Manche steigen ins Flugzeug, ins Auto oder in den Zug, um Ruhe und Erholung zu finden. Anita und Ueli Schibli aus Niederrohrdorf hingegen haben direkt vor ihrer Haustür eine Oase: In über 30 Jahren schufen sie sich im Garten ein kleines Paradies, in dem schon Führungen stattfanden und das die Aufmerksamkeit verschiedener Fachzeitschriften auf sich zog. Das Ehepaar gewährt nun auch der AZ einen Einblick.

«Sie macht die schönen Ecken und ich geniesse diese dann»

«Sie macht die schönen Ecken und ich geniesse diese dann»

Anita und Ueli Schibli über braune Daumen, Arbeitsteilung und ihren Lieblingsplatz.

«Am Morgen ist es am schönsten, im Garten zu arbeiten», sagt Ueli Schibli (63), als er um 8 Uhr in den Garten lädt. Schibli und seine Frau Anita sind bereits seit ein paar Stunden wach und haben Stauden und Blumen zurechtgestutzt. Der Weg zum Sitzplatz führt vorbei an Rosenbögen, Glyzinien, Anemonen, Papageienblumen, Kirschbäumen und zahlreichen weiteren Pflanzen. Schon nach wenigen Schritten taucht man in eine Welt ein, in der man die Umgebung und den Baulärm des stark wachsenden Dorfes nicht mehr wahrnimmt. «Der Garten trägt die Handschrift meiner Frau. Sie hat ihn so schön hergerichtet», sagt Ueli Schibli, der seit 40 Jahren als Gärtner in der Rehaklinik Bellikon tätig ist, während er zu Anita Schibli blickt. Die 57-jährige lächelt und sagt: «Mein Mann ist vor allem für die schweren Arbeiten wie Heckenschneiden zuständig. Ich kümmere mich um das Erscheinungsbild und die Details.»

«Machte mich gleich ans Werk»

1983 zog das Ehepaar nach Niederrohrdorf. Damals bestand der Garten noch aus Rasen, einigen Obstbäumen und Sträuchern. Als Anita Schibli, die ausgebildete Topfflanzengärtnerin und Floristin ist sowie Teilzeit in einem Blumenladen arbeitet, mit ihrem Mann einmal beruflich Einblick in einen Privatgarten erhielt, war sie sogleich verzaubert. «Ich kam nach Hause, schaute unseren Garten an und machte mich direkt ans Werk», sagt sie. So kam es, dass sich der grüne Fleck vor Schiblis Haustür über all die Jahre in einen verwunschenen Garten verwandelte. «Uns war immer wichtig, dass es kein englischer Garten werden sollte, sondern ein Garten zum Benutzen und Wohlfühlen», sagt Anita Schibli.

Das rund 1200 Quadratmeter grosse Paradies haben die Schiblis in verschiedene Bereiche gegliedert. Beispielsweise gibt es am Fusse des Gartens eine kleine Streuobstwiese mit verschiedenen Obstbäumen und einem Hühnerstall, Gemüse- und Obstbeete, eine Ecke mit einer Pumpstation und Sandkasten für die vier Enkel oder einen mit Glyzinien umrankten Sitzplatz mit Brunnen.

Wie viele Stunden sie für den Aufbau und den Unterhalt bereits investiert hat? Anita Schibli lacht und sagt: «Unzählige Stunden. Ein Garten ist nie fertig, es gibt immer etwas zu tun.» Die Zeit vergehe wie im Flug. So kommt es nicht selten vor, dass sie Teewasser zum Kochen aufsetzt und «kurz» in den Garten geht – wenn sie zurück ins Haus kommt, ist das Wasser längst verdampft. «Ich bin halt eine leidenschaftliche Gärtnerin», sagt sie und fügt mit einem Lachen an: «Ausser im Winter, dann sind wir faule Gärtner.» Mit Ausnahme von etwas Holzschlag wird kaum in die Natur eingegriffen.

Ein «Gartenkafi»

In den Genuss der Oase kommen aber nicht nur die Schiblis, sondern auch die Bevölkerung: Seit 2013 organisiert das Ehepaar mehrmals pro Jahr ein «Gartenkafi». Von morgens bis nachmittags können Besucher im Garten verweilen, wobei es selbst gemachten Kuchen, Kräutertees und Kaffee gibt. Beim Servieren helfen auch die vier Kinder der Schiblis und die Nachbarn mit. Das nächste «Gartenkafi» findet Mitte September statt.

Wer meint, dass sich das Leben der Eheleute nur um Pflanzen und Bäume dreht, der irrt: Sie treiben auch sehr gerne Sport, insbesondere Radfahren. «Wir lernten uns vor 40 Jahren beim Eierleset, einem traditionellen Rennen um Ostern, kennen», sagt Anita Schibli, die in den 1970er-Jahren zwei Mal an Weltmeisterschaften teilnahm. Sie startete damals bei der Elite, er bei den Amateuren. Dass die beiden auch noch am Gärtnern interessiert sind, fanden sie später heraus.

«Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man einen Ort kreieren kann, der zum Verweilen einlädt», sagt Anita Schibli. Ueli Schibli nickt und fügt an: «Das Schöne an einem Garten ist, dass er sich stetig verändert und immer irgendwo etwas blüht.» Auch im Winter mit Schnee und Raureif sehe er bezaubernd aus. Doch bis es soweit ist, geniessen die Schiblis das üppige Grün vor ihrer Haustür.