Wenn der Föhn nicht mehr funktioniert, landet er schnell im Abfalleimer. Mit ihrer Bachelorarbeit will Stella Ginesi aus Wettingen dieser Wegwerfmentalität entgegenwirken. Die Studentin der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel zeigt anhand des Modells eines reparierbaren Föhns, wie unnötiger Elektroschrott vermieden und gleichzeitig Geld gespart werden kann. In einem halbjährigen Prozess plante, designte und baute die Absolventin des Studiengangs Industrial Design ein 3D-Modell des Haartrockners.

Der Laie soll zum Reparieren motiviert werden

Das Prinzip ist simpel: «Mein Föhn besteht aus Bestandteilen, die man ohne grosse Elektronikkenntnisse einfach aus dem Gerät entfernen und auswechseln kann», erklärt die 24-Jährige. Auf einer Website, die sie im Rahmen ihres Projekts erstellte, könne der Benutzer das defekte Einzelteil nachbestellen sowie Reparaturanleitungen vorfinden, sagt Ginesi. Eine wichtige Rolle spielt auch die durchsichtige Hülle des Föhns. Die volle Einsicht schaffe eine gewisse Nähe zwischen Gerät und Benutzer. «Man sieht den Elementen ihre jeweilige Aufgabe an. Ein Körper mit Wärmeleitungen wird zum Beispiel rasch als Heizkörper identifiziert», erklärt die ehemalige Schülerin der Kantonsschule Baden. Dies motiviere den Laien, einer vorliegenden Störung selber auf den Grund zu gehen.

Auf den ersten Blick sieht das Modell täuschend echt aus: Elektronische Teile wie Schalter, Kabel, Heizspule und Motor baute Ginesi tatsächlich in das Modell ein. Das Gehäuse wurde jedoch 3D gedruckt. Wieso nicht einfach so bauen, dass man das Gerät am Schluss auch benutzen kann? «Das Ziel meiner Arbeit war das Designen eines Produkts, das in der Praxis funktionieren kann», sagt sie. «Um herauszufinden, ob mein Föhn in dieser Form tatsächlich benutzbar ist, müssten allerdings noch einige technische Details abgeklärt werden.» Diese Abklärung falle jedoch in den Bereich eines Ingenieurs und sei deshalb nicht Teil des Projekts.

Zu viel Respekt vor Elektronik

Für Stella Ginesi war schnell klar, dass sie Nachhaltigkeit zum Thema ihrer Arbeit machen will. «Heutzutage wirft man elektronische Geräte viel zu schnell weg, obwohl oftmals eine einfach behebbare Störung vorliegt», sagt sie. «Die Leute realisieren dies nicht, da sie zu grossen Respekt vor der Elektronik haben.»

Auch sie selber musste sich in die technischen Aspekte einarbeiten. Dazu holte sie sich Hilfe in einem sogenannten «Repair Café» in Zürich. Einmal im Monat bietet der Verein FabLab Zürich eine öffentliche Werkstatt an. Die Besucher nehmen defekte Geräte von zu Hause mit und lassen sich dort von ehrenamtlichen Fachleuten bei der Reparatur helfen. Auch Stella Ginesi nutzte das Angebot und holte wichtige Tipps und Tricks.

Die Idee kommt offenbar gut an: Ginesi wurde von der Rechtsanwaltsfirma Amati mit einem Design-Förderpreis ausgezeichnet. Eine tatsächliche Umsetzung ihres Modells erachtet sie aber als schwierig: «Für eine Firma ist es lukrativer, wenn man ein neues Gerät kauft, statt das alte zu reparieren. Darum sind auch viele Produkte so gebaut, dass sie gar nicht reparierbar sind.»