Wie die meisten Kinder in seinem Alter spielt Aryan Anand gerne mit Legos und mag Fussball. Doch was viele nicht wissen: Der Achtjährige ist ein Schachtalent. Gerade ein Jahr ist es her, da zeigte ihm sein Vater, wie das Strategiespiel funktioniert.

Heute zieren mehrere Pokale und Medaillen Aryans Kinderzimmer in Wettingen. Anfangs November hat er sich für die Schweizerschachmeisterschaft seiner Alterkategorie qualifiziert. Eigentlich gäbe es dafür vier Qualifikationsspiele: Aryan hat gleich das erste Spiel gewonnen und darf nächsten Juni an die Meisterschaft.

Noch sitzt der Junge schüchtern auf dem Sofa, den Blick auf den Boden gerichtet. Das Antworten überlässt der scheue Bub anfangs lieber seinen Eltern. Kaum fällt das Wort Schachspielen, leuchten seine Augen auf. Er lächelt verschmitzt und schon hält er das hölzerne Brett mit den quadratischen Feldern drauf, in der Hand.

Schachgenie Aryan Arnand ist der Sohn indischer Eltern ist in der 3. Klasse und hat sich für Schweizer-Schach-Meisterschaft qualifiziert.

Innerhalb kurzer Zeit stehen alle Figuren. Mit «Let’s play», fordert Aryan seinen Vater ungeduldig zum Spiel auf. Nach nicht einmal fünf Minuten endet das Spiel: «Schachmatt» – Aryan hat gewonnen. «Es wird immer schwerer gegen ihn zu gewinnen», sagt Aryans Vater, Anand Nagasayanam.

Lernen zu verlieren

Vor fünf Jahren ist die Familie aus England in die Schweiz gezogen. Aryans Eltern, beide Ingenieure, stammen ursprünglich aus Indien. Der Vater arbeitet bei der General Electric in Baden und die Mutter, Reshma Ramachandran, bei der ABB. «Ich spiele kein Schach», sagt Ramachandran und lacht. Sie sei für die moralische Unterstützung zuständig. «Bei mir lernt er, das grosse Ganze zu sehen.» Denn, um zu gewinnen, müsse Aryan auch lernen zu verlieren.

An die Wettkämpfe wird der Junge meistens von seinem Vater begleitet. Fast jedes Wochenende hat Aryan ein Schachturnier. «Sein Kalender ist voller als unsere beiden», sagt sein Vater. Um den Jungen nicht zu überfordern, planen die Eltern aber stets mit Aryan zusammen, wann es wohin geht.

Bester Schachspieler in Region

Dabei ist das junge Schachtalent ehrgeizig: «Ich will einmal Schachweltmeister werden», sagt Aryan und lächelt schüchtern. Sein Lieblingsfach ist Mathematik. Doch auch Klavier spielen und singen gehören in das Repertoire des Wunderknaben. Schon sehr früh habe sich Aryan für Memory, Puzzles und Denkaufgaben interessiert.

«Vieles sprach dafür, dass er gut in Schach sein könnte», sagt sein Vater und fügt an: «Dass er so gut wird, hätte ich aber nicht gedacht.» Angefangen hat Aryan mit Onlineschach für Kinder. Heute ist er Mitglied des Jugendschaches der Schachgesellschaft Baden. Dabei tritt er meist gegen ältere Kinder an.

Ab und zu nimmt ihn sein Vater an öffentliche Wettkämpfe mit: Dort spielt der Knirps auch gegen stärkere Spieler. «Dann gewinne ich nicht immer», sagt Aryan. Doch in der Region ist er der beste Schachspieler in seiner Altersklasse.

Gemeinde fördert Begabung

An seiner Schule spielen nicht viele Kinder Schach: Zwei Mitschüler hat Aryan aber bereits mit dem Schachfieber infiziert. «Zudem spielt mein Lehrer manchmal mit mir Schach», sagt Aryan. In seiner Hand hält er den König – seine Lieblingsschachfigur.

Für die Wettbewerbe bekommt das junge Talent frei. Denn die Gemeinde fördert seine Begabung. «Schach ist ein Spiel, dass ihn viel über das Leben lernen lässt», sagt sein Vater Nagasayanam. Es zeige ihm, dass er alles erreichen könne, wenn er nur hart genug dafür arbeitet.

Damit er sich überhaupt konzentrieren kann, unterstützten Aryans Eltern aber auch sein sportliches Hobby: Fussball spielen. Ramachandran: «Für einen starken Geist braucht es auch einen gesunden Körper.»