Baden
Dirigentenwettbewerb: Die Jury entschied sich gegen Extravaganz

David McVeigh hat den Dirigentenwettbewerb in der Badener Trafohalle gewonnen. Sein klares, sachliches Dirigat überzeugte die Jurymitglieder,

Matthias Steimer (Text und Fotos)
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David McVeigh hatte das Orchester voll im Griff.

David McVeigh hatte das Orchester voll im Griff.

Matthias Steimer

Die Entscheidung in der dreiköpfigen Jury fiel einstimmig: Der Sieger des siebten schweizerischen Dirigentenwettbewerbs heisst David McVeigh. Der 27-jährige Engländer mit Wohnsitz in Bern überzeugte mit seiner Interpretation von Etienne Crausaz’ «Tales and Legends». «Das ist ein wunderschönes Gefühl», freute er sich unmittelbar nach der Krönung. Den Dirigentenwettbewerb gewonnen zu haben, kann der Karriere des jungen Musikers Schub geben, dessen ist er sich bewusst: «Ich hoffe, dass diese Auszeichnung ein Sprungbrett zu Höherem ist».

Sachlich und emotional

Die Jury entschied sich für David McVeigh aufgrund seines Könnens, seiner Bühnenpräsenz und seiner Musikalität: «Er fühlte sich sehr in die Stücke hinein und fand den Kontakt zum Orchester», erklärt Thomas Doss, Präsident der hochkarätigen Jury, die weiter aus Franco Cesarini und Rolf Schumacher bestand. Aus Zuschauersicht gefiel an David McVeigh auch dessen klares, gewissermassen sachliches Dirigat – ohne emotionale Einbussen. In seinem Dirigat konzentrierte er Energie und Information kleinräumig; ein unaufgeregter, aber deutlicher Fingerzeig reichte bisweilen für einen Einsatz. Er dirigierte klassisch mit Taktstock und gelegentlichem Blick auf die Partitur.

Konzentriertes Orchester

Damit entschied sich die Jury gegen Extravaganz. Zweitplatziert wurde Rodrigo Carneiro da Silva aus La Chaux-de-Fonds, der sehr impulsiv und passioniert auftrat, auswendig und ohne Taktstock dirigierte. Ebenfalls mit dem zweiten Platz zufrieden geben musste sich Jan Müller aus Ostermundigen, der das spektakulärste Stück gewählt hatte: In Oscar Navarros «Libertadores» durfte das Orchester singen und sich in Body Percussion üben. Die Stadtharmonie Zürich Oerlikon-Seebach schlug sich gut. Obschon die Musiker schon tagsüber mit jedem Dirigenten eine Stunde die vorher unbekannten Stücke einübten, zeigten sie sich abends noch überaus konzentriert. So hörte man denn auch gerne das Galakonzert, welches die Zeit zwischen Final und Rangverkündigung überbrückte.