Nachruf
Peter Heiniger: Ein halbes Leben mit ganzer Kraft für Turgi

Zum Gedenken an Peter Heiniger (1952–2021), Ehrenbürger und alt Gemeindeammann.

Roman Huber
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Peter Heiniger war mit Unterbrüchen seit 1986 im Gemeinderat in Turgi, viele Jahre Gemeindeammann. Ende 2016 gab er da Amt ab. (Bild: 14.12.2016)

Peter Heiniger war mit Unterbrüchen seit 1986 im Gemeinderat in Turgi, viele Jahre Gemeindeammann. Ende 2016 gab er da Amt ab. (Bild: 14.12.2016)



Mario Heller

Mit einer denkwürdigen Ver- abschiedung und der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an der Wintergemeindeversammlung 2016 endete Gemeindeammann Peter Heinigers politische Arbeit für Turgi. Als Präsident des Organisationskomitees wollte er vergangenes Jahr das 6. Internationale Kindertheaterfest Turgi erneut zum Erfolg führen. Wegen der Coronapandemie wird es ins 2022 verschoben – leider ohne den engagierten Förderer und Liebhaber des Kindertheaters.

Am 17. April hat sein Herz aufgehört zu schlagen. Das grosse Herz – auch als langjähriger Taucher –, das über 34 Jahre kräftig für die Gemeinde Turgi schlug, konnte nicht wieder aktiviert werden.

BBC, ABB, Resistronic und Mechtronik

Peter Heiniger kam in Schlieren zur Welt. Die Familie zog bald nach Lausanne, dann nach Biel, wo er aufwuchs. Mitten in der Rezession schloss er dort 1975 die Ingenieurschule ab. Sein Beruf führte ihn zur BBC nach Baden und in die Wohngemeinde Turgi. Nach der Fusion zur ABB wechselte der «Turbinier» zur Lehner AG. Mit 54 Jahren wagte er den Wechsel zur Resistronic AG ins Gebiet des Widerstandsschweissens, mit 60 zur Mechtronik.

In der Freizeit stand von Biel her die Verbundenheit mit dem Wasser zuvorderst. Schwimmen, Wasserball, Tauchen im Tauchclub Nussbaumen und Tauchgänge im Mittelmeer gerieten mit dem Einstieg in die Politik aber in den Hintergrund. Heiniger kam 1982 über die Energiekommission in die Po-litik. 1986 folgte die Wahl in den Turgemer Gemeinderat. Von 1992 bis 2001 wirkte er ein erstes Mal als Gemeindeammann. Im Jahr 2011 liess er sich ein zweites Mal für dieses Amt gewinnen.

In seine Ära fielen wichtige Entscheide, für die er sich auch an den Gemeindeversammlungen mit voller Kraft eingesetzt hatte. Für den Fortschritt legte er mehrfach sein Bekenntnis ab, so auch im Jahr 2002 als Schöpfer der ersten Gemeindewebsite.

Stiller und trockener Humor

Die Auszeichnung der Gemeinde Turgi mit dem Wakker-Preis zum Abschluss seiner ersten Zeit als Gemeindeammann war ein Höhepunkt für Heiniger. Nicht zuletzt trugen dazu in seiner Ratszeit gefällte Bau- und Planungsentscheide bei, so unter anderem für den neuen Bahnhof.

Mit seinem Demokratieverständnis nahm er auch Kritik an und die eine oder andere Niederlage hin. Dabei half ihm sein stiller, trockener Humor, den er gerne mit einem Schmunzeln zum Besten gab.

Auch wenn er sich mit umständlichen Entscheidungs- wegen und langen Planungsprozessen (neuer Fussballplatz, Bahnhofareal) oder aufkommenden Missständen wie Littering, Vandalismus oder Rücksichtslosigkeit schwertat, so standen für ihn die positiven Seiten stets im Vordergrund.

Nach der Pensionierung wurde er zum Imker

Der Familie bescherte sein Engagement einige Absenzen. Er schätzte darum die Tatkraft seiner Ehefrau Bernadette, die er 1982 geheiratet hatte. Sie hatte den Hauptteil der Erziehung der Zwillinge Erich und Manuel sowie der Tochter Eliane übernommen. Umso mehr genoss die Familie die gemeinsamen Ferien, erst mit Zeltklappanhänger später mit Wohnwagen in der Schweiz und in ganz Europa.

Mit seiner Pensionierung fand Technikmensch Heiniger Zugang zu etwas völlig Neuem: Er baute mit seiner Tochter eine Imkerei auf, startete mit vier Bienenvölkern. Eines erhielt er noch vom Gemeinderatskollegium, und es trug selbstverständlich den Namen Turgi. So konnten die Heinigers bald ihren eigenen Honig aufs Brot streichen.

Dann machte die Gesundheit einen Strich durch weitere Pläne. Nachdem ein Darmkrebs im Jahr 2008 operativ behoben worden war, tauchten neue Probleme auf. Sie beeinträchtigten schliesslich seinen Lebensalltag immer schwerer, sodass eine schwere Operation notwendig wurde. Wenige Tage danach hörte sein Herz infolge einer Lungenembolie auf zu schlagen.

Für all jene, die Peter Heiniger kannten und um ihn trauern, schrieb der Verstorbene noch diese tröstenden Zeilen: «Ich schaue zurück auf ein wirklich interessantes und schönes Leben, insbesondere gemeinsam mit Bernadette.» Und in seiner ureigenen Art wünschte er im Nachsatz den Nachkommen «nach kurzer Trauerzeit ein gefreutes Leben – nun halt ohne mich».

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