Im letzten Frühling war es die Post, in den Jahren davor das Restaurant Egelsee und der Kindergarten. Nun hat im Weiler Kindhausen vor kurzem auch die Volg-Filiale dichtgemacht. Der Laden kämpfte wegen fehlender Kundschaft schon länger ums Überleben. Lotti Blättler, die im Dorf aufgewachsen ist und seit 53 Jahren dort lebt, möchte das nicht einfach so hinnehmen.

«Kindhausen gleicht langsam einem Geisterdorf«, sagt sie. Zusammen mit zwei Mit-Initiantinnen möchte Blättler deshalb dafür sorgen, dass es in Kindhausen auch in Zukunft eine Möglichkeit zum Einkaufen und einen Treffpunkt gibt. Ihre Idee: In den Räumen der Volg-Filiale an der Egelseestrasse einen neuen, kleinen Dorfladen mit Bistro zu eröffnen.

Der ehemalige Volg im Weiler Kindhausen steht derzeit leer.

Der ehemalige Volg im Weiler Kindhausen steht derzeit leer.

Ein Treffpunkt ist verloren

«Noch stehen wir mit der Planung ganz am Anfang», sagt Blättler. Eines ist für sie aber klar: Kindhausen ist zu ruhig geworden. «Auch tagsüber ist niemand mehr auf der Strasse anzutreffen.» Mit der Schliessung des Volgs, der seit über 50 Jahren im Dorf stand, gehe der letzte öffentliche Treffpunkt verloren. «Das ist besonders für ältere Einwohner tragisch, die nicht mehr so gut zu Fuss sind», sagt Blättler. Zwar gebe es in Bergdietikon noch einen Volg, dieser sei für nicht mobile Dorfbewohner aber nur schwer zu erreichen.

«Das ist besonders für ältere Einwohner tragisch.» Lotti Blättler, Mit-Initiantin für einen neuen Dorfladen in Kindhausen

«Das ist besonders für ältere Einwohner tragisch.» Lotti Blättler, Mit-Initiantin für einen neuen Dorfladen in Kindhausen

Doch die Schliessung des Ladens bedeutet aus der Sicht Blättlers nicht nur den Verlust einer lokalen Einkaufsmöglichkeit, sondern auch des letzten Treffpunkts im Dorf. «Gerade für ältere Kindhauserinnen und Kindhauser war der Laden auch wegen des sozialen Austauschs wichtig», sagt sie, und nennt als «klassisches Beispiel» ihre eigene Mutter: Sei diese in den Laden einkaufen gegangen, habe sie dort meistens noch einen Schwatz gehalten – «für den Einkauf alleine hätte sie nicht so lange gebraucht». Ihre Mutter sei von der Schliessung deshalb sehr betroffen gewesen – wie auch viele andere Dorfbewohner.

Nun hofft Blättler, dass bei der Bevölkerung nicht nur die Betroffenheit über den geschlossenen Volg gross ist, sondern auch der Wille, das private Projekt für einen neuen Laden zu unterstützen. Denn finanziert werden soll dieser durch die Gründung einer Genossenschaft – und für eine solche brauchen die drei Initiantinnen Leute, die einen Anteilschein kaufen.

«Wir werden in den nächsten Wochen einen Flyer verteilen», sagt Blättler. Wolle eine Kindhauserin oder ein Kindhauser das Projekt finanziell unterstützen, könne er einen Coupon ausfüllen, der dem Flyer beiliege. «Damit verpflichtet sich noch niemand, einen Betrag zu zahlen. Aber wir wollen herausfinden, ob die Bereitschaft dazu besteht», sagt Blättler. Neben der Mitgliedschaft in der Genossenschaft durch den Kauf von Anteilscheinen bestehe auch die Möglichkeit, das Projekt mit einem einmaligen Sponsoringbeitrag zu unterstützen.

Bistro soll den Umsatz steigern

Auch wenn die Idee eines neuen Dorfladens in Kindhausen wohl auf breite Unterstützung stossen dürfte und in der Form einer Genossenschaft keinen Gewinn abwerfen muss: Für die drei Initiantinnen wird es nicht einfach sein, den Laden rentabel zu führen. «Damit ein Dorfladen überleben kann, braucht es eine Kundschaft von mindestens 1000 Haushalten», sagt Blättler. Das sei deutlich mehr, als es in Kindhausen gebe. Den Laden möchten sie deshalb auch aus finanziellen Überlegungen mit einem Bistro kombinieren: «Es ist als finanzielle Stütze für den Laden gedacht.»

Dass für ein solches Lokal in Kindhausen ein Bedürfnis besteht, davon ist Blättler überzeugt. Auch, weil Kindhausen und seine Umgebung am Wochenende von vielen Tagesausflüglern besucht werde. «Spaziergänger, Velofahrer und Reiter wären sicher froh, gäbe es nach der Schliessung des Restaurants Egelsee wieder eine Möglichkeit, einzukehren.» Geplant sei auch, das Bistro für Anlässe örtlicher Vereine und Institutionen zu vermieten.

Laut Blättler sollen Laden und Bistro nach ungefähr drei Jahren schwarze Zahlen schreiben und selbsttragend sein. Dazu sollen die Fixkosten möglichst tief gehalten werden. «Wir wollen das Sortiment klein halten und auf den täglichen Bedarf beschränken», erklärt Blättler. Für Artikel, die es im neuen Laden nicht gebe, sei aber ein Lieferservice angedacht. «Wir würden auf Bestellung die Artikel im Volg Bergdietikon besorgen und bei uns zur Abholung bereitstellen», führt Blättler die Idee aus.

Tief halten wollen die Initiantinnen auch die Personalkosten. «Wir versuchen, den Betrieb mit einer 100-Prozent-Stelle zu betreiben», sagt Blättler. Ob das ausreiche, sei angesichts der frühen Planungsphase noch nicht klar. «Um offene Fragen wie diese zu klären, sind wir derzeit auch auf die Hilfe von Fachpersonen angewiesen», sagt Blättler. Sie hofft deshalb darauf, dass der eine oder andere Bewohner Kindhausens die Planung des Projekts mit Wissen, etwa in Buchhaltung, Ladenführung oder rechtlichen Belangen, unterstützen wird, ohne dafür einen Lohn zu verlangen. «Wir sind auf ehrenamtliche Mithilfe angewiesen.»