Baden

Ei du schöni, ei du schöni, ei du schöni Badener Schnitzelbank-Szene

Etwas zeichnet Badens Schnitzelbank-Szene aus: Hinter den Darbietungen, die von Sketches über Cabaret, Blödel-Schwank bis zum traditionellen Vierzeiler reichen, steckt auch dieses Jahr viel Kreativität. Doch handwerklich wären manche Verse verbesserungswürdig.

Dank den Schnitzelbänken gibt es in Baden nicht nur die laute Fasnacht, sondern auch die leise, geist- und witzreiche. Diese hat seit je Tradition. Allerdings ist es gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit, in der Druck und Forderungen am Arbeitsplatz gestiegen sind, nicht selbstverständlich, dass sich Gruppen in aufwendige Vorbereitungen hineinknien, die bei der Sujetwahl beginnen, über die Themensuche gehen, oft die Kostümfertigung beinhalten. Und dann sollte alles, vom Vers bis zum gemalten Helgen, zur Auftrittsreife gebracht werden.

Darum so viel vorweg: Chapeau vor den vielen Narren der Sprüche, Verse und närrischen Gesänge, die nun die ganze Fasnacht lang unterwegs sind und unterhalten. Ihr Lohn sind die paar Batzen, die jeweils in den Topf fallen und vielleicht einen Teil der Unkosten decken. Und dann in erster Linie der Applaus, den sie sich holen und die Stimmung, die sie in den Schnitzelbank-Beizen antreffen oder hinterlassen. Diese ist jeweils von Lokal zu Lokal sehr unterschiedlich.

Chliebdi

Thema mit Pointe – «A» und «O»
Während es in der «Linde» und in der «Rose», aber auch im «Du Parc» und auf dem Parcours im Trudelkeller hoch zu und hergeht, braucht es im Casino doch etwas mehr, um die dinierende Gesellschaft von den Sitzen zu reissen. Da trennt sich doch manchmal die Spreu vom Weizen. Am schwierigsten ist jeweils der erste Auftritt. Da schwingt nicht selten Nervosität mit. Wer sein Programm vorgängig nicht vor knallhartem Kritiker absolviert hat, wird auf den Teppich herunter geholt – wenn es im Lokal bis auf ein paar «Anstands-Lacher» still bleibt.

Wenn die Verse bei einem Auftritt das zentrale Element bilden, dann dürfen deren Gesetze nicht missachtet werden: Das Thema muss lustig abhandelbar sein. Da gilt es, von Beginn an bei der Auswahl nach möglichen Pointen zu suchen. Lieber ein gutes Thema zur Seite legen, wenn sich daraus nur eine mittelmässige Pointe ergibt. Denn diese muss wie ein Paukenschlag kommen. Und nichts – auch wenn man es erahnen könnte – darf während des Verses auf diese hindeuten. Denn eine Pointe muss messerscharf und zwingend mit dem letzten oder zweitletzten Wort fallen. Dann ist noch der Rhythmus, denn Pointe und Reim allein, der oft gewaltsam über das Knie gebrochen wirkt, reichen nicht aus. Es braucht zudem eine klare, logische Sprache, denn ein auf den Kopf gestellter Satz kann nur zu einem holprigen Vers führen.

Noch schwieriger wird die Aufgabe, wenn noch Gesang hinzukommt. Mit falschen Tönen kann man an der Fasnacht durchaus richtig liegen. Doch wenn der Gesang ungewollt schief ist, so muss man diesen besser üben oder dann eben weglassen. Hingegen lässt sich mit mehrstimmigem gekonntem Gesang sogar ein mässiger Text wettmachen.

Wer sich das nicht beherzigt, hat es insbesondere im Casino nicht leicht, denn ein gelangweiltes Publikum muss nicht unbedingt ein schlechtes sein. Dies bekommt in der Casino-Beiz die eine oder andere Formation recht deutlich zu spüren. Routinierte Formationen wissen aufgrund ihrer Erfahrung, woraus es ankommt: Der erste Eindruck zählt und kann Türöffner sein. Bei den Blosern als älteste Badener Clique bringt die Gugge bereits Stimmung ins Lokal. Sie hat am Donnerstagabend leider Verspätung.

Salz und Pfäffer

Die Schwäfelsüüder wissen seit Jahren, wie sie die Herzen des Publikums – das jeweils überall das beste des Abends ist – erobern. Keine Fasnacht ohne Salz & Pfäffer, die erneut sogar mit Versen und diesmal einem Sketsch unterwegs sind. Posaunist Fritz resümiert am Schluss treffend: «Mer spieled no eis, das chömmer besser.» Viel Cabaret-Routine bringen die Mitglieder von Ch.Liebdi auf, die mit ihrem fulminanten, herzliebenden Auftritt, dem besten des Abends, tosenden Applaus holen. Die Chaoten machen ihrem Namen nur in der thematischen Zusammenstellung alle Ehre und zeigen zu dritt eine seriöse Bank. Ultimo Giro lassen sich in die Hippie-Zeit zurückreissen, marschieren mit grossen Joints auf und träumen den Döschwo-Zeiten nach.

Prosaisch geben sich die Schlümpf, die an der Badener Fasnacht nicht wegzudenken sind. Des Erlkönigs alias Sepp Blatters Schicksal fasziniert wie ein literarisch-närrischer Spaziergang durch die Stadt Baden. Am Schluss bleibt kein Zweifel: Die Badener Fasnacht ist schön – viele Verse könnten aber besser sein.

Schwäfelsüder

Eine Auswahl aus den besten Fasnachts-Versen und Sketches

Die Themenvielfalt wurde ausgekostet. Das Thema «Sepp Blatter» fehlt dabei in den wenigsten Bänken; hier einige Kostproben.

De Putin hett saumässig bschisse
Und scho zwei Mol d’Macht a sich grisse.
De Blatter machts, hei jo derno
Ganz bestimmt no x-mal so.
Schwäfelsüüder

Schmiert de Josef Blatter?
Schmiert är d Funktionär?
Aber nei, was dänksch, gwüss nid, wohär!
Sich schmiere lo tuet är!
D Clochards

Dr Wolf, dr Wolf, dr Wolf frisst Schaf
Dr Wolf isch bös und Schaf sind brav.
Bisch nümm am Ball, hey, Fifa-Vater?
D Luft isch duss, es goht nümm blatter!
Ch.Liebdi

S hett niemer me Ziit zum Spiele.
S esch alles so hektisch und übertriebe
D Familiesunntige sind passé
Jede hockt vor sim eigete PC
Doch eis Spieli, das kennt jede Depp:
Für die nöchschte acht Johr: Tschau-Sepp
Blächschade vo Bade

Und wie im Herbst die Blatter fallen im Sturm.
Liegt der Sepp da wie ein Wurm.
Circus Värsus (Salz & Pfäffer)

Neuerdings wott de Sepp Blatter euse Stadtamme wärde.
Ja, bi dere Finanzlag chönnt mer doch öpper bruuche,
wo weiss, wie s Gäld ine chunnt.
Aus dem Sketsch von Ultimo Giro

«Oh grosser Sepp, was ist das?»
Ruft der Vize, bleich und blass.
«Höre die Sirenen, schau das blaue Licht –
Siehst du die Polizisten beim Baur au Lac nicht?»
Aus dem «Erlkönig», Schlümpf

Ohne Stadtammann Geri Müller geht an der Fasnacht der Verslibrünzler und Narren-Cabarets gar nichts. Diesmal gab natürlich die Firmenadresse zu reden.

Liebe Geri, hör doch uf fummle.
Und mit dr Adresse umme z schummle.
Suscht muesch am Änd mit der Firma ebe
Zäme ime Poschtfach lebe!
Schwäfelsüüder

Liebe Geri, das mit dr Adresse
Heigisch offebar total vergässe.
Wenn d so wiiter machsch so famos
Wohnsch sicher glii emol uf de Schtross
D Chaote

Was isch ächt vom Müller
De nöchschti Knüller?
Geri, muesch bliibe,
So händ mer z schriibe.
Für euisi Bänk
Bisch du es Gschänk!
D Clochards

Von Geri Müller zur neuen Velostation. Die kostspielige, zurzeit noch meist fast leerstehende Fahrrad-Behausung wird als Investition auch von den Närrischen hinterfragt.

Am Bahnhof för d Velo gits e neui Station
Und was das choschted, s isch en Hohn!
Dass mers nid nutzt, das find ich fies.
S einzig ufem Ständer isch am Geri sis.
Ch.Liebdi

Z Bade stoht es Velohuus
Du glaubsch es nid, do chunsch nümm druus
Für 830-tuusig Frangge
Es Provisorium – do sage mir nei dangge
Do hauesi zinftig uf de Putz:
Kriegsch en Ständer für zwei Stutz. Salz & Pfäffer

Ausser dem Stadtammann gab eigentlich im Stadtrat nur der neue zu reden. Eine Ehre für Erich Obrist, der lange Zeit für Verslibrünzler auch die Helgen malte.

Liebe Erich, tues nöd versiffe,
Als Stadtrat muesch nur eis begriffe.
Lern ganz gnau und total guet
Wie me s Handy bediene tuet.
Schwäfelsüüder

De Obrischt hinterlaht i de SP nur Fruscht.
Als Nächschts nimmt er sich de Amme zu Bruscht.
Blächschade

Mir chaufe s Gmües und d Frücht am Märt bis eusne Buure.
Und dass de Obrschit nümm chunnt, tüend mir beduure.
Dr ander Obrischt isch im Stadtrot d Nummer seebe.
Wärsch gschiiter euse Helgemooler bleebe!
D Clochard

Es tauchten noch mehrere Themen mehrfach auf. Hier noch eine Auswahl aus der allgemeinen Vielfalt.

De Bachelor suecht e Beziehig.
Möglichscht eini mit Humor.
Gmeindsfusione, die sind schwierig.
Es giged sälte, das isch wohr.
Denn suech en andri, bis nid doof!
Chum Spreitebach, nimm Neuehof!
Ch.Liebdi

In Chiasso händs de Asylante gseit.
Ihr werded morn noch Lieli verleit.
Sie fönd a zittere und händ sich nümme im Griff.
Und winsled: Nei, mer gönd lieber zrugg ufs Schiff.
D Chaote

D Wägeli i de Schwiizer Bahne
Mit Kafi, Gipfeli und Banane.
Tüends im 2017 usrangiere.
Muesch d Brötli wieder sälber schmiere.
Das findet mir gar ned zum Lache
Heisst SBB jetzt «sälber Brötli bache»?
Salz & Pfäffer

D SVP isch eigentlich recht.
Hett zwar kei König, defür en Knecht.
Und well jede d Glückseeligkeit wott,
Händs au en eigne Blocher-Gott
Schwäfelsüüder

Es sörfe zwee bi dr SBB
Uf Youporn umenand.
Und händ jetz doch wäg chli Fernseh
De blau Brief i dr Hand.
Mir finde s falsch, chönts nid verschtoh,
Beduure s Urteil sehr.
Die händ jo nur versuecht z becho
Kompetänz im Schtossverchehr
D Clochards

De Brunner wott Chueli go mälche
De Blocher stoht hinde dra.
De Röschti schlot Brugge is Wälsche.
De Köppel treits falsch Pyjama.
Ch.Liebdi

Bade als läbesfrohi Stadt
Hett die unruhige Ziite langsam satt.
Stadtratswahle, Bäderbau und Schuelhuusplatz.
All wüssed s besser, so hebed doch mol de Latz!
Zum Glück gits glii e Badefahrt zum Chille.
Met eme ruhige Cortiplätzli grad um d Chile
... Und wenn mer keis ruhigs Plätzli finde.
Schütte mer halt Corti-Wii i d Grinde!
Blächschade

Inschallah, mir werdet islamisiert.
Gottverdelli, euises Klima krepiert.
Ä Hyper-Kataschtrophe tuet entschtoh.
De Muurer hett d Finanze übernoh.
Schwäfelsüüder

Die Schnitzelbanken sind heute und dann am Sonntag an der Derniere in Ennetbaden noch zu hören.

Meistgesehen

Artboard 1