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Ein gutes Jahr für die Obstbauern

Meinrad Suter aus Münzlishausen: «Es gibt einen wunderbaren Äpfel-Herbst.» (Archiv)

Meinrad Suter aus Münzlishausen: «Es gibt einen wunderbaren Äpfel-Herbst.» (Archiv)

Die Obstbauern haben gleich doppelt Grund zur Freude: Der warme Sommer beschert ihnen eine grosse Ernte. Und die Nachfrage für Produkte direkt ab Hof wächst laut Landwirten Jahr für Jahr.

Ob Zwetschgen, Nektarinen oder Äpfel: Der heisse und schöne Sommer beschert der Landwirte-Familie Seeholzer aus Künten eine reiche Ernte. «Wir kommen fast nicht nach, die Äste hängen voll mit Äpfeln», sagt Andreas Seeholzer. Doch nicht nur wegen des vielen Obstes zeigt er sich zufrieden. Vor drei Jahren übernahm die Familie den Saumhof in Künten. «Wir setzen voll auf Direktvermarktung, verkaufen sämtliches Obst direkt hier ab Hof», sagt er. «Wir gingen mit der Strategie der Direktvermarktung ein Risiko ein, aber in Jahren wie diesen werden wir für unseren Mut belohnt.»

Und das Obst der Seeholzers ist begehrt: «Das Interesse der Leute, direkt hier zum Hof zu fahren und Obst zu kaufen, wächst Jahr für Jahr. Den Menschen geht es um das Vertrauen. Sie sehen, wer wir sind, wie wir arbeiten, und kaufen gerne bei uns ein.» Voraussetzung, um mit Erfolg ab Hof verkaufen zu können, statt das Obst einem Zwischenhändler zu liefern, sei eine gute Infrastruktur, sagt Seeholzer: «Wir verfügen über sechs Kühlzellen, dank derer die Äpfel noch bis im nächsten Sommer frisch und knackig bleiben.»

«Der Markt wächst»

Auch Meinrad Suter aus Münzlishausen oberhalb von Baden ist im Erntestress. «Dieses Jahr gibt es einen wunderbaren Äpfel-Herbst», sagt er. Der Hagelsturm im Mai machte zwar das Getreide und den Raps zunichte. Doch die Zufriedenheit überwiegt – dank des warmen Sommers, und vor allem dank der treuen Kundschaft. Auch Suter setzt voll auf Direktvermarktung. «Der Markt wächst, ganz eindeutig», sagt er. «Die Zahl der Kundschaft wächst jährlich.» Heute werde schon Schulkindern beigebracht, sich mit der Frage zu befassen, woher das Essen stamme, das auf dem Teller landet. «Regionalität wird beim Essen immer wichtiger. Davon profitieren wir», sagt Suter.

Eine weitere Voraussetzung für den Erfolg mit Direktvermarktung: der Standort. Reto Lienberger und Familie aus Spreitenbach setzen mit ihrem Betrieb voll auf dieses Konzept. «Das funktioniert, weil sich unser Betrieb in einer grossen Gemeinde befindet.» Vor allem für die Kürbisse ist der Spreitenbacher «Obstgarten» bekannt – zwischen 100 und 150 Tonnen gehen ab Hof pro Jahr weg. «Den Kürbissen hat das Wetter dieses Jahr sehr gut gefallen, ihre Qualität ist sehr gut.»

Tobias Lüscher vom Lüscherhof in Wettingen sagt: «2018 ist ein sehr gutes Jahr. Wir hatten Glück, dass unsere Erdbeeren im Mai vom Hagelsturm verschont blieben, rund 300 Meter vor unserem Feld hörte das Unwetter auf. Auch mit der Kirschen- und Zwetschgen-Ernte dürfen wir sehr zufrieden sein, sowohl was Qualität als auch Menge betrifft.»

Der Sommer sei nicht nur heiss, sondern auch trocken gewesen; die positive Folge war, dass es kaum verfaultes Obst gegeben habe, sagt Lüscher. «Gleichzeitig waren die Kirschen und Zwetschgen süss und hatten guten Geschmack. Selbst in den trockenen August-Tagen hatten wir die Möglichkeit zu bewässern, weil Wettingen glücklicherweise über genügend Grundwasserreserven verfügte.»

Derzeit ernten die Lüschers die Kürbisse, die Hitze und Trockenheit ebenfalls mögen. «Für unseren Betrieb haben sich der schöne Sommer und die gute Ernte auch finanziell ausbezahlt. Wir hatten viel Kundschaft. Wenn es viel regnet, denken die Leute weniger daran, beim Bauernhof einkaufen zu gehen.»

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