Urtümliche Rufe erschallten im Park gleich unterhalb der Villa Boveri. Der vielstimmige Jodel entführte den Zuhörer auf eine Alp in den Schweizer Bergen. Jäh wurde man darauf mit den ersten Bläserklängen aus diesem Traum gerissen und fand sich mitten in einem Strassenfest irgendwo im Balkan wieder.

Schnell wurde klar, dass der Auftritt des «Molotow Brass Orkestars» einen abenteuerlichen Abend versprechen würde. Das Berner Kollektiv gastierte im Rahmen der Event-Reihe «Musik im Park» als zweiter Act dieser Saison in Baden. Organisiert wurde der Anlass von der ABB Wohlfahrtsstiftung in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen und Komponisten Max Lässer.

«Obwohl wir Berner sind, können wir sehr schnell spielen», witzelte Trompeter Gregor Krtschek zu Beginn des bis auf den letzten Platz ausgebuchten Konzertes – und sollte damit Recht behalten. Doch trotz der teils temporeichen Rhythmen und spektakulären Taktwechsel legte das Sextett eine ungeheure Präzision an den Tag.

Teilweise glich der explosive Auftritt einem amüsanten Theater. So zeigten die Molotower, wie man zu fünft auf einem einzigen Stuhl Platz nehmen kann, und sie liessen es sich nicht nehmen, trompetend durch die Reihen des Publikums zu tanzen.

Auch bewiesen die Musiker, dass es sich liegend ebenso gut wie stehend spielt. Aber auch musikalisch zeigte sich das «Molotow Brass Orkestar» experimentierfreudig – so schreckt man weder von einer Neuinterpretation des Schweizer Volksliedes «Vreneli ab em Guggisbärg» zurück, noch liessen sie es sich nehmen, ein Alphorn in einen ihrer Songs einzubauen.