Er stand kurz vor einem Burnout, sie hatte eine Scheidung zu verarbeiten. Das Ehepaar Chris und Regula Kempf hat harte Schicksalsschläge hinter sich und machte im Leben eine totale Kehrtwende. Heute betreiben die beiden den christlichen Buchladen an der Rathausgasse 8 in Baden, der neu «Be blessed plus» heisst und nebst viel Literatur zum Thema Glauben auch ein Bistro mit Weinausschank beinhaltet.

«Ich wollte nie Christin werden und kann Zweifler verstehen, die sich fragen, warum ein aufgeklärter Mensch an Gott glauben kann», erzählt Regula Kempf. Zum Gespräch mit der Journalistin hat sie mit ihrem jetzigen Mann an einem der 12 Holztischchen Platz genommen. Auf der Karte stehen die Quiches, welche vom Sozialwerk «Wendepunkt» produziert werden. Es gibt verschiedene Salate und Desserts. In den Regalen stehen nicht nur Bücher, sondern auch Geschenkartikel. Die kunterbunte Mischung aus Bistro, christlichem Buchladen und Geschenke-Shop ist gewollt.

Sprung ins kalte Wasser

«Wir konnten früher beide mit Glauben nichts anfangen», bestätigt auch Chris Kempf im Gespräch. Der gelernte Elektromechaniker arbeitete viele Jahre erfolgreich in der EDV-Branche. Als seine Kinder erwachsen waren und eine langjährige Partnerschaft in die Brüche ging, kam die Krise. «Ich war in meinem Hamsterrad gefangen, stand kurz vor einem Burnout und sah keinen Sinn mehr im Leben. In dieser Verzweiflung flehte ich Gott an: ‹Wenn es Dich gibt, bitte tu was›.» Passiert sei anfänglich nichts. Doch in den folgenden Wochen habe er einen zunehmenden inneren Frieden verspürt. «Ich merkte, dass mein Glück nur Bestand hat, wenn ich es nicht von anderen Leuten abhängig mache.»

Der 51-Jährige fing an, christliche Bücher und die Bibel zu lesen und fand darin seinen persönlichen Halt. «Ich möchte auf keinen Fall zurück», bekundet er heute überzeugt. Obwohl es ein gewagtes Abenteuer war, letztes Jahr den christlichen Buchladen in Baden zu übernehmen. Weder sie als Primarlehrerin, Heilpädagogin und Mitarbeiterin verschiedener Missionswerke, noch er als einstiger Key Account Manager hatten Ahnung von Gastronomie oder Detailhandel. «Wir sprangen mit unserem ersten gemeinsamen Projekt ins kalte Wasser», gestehen die beiden. Ihr Unternehmen «Be blessed plus» sei für sie jedoch die Erfüllung, bekundet das Ehepaar. Es solle ein Treffpunkt für alle sein – auch für Leute, die mit dem Glauben «nichts am Hut haben». Leben können sie von ihrem neuen Broterwerb noch nicht. «Wir zehren von unserem Vermögen und fangen an, einen kleinen Gönnerkreis aufzubauen», sagen sie. Doch die Kempfs sind zuversichtlich: «Es braucht immer Ausdauer, bis ein eigener Betrieb läuft.»

Die Depressionen sind weg

Wie Regula Kempf zu ihrem Glauben fand, hört sich geradezu unwirklich an. «Eine schmerzhafte Scheidung brachte mich an den Rand meiner Existenz. Ich machte einen Suizidversuch.» Die verzweifelte Frau überlebte. «Als ich einmal auf dem Bett sass und mir überlegte, wie mein Leben weitergehen soll, war plötzlich eine Lichtgestalt im Raum. Ich wusste sofort: Das ist Jesus.» Sie sei hellwach gewesen und die Erscheinung absolut real, bezeugt die heute 48-Jährige. Seither habe sie keine Depressionen mehr. «Natürlich kämpfe ich wie alle anderen weiterhin mit Schwierigkeiten im Leben. Aber ich weiss, dass ich nicht alleine bin. Das Leben macht für mich jetzt Sinn.» Der Besucherstrom im Bistro ist noch spärlich. Die Reaktionen auf das ungezwungene Ambiente seien aber sehr positiv. «Im Leben funktioniert viel zu viel unter Druck. Zum Glauben zu finden, ist aber eine völlig freiwillige Entscheidung. Oft braucht es dafür viel Zeit und Gespräche. Wenn das jemand wünscht, sind wir da», sagen Christ und Regula Kempf.