Im ehemaligen Industriequartier Vogelsang soll in den nächsten Jahren ein Wohnquartier mit 96 Wohnungen entstehen. Die voraussichtliche Investitionssumme liegt bei rund 80 Millionen Franken. Das teilen die BAG Immobilien AG mit, der die Parzellen gehören. Bevor das Bauvorhaben realisiert werden kann, müssen die Gebenstorfer Stimmbürger aber erst noch der neuen Bau- und Nutzungsordnung zustimmen, weil das Vorhaben einer Zonenänderung bedarf.

Auf dem südlichen Teil des 4,8 Hektaren grossen Areals soll in einem ersten Schritt die Mehrheit der bestehenden Bauten abgerissen werden, ehe der Boden von Altlasten saniert wird. Danach sollen Mehrfamilienhäuser errichtet werden, sodass ein neues Vogelsanger Quartier entstehen könnte. Das bestehende Hauptgebäude, in dem das «Lernwerk» untergebracht ist, bleibt gemäss den Plänen erhalten, könnte aber später zu einem Wohnkomplex angepasst werden.

Bereits vor acht Jahren waren Siedlungspläne für das ehemalige Industrieareal präsentiert worden, in der Presse war gar von einem kühnen Projekt die Rede. Vorgesehen war unter anderem ein bumerangähnlicher Wohnbau, der gegen den Limmatspitz ragte. Doch gegen das Projekt regte sich Widerstand, unter anderem, weil der 300 Meter lange Bumerangbau in die Schutzzone des Wasserschlossdekrets hineingeragt hätte. «Jetzt konzentrieren uns darum nur auf die Pläne im Süden des Areals», sagt Michael Wicki, Verwaltungsratspräsident der BAG Immobilien. «Der nördliche Teil des Areals hingegen soll in der vorliegenden Form bestehen bleiben und nach wie vor der gewerblich-industriellen Nutzung dienen.»

Die Erdgeschosse der neuen Wohnungen im Süden des Areals sollen für Ateliers und Dienstleistungen wie etwa Arztpraxen zur Verfügung stehen. Die geplante Überbauung nehme Bezug auf die Ausrichtung der angrenzenden Wohnbauten und bestehenden Industrieanlagen. Entsprechend werden die südlichsten drei Mehrfamilienhäuser ein Geschoss tiefer gebaut als die Neubauten weiter nördlich.

Als Schwierigkeit bei der Umsetzung des Projektes bezeichnet Michael Wicki die diversen Auflagen. «Es bestehen die Probleme Altlasten und Hochwasser. Ausserdem grenzen die Parzellen an die Naturschutzzone ‹Wasserschloss›, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturschutzdenkmäler figuriert.» Weil nun aber auf den «Bumerangbau» verzichtet werde und die geplanten Neubauten die Siedlungszone nicht frontal abschliessen, spricht Wicki von einem sanften Übergang zur Naturschutzzone.

Gemeinderat befürwortet Projekt

Das gesamte Areal sei als Fussgänger- und Fahrradzone konzipiert, von einem «Veloparadies» ist in den Projektunterlagen die Rede. Die Autos werden an der Arealgrenze über eine Rampe in eine unterirdische Einstellhalle geleitet.

Der Gemeinderat steht dem Projekt positiv gegenüber, wie Ammann Rolf Senn sagt. «Einige Gebäude befinden sich in einem schlechten Zustand, und die Pläne der BAG Immobilien AG erachten wir als Chance für Vogelsang. Ein neues, modernes Quartier könnte entstehen.»

Die Bronzewarenfabrik AG, kurz BAG, zählte im vergangenen Jahrhundert zu den grössten Leuchtenherstellern in Europa. Für die Beleuchtung von Strassen, Hotels und auch Sportstadien – etwa bei den Olympischen Spielen in Lillehammer 1994 – wurden Produkte dieser Firma verwendet.