Für viele Spreitenbacher dürfte Yassmin Busse ein bekanntes Gesicht sein. Seit über 20 Jahren ist die Spreitenbacher Künstlerin mit ihrem Elektro-Scooter unterwegs.

Das Gefährt ersetzt ihre Beine und gibt der gehbehinderten Frau einen Teil jener Freiheit zurück, die ihr durch ihre Krankheit genommen wurde: Yassmin Busse leidet an Multipler Sklerose, wodurch sie kein Gleichgewicht mehr hat.

Gehbehinderte IV-Rentnerin beklaut

Gehbehinderte IV-Rentnerin beklaut

Yassmin Busse ist wegen ihrer Multiplen Sklerose auf einen Elektro-Scooter angewiesen. Dieser wurde ihr jedoch dreist vor der Türe gestohlen.

Und nun das: In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben dreiste Diebe ihren Scooter geklaut. «Abends um 9 Uhr stand er noch da», sagt Busse.

Als aber ihre Nachbarin morgens um 3 Uhr vom Ausgang heimgekommen sei, sei der Scooter weg gewesen, habe diese berichtet. Dabei stand das Gefährt nicht etwa draussen vor dem Hochhaus, sondern vor Busses Wohnung im 22. Stock des Shoppi-Hochhauses.

Am Sonntagmorgen lag nur noch ihre dunkelblaue Jacke am Boden im Gang. Die 47-Jährige kann es kaum fassen. «Es ist, als ob mir jemand die Beine weggenommen hätte.»

Busse ist nicht nur für ihre Arbeit in Dättwil und Dietikon auf den Scooter angewiesen. In ihrer Freizeit fährt sie mit ihm zu verborgenen Winkeln in Spreitenbach und fotografiert ihre Lieblingssujets. Denn die Fotografie, so sagt sie, sei ihre zweite grosse Leidenschaft neben dem Malen.

«Dass jemand einer gehbehinderten Frau den Scooter klaut, finde ich unglaublich und macht mich sehr wütend.» Yassmin Busse hat zwar bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet, doch die Chancen, dass sie ihren Elektro-Scooter wieder bekommt, schätzt sie gegen Null. «Ich weiss nicht, was die Diebe mit dem Scooter machen wollen, wahrscheinlich verkaufen sie ihn, oder haben sich nur einen Spass erlaubt und ihn irgendwo im Dorf stehen lassen.» Herumfahren können sie damit kaum, denn in Spreitenbach würde der Scooter auffallen.

Videokamera filmte Diebe

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings: Oberhalb der Briefkästen beim Eingang zum Hochhaus und im Lift sind Kameras installiert. Die Polizei hat das Videomaterial bereits ausgewertet. Die Gesichter der Diebe seien gut sichtbar, heisst es bei der Kantonspolizei auf Anfrage. Mehr könne man derzeit noch nicht sagen. Die Ermittlungen laufen. Dass sich die Diebe nicht viel überlegt haben, liegt für Busse auf der Hand: «Immerhin ist an der Haustür ein Aufkleber, der auf die Videoüberwachung hinweist.»

Yassmin Busse hofft nun auch auf Hilfe aus der Bevölkerung und hat sich mit einem Foto des Elektro-Scooters an das «Badener Tagblatt» gewendet. «Ich denke, das Foto kann helfen. Wenn die Leute den Scooter irgendwo entdecken, wissen sie, dass es meiner ist und melden sich bei mir oder der Polizei.»