Jeden Morgen finden Tonia und Ruedi Sommerhalder eine neue Landschaft vor – und das seit fast 20 Jahren. 1995 richtete der Künstler und Wasserfahrer Ruedi Sommerhalder im ehemaligen Nähfabrik-Quartier der Stroppel AG sein Atelier ein.

Vor zehn Jahren folgte die Eröffnung der Kulturstätte Garnhaus. Weil das Stroppel Areal mitten im Wasserschloss liegt, «ist die Natur ständig im Fluss», sagt er, «so treffe ich jeden Tag eine andere Landschaft an».

Hier, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen, haben Sommerhalders eine Kulturoase geschaffen. Rund 30 Künstler und Musiker arbeiten in ihren Ateliers. Sie nutzen die einzigartige Landschaft als Inspirationsquelle.

Dauerausstellung geplant

Seit zehn Jahren organisieren Sommerhalders Veranstaltungen und Ausstellungen im und ums Garnhaus. In dieser Zeit fanden sie immer wieder die Muse, das Archiv der Stroppel AG und deren Kellerräume zu erforschen. Aus dem gesammelten Material erstellen Sommerhalders nun eine Dauerausstellung.

Die Eröffnung der Dauerausstellung dürfte ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr 2014 werden. «Die Dauerausstellung knüpft an jenes Motto an, dass wir vor zehn Jahren fassten: ‹Den Faden weiterspinnen›», sagt Ruedi Sommerhalder.

Inzwischen haben sie sogar den ältesten Werkmeister ausfindig gemacht. «Hans Hilfiker erklärte uns, wozu all die Maschinen gebraucht wurden, die wir in den Kellerwerkstätten gefunden hatten», sagt Sommerhalder. Die Ausstellung soll stellvertretend für die Geschichte der Textilindustrie in der ganzen Region werden.

1864 noch unter dem Namen Zwirnerei Niederster entstand das Stroppel Industrieareal. «Insofern feiern wir auch ein 150-Jahre-Jubiläum», sagt Ruedi Sommerhalder.

Teamwork beginnt beim Zmorgenessen

Ehepaar Sommerhalder ist seit über 40 Jahren ein eingespieltes Team. Kennengelernt haben sich die beiden, als sie Tür an Tür ihre ersten Gehversuche als Primarlehrer im Kappelerhof in Baden machten. «Damals unterrichteten wir noch 40 Schüler im Klassenzimmer», erinnert sich Tonia Sommerhalder.

Als Team halten sie auch den finanziellen Aufwand für Veranstaltungen im Garnhaus so tief wie möglich. «Unsere Sitzungen machen wir beim Morgenessen», sagt sie und lacht. Er fügt hinzu: «Andere Organisationen brauchen für ihre Entscheide ewig lange.» Tonia Sommerhalder kümmert sich um die Administration, während ihr Mann fürs Gestalterische zuständig ist.

«Mit Seminaren, Firmenanlässen und Ähnlichem können wir die kulturellen Veranstaltungen auch quersubventionieren», sagt er. Das gute Teamwork wird in diesem Jahr besonders auf die Probe gestellt: Neben der Dauerausstellung wird es im Herbst ein grosses Jubiläumsfest geben. «Dann wollen wir alle Künstler, Musiker und Autoren einladen, die je im Garnhaus waren.» sagt Tonia Sommerhalder.