Untersiggenthal
Diese Schüler bauen Digitalradios im Werkunterricht

An einer offenen Werkstatt in Untersiggenthal galt es, augenfällig und kreativ gestaltete Radiogeräte selber zu produzieren. Jeder der Schüler erhielt einen Satz mit elektronischen Bauteilen. In der Gestaltung des Radiogehäuses waren sie frei.

Brigitte Maurer
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Melven Owusu präsentiert sein Radio
7 Bilder
Astrid Andermatt - Da kann man wirklich Radio hören
Schüler bauen Digitalradios im Unterricht
Patrik Kondic mit Radio-Gitarre
Schulpfleger Ernst S. Werder und Astrid Andermatt vor den gefertigten Radios
Mustafa Ahmadi mit dem Pizza-Radio
Severin Sutter mit Coci-Radio

Melven Owusu präsentiert sein Radio

Thomas Züger

Stolz steht Mustafa Ahmadi neben seinem eigenhändig gefertigten Pizza-Radio mit den beiden Cola-Becher-Boxen und dreht «den Sound» auf. Die Idee dafür hatte er in der Bibliothek, wo sich die Untersiggenthaler Schüler bei Projektstart zum Brainstorming trafen. Damals hatte er noch keine Ahnung, wie er das Projekt anpacken sollte. Doch seine Werklehrerin, Astrid Andermatt, wusste Rat: Sie bestellte Pizza für die ganze Klasse und fotografierte ein besonders schönes Exemplar. Exakt diese Fotografie ziert nun sein Pizza-Radio. Mustafa legte sich mächtig ins Zeug. Und es machte ihm Spass: «Es ist das erste Mal, dass ich eine eigene Idee selber verwirklichen kann.»

Nicht nur Mustafa – alle Jugendlichen waren mit Elan an der Arbeit, machten gar freiwillig Überstunden. Andermatt bot an fünf Mittwochnachmittagen eine zusätzliche «Offene Werkstatt» an, in der getüftelt, experimentiert, gebohrt, geschraubt, gesägt, geschliffen und geleimt werden konnte. «Die Jungs waren jeweils derart in die Arbeit vertieft, dass ich sie abends gar nach Hause schicken musste», erzählt sie.

Jugendlicher Erfindergeist

Jeder Schüler erhielt einen Satz mit elektronischen Bauteilen. In der Gestaltung des Radiogehäuses waren sie frei. Eltern, Schulpflege und Lehrpersonen staunten ob der grossen Experimentierfreude und den innovativen Designs. Patrik Kondic zum Beispiel holte eine alte Gitarre vom Dachboden und verwandelte sie in ein Gitarren-Radio. Der Aufwand hat sich gelohnt: Seine Familie ist begeistert, ein Ehrenplatz für das Gitarren-Radio bzw. die Radio-Gitarre zuhause bereits bestimmt.

Die Eltern von Patrick Peck, Rikke und Chris, sind vom Radio ihres Sohnes angetan. Patrick wählte eine komplizierte Form, einen sogenannten platonischen Körper. Inspiriert von der Finanzkrise baute Moritz Melliger ein Geld-Radio: Das Radiogerät als überdimensionalen Fünfliber, die Boxen als Hunderternoten-Stapel.

Während einige Schüler lange an ihrer Idee herumtüftelten, hatten andere ihr Radio von Beginn an klar vor Augen. Zum Beispiel Severin Sutter, der sich aus Cola-Büchsen eine Hülle baute. Oder Nico Antoniazzi, der schon fast ein Profi im Eigenbau von Hightech-Geräten ist. Kürzlich fertigte er in der Freizeit, mit Hilfe seines Vaters, eigene Boxen.

Radios bei Wettbewerb eingereicht

Werklehrerin Astrid Andermatt, ist stolz auf die Leistung ihrer Schüler. «Durch die Radiowerkstatt wurde echtes Teamwork möglich. Alle halfen einander, waren interessiert und motiviert», sagte sie. «Immer so Werkunterricht geben zu können, wäre ein Traum.» Pro Klasse hat sie drei Radios beim Deutschschweizer Radiowerkstatt-Wettbewerb eingereicht. Nun heisst es abwarten, bis die Jury die drei besten ausgewählt hat. Zur Fachjury zählen nebst Designer auch Musiker wie Adrian Sieber von den Lovebugs. Und natürlich hoffen die Untersiggenthaler, dass eines ihrer Modelle ausgezeichnet wird.

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