Die Stadt Baden könnte bald ein weiteres Baudenkmal verlieren. Nach dem Abbruch der Villa Schnebli der gleichnamigen Biscuitfabrikanten-Dynastie droht nun dem ehemaligen Gärtnerhaus im Kurpark dasselbe Schicksal. Das Holzhaus steht versteckt hinter Bäumen im hinteren Teil des Parks, zwischen dem Kurtheater und dem früheren Studiogebäude des Theaters.

Das Kurtheater wird seit Anfang Mai saniert, 2020 soll das erweiterte Haus eröffnet werden. Das Studiogebäude mit Ballettsaal wird nicht mehr benötigt und deshalb abgebrochen. Im Gärtnerhaus gleich nebenan lebten jahrzehntelang Asylsuchende. Anfang März mussten die Bewohner in eine andere Unterkunft in Baden umziehen, weil die Zahl der Asylbewerber in Baden zurückging und das in die Jahre gekommene Holzhaus neben der Baustelle nicht mehr zum Wohnen geeignet war. Seither dient es als Baustellenbüro für das Kurtheater. Nach dem Umbau soll es ebenfalls abgebrochen werden, wenn es nach der Stadt geht.

1930 in den Kurpark gezügelt

Doch dagegen wehren sich nun die Bewohner des Römerquartiers. In der Quartierzeitung «Rövue» schreibt Redaktor Georg Gindely: «Der Vorstand des Quartiervereins steht dem geplanten Abbruch kritisch gegenüber. Durch ihn würde das Quartier nach der Villa Schnebli ein weiteres historisches Gebäude verlieren.» Das Haus gliedere sich sehr gut in den Kurpark ein. «Das Gärtnerhaus ist ein Teil der Badener Geschichte», sagt Gindely.

Denn: Es ist ein Zeitzeuge des grossbürgerlichen Bauens in Baden. Einst stand es im herrschaftlichen Landschaftsgarten der Villa Burghalde. Die Villa, die heute die Badener Musikschule beherbergt, liess sich Conrad Baumann-Stockar, Schwager des BBC-Gründers Walter Boveri, 1905 vom Badener Architekturprofessor Karl Moser bauen. Den riesigen Landschaftsgarten plante der belgische Gartenarchitekt Evariste Mertens, die Ökonomiegebäude im Heimatstil mit Stallungen, Autogarage und Gärtnerei – und eben auch das Gärtnerhaus – entwarf Arthur Betschon.

Ein Quartiertreffpunkt oder ein kleines Café?

Als die Stadt um 1930 auf dem Burghalden-Areal die neue Bezirksschule baute, wurde das Gärtnerhaus auseinandergebaut und im damaligen Rosengarten des Kurparks wieder aufgestellt. Arthur Betschon ist neben Moser einer der wichtigsten Badener Architekten aus der Zeit um 1900. Er plante den Hauptsitz der Motor Columbus und sein eigenes Wohnhaus an der damals neu angelegten Parkstrasse, in nächster Nähe zum heutigen Standort des Gärtnerhauses. Betschon baute auch zahlreiche Wohnhäuser an der Burghalde, das Priesterhaus der Kapelle Mariawil und das Marienheim am Moserweg.

Georg Gindely und Anders Nordin, Präsident des Römer-Quartiervereins, wollen jetzt mit dem Vereinsvorstand prüfen, wie man das Gärtnerhaus erhalten und umnutzen könnte. «Wir könnten uns einen Quartiertreffpunkt oder auch ein kleines Café für Familien vorstellen», sagt Gindely. «Der Quartierverein möchte es mit einfachen Mitteln instand setzen und öffentlich zugänglich machen. Vermutlich käme es sogar günstiger, das Haus zu erhalten, als es abzubrechen.»

Zwischen Bädern und Innenstadt

Der eigentliche Grund für die Abbruchpläne liegt rund 15 Jahre zurück: Der «Idealplan Kurpark» von 2003 sieht den Abriss als Ausgleichsfläche für den damals geplanten Annexbau des Grand Casinos vor. Der Annex ist aber längst vom Tisch. «Der Abbruch macht deshalb eigentlich keinen Sinn», so Gindely. Ausserdem wurde bereits ein Haus im Kurpark abgebrochen und mit dem Abriss des Studiogebäudes werde die Parkfläche erneut wachsen.

Der erste Austausch mit dem Stadtrat sei sehr gut und offen verlaufen, sagt Nordin. Und: «Man könnte es als Chance sehen, die Stadt mit dem neuen Bäderquartier zu verzahnen.» Denn das Gärtnerhaus steht an der Schnittstelle zwischen den Bädern und der Innenstadt. «Wir könnten uns auch vorstellen, dass es eine kleine historische Ausstellung oder eine Zusammenarbeit mit dem Kurtheater gibt», sagt Nordin. Im nächsten Jahr will der Quartierverein mit konkreten Vorschlägen auf den Stadtrat zugehen.