Man soll ja nicht Nein sagen, sagt der heilige Benedikt. «Das habe ich mir hinter die Ohren geschrieben», sagt Schwester Petra amüsiert, als sie zum angebotenen Spitzbuben, eben: nicht Nein sagt. Und nein, «missmutig zum Gehorsam» versteht die 82-Jährige sich nicht, «murrt Nein» weder «im Herzen» noch «mit dem Mund», wie das fünfte Kapitel der Benediktsregel mahnt. Im Gegenteil: Schwester Petra strahlt, als sie durch die Klosterküche huscht, eigentlich unterwegs, um ihren Gästen Kuchen zu holen, doch auch sehr interessiert daran, wie die laufende Guetzli-Backete vorankommt. Als der Spitzbube in ihrem Mund verschwindet, schliesst sie kurz die Augen und sagt: «Frisch sind sie einfach am besten.»

An diesem Nachmittag hilft Schwester Petra zwar nicht mit bei der Herstellung des Weihnachtsgebäcks, das für die Nonnen des Klosters Fahr zur Adventszeit gehört wie die Messe bei Kerzenschein. Doch sie hat auch so schon genug gebacken in ihrem Leben: 30 Jahre lang war sie Kochlehrerin in der Bäuerinnenschule, die im Sommer letzten Jahres ihre Pforten schloss. Unzählige Weihnachtsguetzli werden auch dieses Jahr nach ihrem Rezept in Bauernstuben in der ganzen Schweiz aufgetischt werden. So ist die Erleichterung gross, als die Fachfrau das Probeexemplar für gut befindet: «Hier komme ich wieder mal vorbei», sagt Schwester Petra. Und schon ist sie wieder weg.

Nicht zu dick und nicht zu dünn

Die Küchenfäden hat an diesem Tag Schwester Verena in der Hand. Seit bald 50 Jahren bäckt sie zur Adventszeit schon Guetzli im Fahr und zeigt dabei keine Spur von Müdigkeit. Solange die Nonnen noch ihr eigenes Essen kochten, war sie Teil des dreiköpfigen Küchenteams. «Ich habe schon damals immer besonders gerne gebacken», sagt sie. Seit ein paar Jahren werden die Benediktinerinnen nun vom klostereigenen Restaurant bekocht. «Doch das Hobby ist mir geblieben», sagt Schwester Verena und rührt vergnügt im Johannisbeergelee, das zum Spitzbubenbestreichen aufgewärmt werden muss.

Frieda Steiger, die für Gottes Lohn und der Nonnen Dank ab und zu bei Arbeiten im Fahr mit anpackt, hilft der Schwester, den Überblick zu behalten. Die Schlieremerin kennt sich in der Küche aus, weiss, wo die vollen Backbleche hinkommen und wo die leeren Teigschüsseln. Da und dort holt sie sich Rat bei der Chefin. «Ich kann aber nicht garantieren, dass alle gleich gross werden», sagt sie, während sie beginnt, Honigbusserl-Teig zwischen den Händen zu rollen. «Das ist bei Handarbeit halt so», besänftigt sie Schwester Verena.

Zwei Tage sind die Nonnen mit den Guetzli beschäftigt. Wenn alles fertig ist, verschenken sie die süssen Köstlichkeiten an Bekannte, Gäste, Mitarbeiter. Und natürlich an sich selber: «Wir sehen jeweils zu, dass auch nach Weihnachten noch etwas übrig bleibt», sagt Schwester Marie-Thérèse, während sie sich vergnügt ein Stückchen Pfeffernuss-Teig in den Mund schiebt.

Dann ist es Zeit für den gemeinsamen Kaffee und danach die Lesezeit. Der benediktinische Tag macht auch in der Adventszeit keine Ausnahme. «Nun ruhen wir uns erst mal aus, bevor wir den Rest in Angriff nehmen», sagt Schwester Verena und hängt ihre Backschürze an den Nagel. Zurück bleibt der Duft von Zimt und Vanille und das Gefühl: Hier, im Kloster, ist der Advent noch das, was Kaufhäuser in Geld zu verwandeln versuchen: eine Zeit der Besinnlichkeit, der Ruhe und des Zusammenseins.