – von dem auch zwei reizvolle Eigenkompositionen zu geniessen waren –, dem Bassisten Thomas Blättler und dem Klarinettisten Lukas Roos drei hervorragende Profimusiker. Ihre Solis waren meisterliche musikalische Delikatessen, welchen das Publikum jeweils mit enthusiastischem Beifall huldigte.

Da das Publikum nach dem köstlichen Dessert mit Cole Porters «Everytime We Say Goodbye» noch nicht satt war, offerierten Sugar and the Josephines noch zwei mitreissende Supplements. Danach pfiffen die Konzertbesucherinnen und -besucher draussen beglückt und fröhlich auf den dichten Nebel.

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