Wahlkampf

Dieser Handschlag sorgt für Aufsehen – geht es dabei wirklich nur um die Grossratswahlen?

«Zwei Freunde, zwei Politiker, zwei Parteien.» – Wahlplakat beim «Chrättli». Martin Rupf

«Zwei Freunde, zwei Politiker, zwei Parteien.» – Wahlplakat beim «Chrättli». Martin Rupf

Die Badener Grossrats-Kandidaten Reto Schmid (CVP) und Philippe Ramseier (FDP) bringen sich in Poleposition – und liessen sich in freundschaftlicher Pose gemeinsam für ein Wahlplakat ablichten. Das wirft die Frage auf, ob dahinter vielleicht mehr steckt.

Beide strahlen sie wie Honigkuchenpferde, während sie mit ihren Händen freundschaftlich einschlagen. Die beiden Badener Reto Schmid (42, CVP) und Philippe Ramseier (41, FDP) machen gemeinsame Sache – zumindest im anstehenden Grossrats-Wahlkampf. «Das gab es noch nie: zwei Freunde, zwei Politiker, zwei Parteien und ein gemeinsames Wahlplakat!», ist auf Facebook zu lesen.

Und weiter: «Das Plakat steht symbolisch für die Aufbruchstimmung zweier Familienväter, welche sich für die Zukunft wieder ein lebensfrohes Baden wünschen und bereit sind dafür Verantwortung zu übernehmen.»

Grosse Worte, und als Betrachter ist man im ersten Moment gar geneigt, den gemeinsamen Auftritt «zweier Freunde» als Jux abzutun. Ja, man könnte das Plakat gar dahingehend interpretieren, dass die beiden Kandidaten gar wirklich an ihre Chancen glauben – figurieren sie doch auch auf den hintersten Listenplätzen.

Dem widerspricht der Badener Alt-Stadtrat Reto Schmid vehement. «Das Ganze ist kein Jux, wir glauben an unsere Chancen.» Und man habe den gemeinsamen Auftritt auch parteiintern kommuniziert. «Der gemeinsame Auftritt soll auch ein Signal nach aussen sein, dass wir Bürgerlichen im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen in Baden im Herbst 2017 wieder zusammenspannen und alte Gräben zuschütten können», betont Schmid.

CVP-Grossratskandidat Reto Schmid

CVP-Grossratskandidat Reto Schmid

Tatsächlich: Im Stadtammann-Wahlkampf im Frühjahr 2013 kühlten sich die Beziehungen zwischen FDP und CVP merklich ab. Dies nachdem die FDP den «Deal vom Roten Turm» publik gemacht hatte, bei dem die bürgerlichen Stadtammann-Kandidaten Roger Huber (FDP) und Markus Schneider (CVP) vor den Wahlen im Restaurant Roter Turm einen Deal eingingen (siehe nachfolgende Box). «In Baden traut man den Bürgerlichen bis heute noch nicht zu, dass sie sich in einem Jahr auf einen Stadtammann-Kandidaten werden einigen können», sagt Schmid.

Schmid: Ein Dementi tönt anders

Wer frühere Aussagen von Schmid genau liest, kann sich gut vorstellen, dass Schmid auch an seine Person denkt, wenn er «von einem bürgerlichen Ammann-Kandidaten» spricht. So sagte er im «Badener Tagblatt» vom 2. Juli: «Das Ergebnis im Oktober wird mir aufzeigen, ob die Wählerinnen und Wähler den Schmid überhaupt zurückhaben wollen in der Politik.»

Und: «Wenn mein Wahlresultat zeigt, dass die Wähler mir in Baden und der Region ihr Vertrauen schenken und ich genügend Unterstützung spüre, dann sitzen wir sicher in der Partei zusammen.» Ein Dementi tönt auf jeden Fall anders. Schmid, der von 2009 bis 2013 Badener Stadtrat war, sagt, er höre oft, dass es jetzt neue oder «neu-alte» Köpfe brauche, um das Vertrauen zwischen Exekutive, Einwohnerrat und Verwaltung wieder herzustellen.

Ramseier: «Wollen Sitz zurück»

Vor diesem Hintergrund drängt sich natürlich die Frage auf, ob die Grossratswahlen auch für den vierfachen Familienvater Philippe Ramseier mehr als nur der Versuch sind, den Sprung ins kantonale Parlament zu schaffen. «Mit der Kandidatur ist es mir wie auch Reto Schmid absolut ernst», betont der 41-jährige Geschäftsinhaber des IT-Unternehmens Autexis.

Philippe Ramseier, Grossratskandidat für die FDP

Philippe Ramseier, Grossratskandidat für die FDP

Dass er wie auch Schmid auf hinteren Listenplätzen zu finden seien, erachte er nicht als Nachteil. «Im Gegenteil: Das spornt uns an, Vollgas zu geben und das Unmögliche möglich zu machen», sagt Ramseier. Und ja, mit dem gemeinsamen Plakat wolle man signalisieren, dass man gemeinsam eine Brücke schlagen könne.

Könnte diese Brücke gar bis in den Badener Stadtrat führen? «Nochmals, es geht jetzt um die Wahl in den Grossen Rat. Alles, was danach kommt, ist jetzt noch völlig offen.» Heisst offen auch, dass sich Ramseier eine Stadtratskandidatur vorstellen könnte? «Fakt ist, dass die FDP im Einwohnerrat die grösste Fraktion stellt und dass wir deshalb dafür kämpfen werden, den zweiten Sitz wieder zurückzuerobern.»

Wer für die Liberalen im Wahlherbst 2017 ins Rennen steigen wird, sei aber noch offen. «Es laufen derzeit Gespräche mit potenziellen Kandidaten», sagt Ramseier. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu ahnen, dass Ramseier selbst auch zu diesem Kreis gehört.

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